Band 
Dritter Kursus.
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Neue Geschichte.

hervor. Der Bürgerliche durfte grundherrliches Eigenthum entweder garnicht, oder nur unter großen Beschränkungen erwerben, er war in derRegel von den höheren Staatsämtern und Offizierstellen ausgeschlossen undin den etwaigen Ausnahmsfällen mit seiner Familie nicht hoffähig. Dazuwies der Adel jede Verheiratung mit Angehörigen des Bürgerstandes alsschimpflich zurück und betonte geflissentlich, daß im Staate der ärmste Ade-lige mehr Geltung, als der reichste Bürger habe. Durch dies Alles wurdeder gesammte Mittelstand von Abneigung gegen den Adel erfüllt, und dieseAbneigung wuchs in Frankreich rasch bis zur Erbitterung, weil daselbstzufolge einer mehr ausgebildeten Geselligkeit der dritte Stand häufiger mitden höheren Ständen in Berührung kam und von ihnen manche empfind-liche Zurücksetzung zu erdulden hatte.

Auch in dem französischen Kirchenthum zeigten sich krankhafte Er-Mängel der scheinungen. Die höheren Stellen wurden von dem König vergeben undGeistlich- gelangten darum fast ausschließlich in den Besitz von Fannlienmitgliedernkeit. des Adels, welche dann um die Gunst des Hofes buhlten und ihre reichen

Pfründen in weltlicher Lebensweise verzehrten. Die niedere Geistlichkeitdagegen lebte in Armut und blickte mit Neid hinauf zu den hoch besoldetenPrälaten. Doch nicht blos das äußere, sondern auch das innere Leben derKirche lag in Siechthum. Durch Ausstoßung der Reformirten und Unter-drückung des Jansenismus ^ war der französischen Kirche die Stätte ent-zogen worden, auf der die besonnene Prüfung der Glaubensform stattha-ben konnte. Es fehlte ihr daher an einem läuternden Ferment, und dieGering- Folge davon war, daß der belebende Geist den Formen des KirchenthumesschStzung d.immer mehr entschwand und Unglaube und Jndiffcrentismus anReligion, dessen Stelle traten. Wie traurig es mit dem Glauben der höheren Geist-lichkeit bestellt war, offenbart die Versicherung eines ehrlichen Pfarrers:„Vier oder fünf von ihnen glauben wohl noch an Gott." Selbst die wür-digern Glieder des geistlichen Standes vermochten nicht der Glcichgiltigkcitund Geringschätzung gegen Religion und Kirche, welche sich von dem Hofeund dessen Umgebung aus über die ganze Nation verbreitete, erfolgreichenWiderstand zu leisten. Es gehörte damals in Frankreich zum guten Ton,über Christenthum und christliche Kirche zu spotten, und die Gebildetenhielten es für einen Ruhm, weder an Gott noch an sein Wort zu glauben-

3. Während Adel und Geistlichkeit Steuerfreiheit genossen, waren dieSteuerlast untern Stände mit Abgaben überbürdet. Die Landleute hatten nichtdes Volkes, nur viel an den Staat zu bezahlen, sondern auch an die Grundherrenzahlreiche Frohnden und allerlei Zehnten und Gefälle zu leisten. Nebenadeligen Schlössern sah man daher erbärmliche Bauernhütten, in wel-chen Jammer und Bettelhaftigkeit wohnten. Die Besteuerung war dazuungleichmäßig. Ganz Frankreich zerfiel in 32 Steuerbezirke, von denenjeder einen, nur dem König verantwortlichen Vorsteher hatte. Die Grund-sätze über Vertheilung der Steuern waren in undurchdringliches Dunkel ge-hüllt , so daß es stets in der Hand des Beamten lag, die Steuern nachGunst und Ungunst unter die Pflichtigen zu vertheilen. Für die Verletztenwar Beschwerdeführung geradezu abgeschnitten oder doch nutzlos, da sich

» Der Jansenismus war eine innerhalb der katholischen Kirche selbst erwachteresormirende Richtung, welche, auf der Augustinischen Lehre von der Gnade fußend,ein christliches Leben und ein eifriges Lesen in der heiligen Schrift verlangte.