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Neue Geschichte.
Einheit des Reichsverbandes fast gänzlich verloren, wurde das Obcransehendes Kaisers beinahe bedeutungslos. Die einzelnen Fiirsten konnten nunmehrsogar Bündnisse mit fremden Mächten abschließen; kurz das weiland deutscheReich war es nur noch dem Namen nach, in der That aber bestand esGeringe aus einer Menge größerer und kleinerer Staaten. Der Kaiser hatte Wohl alsBefugnisse Fürst seiner Erblande Macht und Bedeutung; als Oberhaupt des Reichsdes Kaisers. aber hatte er blos das ihn auszeichnende Recht, daß Beschlüsse der Reichs-stände erst durch seine Zustimmung Rcchtsgiltigkeit erlangten; ferner besaßer noch die Gerichtsbarkeit über Reichsunmittclbare, die Oberlehnsherrlich-keit und mehrere Reservatrechte, wie die Berufung von Reichstagen, dieBestellung kaiserlicher Notarien u. s. w. Was bisher der Kaiser mit denKurfürsten allein hatte entscheiden können, das wurde zur Sache des Reichs-Ständigkeit tages. Der Reichstag erhielt eine größere Bedeutung als früher und wurdedes Reichs- yam Jahre 1663 an eine ständige Behörde, welche ihre Sitzungen in Re-gensburg hielt. Im Reichstag unterschied man drei Kollegien: den Kur-fürstcnrath, den Fürstenrath und den Städterath. Bei Religionsangelegen-heiten theilten sich die Reichsstände in die Körperschaft der Katholikenloorpns outbotieorurn) und in die der Evangelischen (oorpuo evunAslioo-rum). Die Reichstagsverhandlungen hatten einen sehr schleppenden Gang,Berbaud- die Zahl der Berechtigten sehr groß geworden war und es nicht We-itungen. uiger als 240 Reichstagsstimmen gab. Auch erschienen die Fürsten nichtmehr in Person; sondern schickten Beauftragte, welche jeden Gegenstand derBerathung erst „hinter sich" zu bringen pflegten, d. h. die Sache ihremHofe oder ihrer Stadt mittheilten und deren weitere Instruktionen abwarteten.Auf diese Weise brachte man alles hinter sich, aber nichts vor sich, dennehe die Instruktionen einliefen, war gewöhnlich der rechte Zeitpunkt verstrichen.Kaiser- Die Kaiscrwahl und die Kaiserkrönung hatte indeß immer noch vielkroimug. Änliches und Ehrwürdiges; doch geschah sie nicht mehr in Aachen, son-dern in Frankfurt a. M., wohin die regelmäßig in Nürnberg aufbewahrtenReichskleinode gebracht wurden. Nach erfolgter Wahl läutete man alleGlocken, der Kaiser und alle Fürsten versammelten sich auf dem „Römer"und zogen in Prozession zu Pferde nach dem Dom. Hier wurde zuerstMesse gelesen, dann vollzog der Erzbischof von Mainz die Salbung undendlich die Krönung. Nun bestieg der Kaiser, geschmückt mit der Krone,unter Anstimmung des Ambrosianischen Lobgesanges den Thron und ver-richtete die erste kaiserliche Handlung, indem er einen Edelmann mit demSchwerte Karl des Großen zum Ritter schlug. War das geschehen, so begaber sich mit der ganzen Prozession zu Fuß nach dem Römer zurück. Pur-purne Tücher wurden ihm unterwegs unterbreitet und nachher dem Volkepreisgegeben. Auf dem Römer war das Kaisermahl. Der Kaiser aß alleinan einer 6 Fuß höheren Tafel, dann kamen die Fürsten und seitwärts3 Fuß unter dem Kaiser die Kaiserin. Die Kurfürsten warteten ihresAmts. Böhmen, des Reiches Mundschenk, ritt zu einem Springbrunnen,aus dem Wein quoll, und brachte das erste Glas dein Kaiser; Pfalz rittzu einem am Spieß gebratenen Ochsen und schnitt das erste Stück deinKaiser ab; Sachsen ritt in einen Haufen Hafer so tief hinein, daß er demPferde bis an die Brust ging und füllte ein Maß Hafer für den Kaiser,endlich ritt Brandenburg zu einem Brunnen und füllte das silberneWaschbecken für den Kaiser. Der Wein, Ochs, Hafer, sowie die Reste derkaiserlichen Tafel wurden dem Volke preisgegeben.