Band 
Dritter Kursus.
Seite
204
JPEG-Download
 

204

Neue Geschichte.

steuer (Akzise) lieferte die Mittel zur Erhaltung eines vergrößerten Heeres. —Vertrag zu Im Vertrage von Wehlau^ (1657) gewann der große Kurfürst die Un-Wehlau abhängigkeit des Herzvgthums Preußen und sah dieselbe bald darauf von1657. im Frieden zu Oliva bestätigt (1660). Als Ludwig XIV. von

Frankreich in unersättlicher Ländergier die Niederlande und das westlicheDeutschland mit großen Kricgsheeren überzog, da führte der Kurfürst Fried-rich Wilhelm voll patriotischen Eifers 20,000 Mann dem kaiserlichen Heerzu Hilfe (1674). Während er aber am Rheine stritt, fielen, von Frankreichaufgereizt, die Schweden in Brandenburg ein. Unvermuthet erschien jedochKurfürst Friedrich Wilhelm im Juni 1675 mit 6000 Reitern und 1200Musketieren vor Rathen ow aus dem er in wenig Stunden die SchwedenFehrbellin vertrieb. D arauf stieß er (XVIII. Juni) bei Fehrb ellin' auf die schwedische1675. Hauptmacht: 11,000 Mann und 38 Geschütze. Obwohl die meisten Befehls-haber den Angriff widerriethen, weil das kurfürstliche Fußvolk noch 10 Meilenzurück war, so beschloß Friedrich Wilhelm dennoch die Schlacht und gewannüber den Feind, welcher seit dem 30jährigen Kriege in dem Ruf unüber-windlicher Tapferkeit stand, einen herrlichen Sieg.

Mit Jubel zog der Kurfürst in Berlin ein, allein die von Schwedengemachten Eroberungen mußte er auf Andringen Frankreich's späterhinwieder herausgeben. Dagegen gewann er an den französischen Flüchtlingen,welche die Aufhebung des Edikts von Nantes aus Frankreich trieb (S. 202),20,000 arbeitsame Unterthanen, welche Fabriken und Manufakturen anleg-ten und wüste Gegenden urbar machten. Auch ist der Versuch Friedrich Wil-helm's, eine Seemacht zu gründen, hervorzuheben. Spanien hatte ihmnämlich bei Ludwig des XIV. erstem Einfall Hilfsgeldcr versprochen; erhatte gerüstet, war aber nicht bezahlt worden. Nun machte er sich selbst be-zahlt, indem er durch eine kleine Flotte unter Kornelius von Bevern meh-rere reiche spanische Schiffe wegnehmen ließ. Bald ging er noch weiter underrichtete 1687 eine afrikanische Gesellschaft, welche an der Küste von GuineaGroß - Friedrichsburg baute. Die Kolonie konnte aber wegen der Eifer-sucht der Engländer und Holländer nicht aufkommen und wurde den letzterenim Jahre 1720 verkauft.

Friedrich Wilhelm, ein unverzagter, tapferer, gerechter und gottesfürch-tiger 2 Herr, starb im Jahre 1688. Er hinterließ ein bedeutend ver-größertes und gut angebautes Land, einen Schatz von 2,100000 Markund ein geübtes Heer von 28,000 Mann. Man betrachtet ihn als den-jenigen, welcher zu Preußen's Macht und Ansehen den Grund gelegt hat.Friedrich der Große sagt von ihm mit Recht: „Er war Herrscher ohneLand, Kurfürst ohne Macht, Erbe ohne Erbtheil".

Fried- 2. Auf ihn folgte sein Sohn Friedrich III. 1688 — 1713. Dieser

rich III. stand geistig und körperlich dem Vater nach, förderte aber dennoch Preußen's1688-1713. Geschick nicht wenig, da er die Königswürde annahm. Zu dieser Erhöhungwurde er durch sich selbst, aber auch durch das glückliche Emporstreben an-

1 Wehlau, Stadt am linken Ufer des Pregel, östlich von Königsberg. ^Oliva, Kloster bei Danzig. — Rathenow, Stadt am rechten Ufer der Havel,nordwestlich von Berlin. — Fehrbellin, Städtchen am Rhin, nordwestlich vonBerlin.

2 Seine erste Gemahlin Luise Henriette (ch 1667) ist Verfasserin desschönen Kirchenliedes: „Jesus meine Zuversicht", der Kurfürst selbst hatte zum Wahl-spruch: „Herr, thue mir kund den Weg, darauf ich gehen soll" (Psalm 148, 8).