Band 
Dritter Kursus.
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Neue Geschichte.

Land und Leute, ihr Vermögen und selbst ihre Gedanken sind mein!"Ludwig war aber auch wie dazu geboren, um eine solche Machtstellung zuvertreten. Seine Gestalt war schön und männlich, seine Gesichtsbildungedel und einnehmend; noch im höchsten Alter gewährte er den Eindruckeines herrlichen Greises. Sein Geist, von Natur scharf und durchdringend,war zwar ohne wahre Pflege geblieben, doch kam ihm in der Kunst, dieGedanken mit Würde und Feinheit auszudrücken, keiner seiner Hofleutegleich. Auch besaß er ein treffliches Gedächtniß und ein gesundes Urtheil;stets war er darauf bedacht, die Hoheit des Herrschers in Allem, was erthat, zu bewahren und in seiner Umgebung und an seinem Hofe den Glanzder Krone und den Zauber der Majestät wiederzuspiegeln. Seine Ruhm-begierde wirkte befruchtend auf die besten Köpfe der Nation ein. Zu keinerZeit hat Frankreich so viel große Männer gehabt, als unter LudwigLouvois, dem XIV. Der Kriegsminister Louvois (7 1691) hob das KriegswesenBallban u. und vermehrte das stehende Heer. Der große Ingenieur Vauban (4 1707)Kotbert. umgab Frankreich mit einer doppelten Reihe von Festungen, um es denfremden Heeren unzugänglich zu machen. Der Staatsminister Kolbert(7 1683) führte mit eben so viel Fleiß als Geschick die Verwaltung imInnern. Er belebte den Handel, beförderte Fabriken, legte Kanäle an undgründete Handelsgesellschaften für Ost- und Westindien, Kolonien in Afrikaund Amerika. Von ihm ward eine halb richterliche, halb militärische Ge-Polizei. walt, die Polizei, geschaffen, welche einestheils gegen Mord und Eigen-thumsverletzung Schutz gewähren, anderntheils durch geheime Spione undVerletzung des Briefgeheimnisses alle Auflehnungen gegen die öffentlicheSicherheit unmöglich machen sollte. Auch die Künste und Wissenschaftenerreichten unter Ludwig dem XIV. einen seltenen Flor; er ehrte sie, weilsie ihn ehren und verherrlichen sollten. Jedes ausgezeichnete Talent wurdeGoldenes an den Hof gezogen und unterstützt. Unter den geistlichen RednernZeitalter jener Zeit ragen besonders hervor: Bossuet (7 1704), Fenclon (4 1715),der stanz. Bourdaloue (st 1704), Massilon (7 1742), Flechier >7 1710). Für dasLiteratur. Drama waren Corneille (4 1684), Racine ick 1699), Molicre (4 1673)thätig. La Fontaine (4 1695) schrieb anmuthige Fabeln und Boileau t4 1711)feingezeichnete Satiren, sowie eine art xoskigns, in welcher die Regeln fürden Versbau und für die verschiedenen Dichtungsarten aufgestellt sind.

Durch diese großen Geister gewann die französische Literatur ihr gol-denes Zeitalter und die französische Sprache eine solche Verbreitung,daß sie die Umgangssprache aller gebildeten Stände ward und die latei-nische aus den Verhandlungen der Diplomaten verdrängte.

3. Ludwig des XIV. Hof- und Privatleben. — Ludwig, vondem Grundsatz ausgehend, daß der größte Monarch auch die größte Prachtentfalten müsse, hatte bei weitem die glänzendste Hofhaltung in ganz Europa.Gewöhnlich wohnte er zu Versailles', wo er ein feenhaftes Schloß erbauthatte. Ein Hoffest drängte das andere: Komödien, Maskenzüge, Feuer-werke und andere Belustigungen wechselten in bunter Mannichfaltigkeit. Inden Festspielen war immer dem König vie Hauptrolle zugetheilt; denn Alleshatte den Zweck, seine Größe, seine Weisheit, seine Unwiderstehlichkeit zurühmen. Ludwig achtete darauf, daß jeder Große des Reichs regelmäßig" 1 Versailles, Stadt 3st» Stunden südwestlich von Paris, Residenz der

französischen Könige von 1672—1789.