Ludwig XIV. 1643-1715.
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obwohl der König ihn nie liebte, die Königin und der Adel fortwährendan seinem Sturz arbeiteten, einen gänzlichen Umschwung der Dinge her-bei. Richelieu's Streben war auf Vergrößerung und Abrundung Frank-reich's nach außen und aus Hebung und Kräftigung der Königsmacht nachinnen gerichtet. Um das Erstere zu erreichen, suchte er das Haus Habs-burg zil schwächen und unterstützte daher während des 30 jährigen Kriegesdie Protestanten in Deutschland, und um das Andere zu erlangen, unter-ließ er die Einberufung der Reichsstände, brach die Macht des Adels undder Parlamente und bekämpfte die Hugenotten, die im südlichen und west-lichen Frankreich mehrere Sicherheitsplätze inne hatten. Nachdem er indrei Kriegen die wichtigsten Hugenottenstädte (Nimes Montpelliers Mon-tauban ') erobert und endlich nach 14monatlicher Belagerung das Bollwerkder Kalvinisten — La Rochelle' (1628) zu Fall gebracht, beraubte er La Rochellediese ihrer unabhängigen Stellung, gewährte ihnen aber Religionsfreiheit 1628.und gleiche Rechte mit den Katholiken. Durch Entwaffnung der Hugenot-ten war den unruhigen Großen ihr stärkster Rückhalt genommen; ihre fer-neren Umtriebe beschränkten sich auf Verschwörungen gegen Richelieu's Leben,welche der Schlaue aber durch Strenge und Wachsamkeit zu vereiteln wußte.
Richelieu starb 1642, wenige Monate nach ihm der König. Ueber sei-ner großartigen politischen Wirksamkeit ist nicht zu vergessen, daß er als FranzösischeFreund der Künste und Wissenschaften die französische Akademie gestiftet (1635) Akademieund das Palais Royal erbaut hat. Sein Nachfolger war der von ihm 1635.selbst dazu empfohlene Kardinal Mazarin. Dieser leitete während der Mazarin.Minderjährigkeit Ludwig des XIV., über den dessen Mutter, Anna vonOesterreich, die Vormundschaft führte, alle Staatsangelegenheiten. Ganz imGeiste seines Lehrmeisters Richelieu fortwirkend, gerieth er mit dem Adelund den Parlamenten, die ihre frühere Macht und Stellung wieder zu er-langen suchten, in Streit. Anfangs setzten die Großen dem eigenmächtigenMinister nur geringen Widerstand entgegen, später aber, als derselbeeinige der kraftvollsten Parlamentsräthe verhaften ließ, kam der Unwille zueinem gewaltsamen Ausbruche. Bier Jahre, von 1648—1652, wurdeFrankreich von einem blutigen Bürgerkriege zerrissen, den man den Krieg Krieg derder Fronde nennt. Allein Mazarin blieb Sieger und schuf nun den FrondeAdel und die hohen Beamten nach und nach zu fügsamen Werkzeugen des 1648 —S2.königlichen Willens um. Aus Dankbarkeit dafür ließ Ludwig XIV., obwohler sich schon 1652 für volljährig erklärte, den Kardinal bis zu dessen Tod(1661) im Antte, dann aber übernahm er selbst die Regierung.
2. Ludwig des XIV. Staatsverwaltung. — Ludwig banteLudwig desauf den Grundlagen fort, welche Richelieu und Mazarin gelegt hatten, und XIV.gelangte zu einer' Allgewalt, welche bisher noch nicht dagewesen war. Ein Staatsver-Parlament, das sich widerspenstig zeigte, jagte er wie einen Haufen Knaben waltung.auseinander. Der Adel, vor einigen Jahren noch so eifersüchtig auf Selb-ständigkeit, diente jetzt im Heere und fand fein höchstes Glück darin, einevom König verliehene Ehrenstclle zu erlangen oder am Hofe sich in denStrahlen der königlichen Gnade zu sonnen. Diesen reichsten und mächtigstenStand hinter sich,' konnte der König wohl sagen: o'sst moi. Sein
Wille war das Gesetz für Alle, und öfters äußerte er: „Ganz Frankreich,
^ > Nimes, Stadt westlich vom Unterlauf der Rhone. — Mon tpellier, Stadt
südwestlich von Nimes. — Montauban, Stadt östlich vom Mittellauf der Ga-rantie. — La Rochelle, feste Stadt am biskayschen Meerbusen.