Band 
Dritter Kursus.
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Neue Geschichte.

geheimen Anschwärzungen von Seilen des neuen kaiserlichen Günstlings Dol-gorucki und von dessen Partei, so daß der aufgebrachte Kaiser Mentschi-kow's Vermögen einzog und ihn selbst nach Sibirien verbannte, wo er 1729starb. Mit Peter dem II. erlosch 1730 der Mannesstamm des Hauses Roma-now, und da kein Nachfolger ernannt war, so erhob der Staatsrath undder zu Moskau versammelte Adel mit Uebergehung der Töchter Peter desAnna Großen dessen Nichte Anna (1730 — 1740), die verwittwete Herzogin von1730 — 40. AMgnd, tzxZ blödsinnigen Jwan's Tochter, auf den russischen Thron. Un-ter dieser Kaiserin genoß der Herzog Biron ein unbegrenztes Vertrauen, sodaß die Regierung größtentheils in seinen Händen war. Mit Wuth ver-folgte er die Dolgoruckis; viele derselben wurden hingerichtet, die übrigennach Sibirien verbannt. Sterbend (1740) ernannte Anna ihren Günstlmg4- zum Regenten während der Minderjährigkeit ihres Nachfolgers, des PrinzenIwan' Iwan, der ein Sohn Anna's, einer Nichte der Kaiserin, und des Herzogs

1740— 41. Anton Ulrich von Braunschweig war. Die Eltern fühlten sich zurückgesetzt,

wußten Biron zu stürzen und sammt seiner Familie nach Sibirien zu schicken.Jwan's Mutter Anna übernahm nun selbst die Regierung, konnte sich aberElisabeth gegen Elisabeth, die Tochter Peter des Großen, nicht behaupten, die

1741— 62. denn mit Hilfe bestochener Garden den Thron bestieg (1741—1762). Mit der

größten Härte verfuhr Elisabeth gegen Iwan und seine Eltern. Iwan wurdein Schlüsselburg ^ gefangen gehalten und in jeder Beziehung vernachlässigt.Seine Eltern wurden von Ört zu Ort geschleppt, bis sie endlich auf eineInsel in der Dwina am weißen Meere kamen. Anna starb 1746, ihr Ge-mahl 30 Jahre später; die jüngeren Kinder erhielten 1780 die Freiheitwieder und wurden nach Dänemark geschickt 2 . Elisabeth war eitel und genuß-süchtig und erregte durch ihr unsittliches Hofleben argen Anstoß. WeilFriedrich der Große sich über dasselbe lustig gemacht hatte, so trat sie wäh-rend des 7jährigen Krieges auf die Seite seiner Feinde und war ihm einePeter III. heftige Gegnerin. Als sie 1762 starb, wurde Peter III., der Sohn ihrer1762. älteren Schwester Anna, welche an den Herzog von Holstein-Gottorp ver-mählt war, als Herrscher aller Reußen ausgerufen. Dieser war ein be-geisterter Verehrer des Preußenkönigs und machte mit ihm nicht nur Frie-den (zu Petersburg am 5. Mai), sondern ließ auch 20,000 Mann Russenzu den Preußen stoßen. Doch schon im Juli wurden diese Truppen zurück-gerufen, da inzwischen Peter III. von seiner Gemahlin Katharina der II-entthront worden war und diese sich für neutral erklärte.

Katharina Kathärina II., eine geborene Prinzessin von Anhalt-Zerbst, hatII. 34 Jahre lang (1762—1796) auf dem russischen Throne gesessen. In ihrem1762— 96. Privatleben sinnlich und genußsüchtig, war sie als Regentin kräftig, kühnund glücklich. Nicht mit Unrecht hat man sie die „nordische Semiramis"genannt. Als würdige Nacheiferin Peter des Großen führte sie Rußlandauf dem von ihm angebahnten Wege fort und wirkte bewunderungswürdigfür den Aufschwung des weiten Reichs. Sie zog zahlreiche Kolonisten indas L and, l egte neue Städte an und sorgte durch Straßen und Kanäle

1 Schlüsselburg, Stadt und Festung au der Newa, wo diese aus dem La-dogasee tritt.

2 Als Iwan 24 Jahre alt war, wollte ein verwegener Offizier unter derRegierung der Kaiserin Katharina der II. ihn befreien. Um die That zu vereiteln,lödtete die Wache den unglücklichen Prinzen, dem kaiserlichen Befehle gemäß. DerOffizier ward hingerichtet.