Band 
Dritter Kursus.
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203
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Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst, 1640—1688. 803

haben wir (S. 135) bis zum Jahre 1525 verfolgt, wo es ein weltliches Preußen einHerzogthum wurde. Mit dieser Verwandlung ging es zugleich in den Besitz weltlichesdes damaligen Hochmeisters, des Markgrafen Albrecht von Branden- Herzogbürg (Kulmbach'), über, der es im Frieden von Krakau (1525) als polnisches HumLehen empfing. Unter Albrecht's Regierung gewann das Herzogthum trotzmehrfacher Unruhen und Religionsstreitigkeiten an Wohlstand und Bildung,durch ihn erhielt es 1546 die Universität Königsberg, gute Schulen, einePolnische Uebersetzung der Bibel und andere nützliche Bücher in deutscher,

Polnischer und lithauischer Sprache. Albrecht starb 1568 und hinterließ Vereini-das Land seinem gleichnamigen Sohne, welcher aber blödsinnig wurde, gung Pren-Desscn Schwiegersohn, Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg, ^n's miterbte es (1618) und erhielt es als Lehen von Polen; seitdem ist Preußenununterbrochen bei dem hohenzoller'schen-brandenburgischcn Hause geblieben, igig

Georg Wilhelm folgte seinem Vater 1619. Unter ihm brachen Georgüber den Staat die Gräuel des 30 jährigen Krieges herein. Ohne innere WilhelmKraft schwankte der Kurfürst zwischen den streitenden Mächten hin und her. 1619—40.Anfangs blieb er parteilos, sah aber seine Marken durch dänische Schaarenund Mansfeld's Horden verwüstet. Daraus hielt er es mit dem Kaiser,bis er von Gustav Adolf genöthigt wurde, sich Schweden anzuschließen.

Nun hatte das Kursürstenthum von den Brandschatzungen Wallenstein's undTilly's entsetzlich zu leiden, und als endlich Brandenburg dem PrägerFrieden beitrat (1635), fielen die Schweden sengend und brennend in'sLand ein und schlugen den unglücklichen Bewohnern neue Wunden. DieMark glich einer Einöde, einer Wüste voll rauchender Trümmer und Todes-angst. Da starb Georg Wilhelm (1640) und hinterließ seinem Sohne Der großeFriedrich Wilhelm s1640—1688) das arme, durch Krieg und Krank- Kurfürstheit entvölkerte Land. Dieser Regent, welcher schon bei Lebzeiten der große 1640 — 88.Kurfürst genannt wurde, verstand es, den brandenburgischen Staat aushoffnungsloser Schwäche zu neuer Macht emporzuheben. Zunächst schuf ersich ein ergebenes Heer; mit diesem brach er, dem Geist der damaligen Zeitfolgend, die Macht seiner Landstände, um mit einheitlicher Staatsgewaltfür das allgemeine Beste wirken zu können. Leider schritt er später auchauf kirchlichem Gebiet in gleicher Weise vor und nöthigte so (1666) denfrommen Berliner Prediger Paul Gerhardt (ch 1676), welcher 120Kirchenlieder verfaßt hat, in die Verbannung zu gehen.

Im westfälischen Frieden (1648) erhielt Friedrich Wilhelm für denan Schweden überlassenen Theil von Pommern die Stifter Magdeburg, Hal-berstadt, Minden ' und Kammin Mit Eifer war er bemüht, die Spurendes Krieges auszutilgen. Strenge Ordnung wurde wieder hergestellt, derLandmann bebaute in Sicherheit seinen Acker, und Fremde ließen sich gernin einem Lande nieder, wo Gerechtigkeit herrschte und Gewerbe, Künsteund Wissenschaften sich sichtlich hoben. Reitende Posten wurden zwischenKönigsberg und Memel, zwischen Berlin, Magdeburg und Kleve i errichtet.

Der Friedrich-Wilhelm's-Kanal stellte unter Benutzung der Spree undHavel eine Verbindung zwischen Oder und Elbe her. Eine neue Verbrauchs-

i Kulmbach, Stadt in Franken, am Abhänge des Fichtelgebirges. — Min-den, westfälische Stadt an der Weser. — Kammin, Stadt unweit der Ostsee,nördlich von Stettin. — Kleve, Stadt im nordwestlichen Westfalen, 1 St. vomlinken Rheinnfer.