Band 
Dritter Kursus.
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Die Ursachen der Reformation.

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Haus geschickt wurde. Das Geschäft wurde den Bettelmönchen (S. 139)anvertraut, weil sie mit dem Volk am besten umzugehen wußten. Nunwurde die Sache vollends zur Marktschreierei. Tezel ließ den Teufel ab-malen, wie er die armen Seelen im Feuer quält, und über seinen Kastenschreiben: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmelspringt." Nicht nur er, sondern auch andere Ablaßkrämer verfuhren so.

3. Wie es zu keiner Zeit in der Kirche an Männern gefehlt hat, welchegegen die herrschenden Mängel auftraten, so vermehrten sich die Streiterauch zu einer Zeit, wo die Gefahr, das reine Christenthum erdrückt zu sehen,immer drohender wurde. Zu solchen haben wir die bereits früher genann-ten Mystiker (S. 164 Anm. 1) Tauler in Straßburg und T h o m a s Mystiker u.a Kempis zu rechnen. Als großer Sprachforscher wirkte zuerst Johann Hmnani-

Wessel (4 1489), der sich in Heidelberg stark gegen die Mißbräuche der uen.

Kirche aussprach und das Studium der Bibel empfahl. Noch übertreffenwurde derselbe von Reuchlin (S. 165) und Erasmus von Rotter-dam, welche als Muster deutscher Gelehrsamkeit allen folgenden Jahr-hunderten wie dem ihrigen voranleuchteten.

So lange sich die Sprachstudien nur auf lateinische und griechischeKlassiker erstreckten, da nahm die Kirche an ihnen keinen Anstoß, als sie

sich aber auch mit dem griechischen und hebräischen Urtext der Bibel be-

schäftigten, da begann wider sie der Mönche Geschrei. Man fürchtete ebenvon einem ernstlichen Forschen in der Bibel, daß es die Unfehlbarkeit derPäpstlichen Satzungen erschüttern könne.

Zur Aufklärung der Köpfe wirkte bereits auch die Buchdrucker-kunst mit. Schon vor Luther wurde die Bibel vierzehnmal in's Ober-deutsche und dreimal in's Niederdeutsche übersetzt und gedruckt. Dadurchwurde die Vergleichung zwischen den überladenen Kirchensatzungen und demeinfachen Evangelium mächtig gefördert. Großes Aufsehen erregte die Schrift»Teutsche Theologia", die man einem deutschen Ordensritter in Frank- Teutschefürt a. M. zuschrieb, ein Buch voll evangelischer Einfachheit. Bald wimmelte Theologm.es von Streitschriften für und wider die Humanisten. Die Kölner undandere Finsterlinge (Obskuranten), besonders am Rhein (Kaiser Max nannteden Rhein nur die Pfaffengasse) ruhten nicht, sondern fuhren fort, gegendie Humanisten zu schreien. Da trat auch der hochgebildete Ritter Ulrichvon Hütten (S. 165) gegen sie auf und schrieb mit einigen Freunden Spottschrif-die existolas opsourornm virorum (Briefe der Dunkelmänner), worin er ten.die Dummheit und Bosheit der Pfaffen auf's witzigste geißelte. Die sxi-stolns standen nicht allein. Eine große Menge der beißendsten Spott-schriften in lateinischer und deutscher Zunge bereiteten unter dem Deck-mantel eines erlaubten Scherzes den ersten Kampf vor. Erasmus, derübrigens jeder Spaltung der Kirche abhold war, schrieb seine „Gespräche"und sein „Lob der Narrheit" und gewöhnte so die Leser, über viele Dingezu lachen, an die sie bisher mit ehrfurchtsvoller Scheu gedacht hatten.

Aehnlich schrieben: Sebastian Brant (4 1521: Verfasser des Narren-schiffes) und der Schuster Hans Sachs (S. 143), dessen Fastnachtsspieledie Sitten und Meinungen der Zeit nicht schonten.

So war nach Gottes Rathschluß der Reformation der Weg ge-bahnt; diese war aber kein Werk des Spottes, sondern ein Werk des tiefstenErnstes, den unser Luther auch von Anfang an zeigte. Alles, was bei