Band 
Dritter Kursus.
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Folgen des 30jährigen Krieges.

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Ueberhaupt suchten die Fürsten einander an äußerem Prunke zu über-treffen und entfalteten bei Reichstagen i und wichtigen Familienereignissen^den größten Glanz. An den Höfen wimmelte es von einer Menge unnützerDiener. Hauptzcitvertreib der Fürsten waren Jagden, Trinkgelage undRingelstcchen. Auch liebte man, sich die Zeit durch Hofnarren verkürzen zulassen. Das Leben an den Höfen fand nur zu reichliche Nachahmung. Be-sonders war es der damalige Adel, welcher einen großen Theil seiner Zeitam Tische tödlcte und seinen Geist durch den Becher ^ betäubte. Doch auchreichen Bürgern mußte allzugroßer Aufwand bei Taufen und Trauungenverboten werden. Das Volk hingegen blieb einfach. Die niederen Ständehatten ihre Volksfeste, ihre Schießübungen und ihre Tanzplätze, die Hand-werker ihre vierteljährlichen Umzüge mit dem Hanswurst und andere scherz-hafte Gebräuche. Die Schlächter trugen hier und da eine ungemcin großeWurst, die Bäcker eine riesenhafte Bretzel umher und bewiesen so, daß allereligiösen und politischen Händel den angcbornen Sinn der Deutschen fürLust und Schwanke nicht zu unterdrücken vermochten.

Durch die Religionskriege hatten alle Stände eingebüßt, nur die Fürstengewonnen. Die Geistlichen waren durch die Reformation, die Adeligen durchdie neue Kriegführung, die Bürger durch den Verfall des Handels, die Bauernin Folge der Bauernkriege unmächtiger geworden. Dazu hob sich die Fürstcn-macht durch Einführung des Erstgeburtsrechts. Das Haus Habsbnrgverfügte 1621 die Unteilbarkeit seiner Erbstaaten; Haus Wittelsbach hatte esschon 1545 gethan. Die protestantischen Fürstenhäuser blieben noch längereZeit — mit Ausnahme von Würtemberg — in mehrere Linien getheilt.

Die Macht der Landstände ward im 30jährigen Krieg völlig ge-brochen. Sie hatten sich durch die Länge der Zeit, während welcher alljähr-lich die Kriegssteuern aufgebracht werden mußten, an eine regelmäßigeBesteuerung ohne Anfrage gewöhnt und hörten entweder gänzlich auf oderwurden ein blindes Werkzeug der Regierung. Alle Macht war nun bei demLandesherrn, welcher in seinem Kabinet mit dem Kanzler die Angelegen-heiten des Staates entschied. Besondere Aufmerksamkeit wandte die Regierungauf die Kammer, welche die öffentlichen Einnahmen und Ausgaben zubesorgen hatte. Weil das Geld gewöhnlich nicht langen wollte, so warMan auf allerlei neue Einnahmen bedacht. Man verderbte das Münzwc-scn, indem man die Geldstücke viel zu gering ausprägte, was später in denPreisen aller Gegenstände eine große Verwirrung veranlaßte. Man ver-kaufte Privilegien, den Adel, Aemter und Titel und suchte der Regierunggroße Monopole vorzubehalten. Das Forstregal der Fürsten wurde so er-weitert, daß es alle größeren Waldungen umfaßte, die nicht ausschließlichdurch einzelne Personen oder Gemeinden benutzt wurden, und von der Jagdbehauptete man, daß der Landesherr dieselbe auch den Grundbesitzern un-tersagen könne. Auch die Bauern wurden in ihren früheren Rechten, na-mentlich durch die Uebertragnng römischer Begriffe auf die germanischen

t Herzog Friedrich von Würtemberg erschien einmal mit einem Gefolgevon 700 Pferden.

2 Bei der Vermählung Herzog Wilhelm des Jüngern von Baien, (1568)brachten die Gäste, welche säumst ihrem Gefolge freigehalten wurden, 4534 Pferde mit.

» Die metallenen Familienpokale und Humpen sind bekannt. KaiserMaximilian II. bediente sich 1570 auf dem Reichstage zu Speier eines kristallinenBechers, und seitdem kamen die Gläser znm Trinken aus.

Spieß u. Bcclct, WeltgcfchiHtc III. «- Aus!. 13

Freuden derverschiede-nen Stände

Macht derFürsten.