Italien 1815 -1830.
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welche die Behörden durch Ueberwachung und Verfolgung zu unterdrückensuchten. Hierdurch sahen sich wiederum die italienischen Patrioten mit Ver-bannung und Einkerkerung bedroht, so daß sie sich mit ihren Bestrebungenin das Dunkel geheimer Gesellschaften zurückzogen. Am stärksten war unterdiesen der Bund der Karbonari (Köhler), welcher seinen Hauptsitz in Karbonari.Neapel und Abzweigungen in allen Theilen der Halbinsel hatte. Als Zweckder Vereinigung galt die Einheit und Freiheit des Vaterlandes. Die Kar-bonari zählten in der Reihe ihrer Mitglieder fast nur Gebildete, besondersviele Geistliche, Mönche und Offiziere, und waren durch Anwerbung neuerAnhänger und Belebung des italienischen Nationalgefühls fast unausgesetztfür ihr Ziel thätig. Trotzdem bedurfte es eines äußeren Anstoßes, ehe dieUnzufriedenheit zu einer allgemeinen Bewegung führte.
Im Königreich Neapel hatte der Druck, der auf den höheren, und Königreichdas Elend, das auf den andern Klassen lastete, viel Brennstoff aufgehäuft, beiderAls nun die Nachricht von der spanischen Revolution (S. 249) dahingelangte, so wirkte sie gleich einem zündenden Funken. Zu Nola ^ em-pörte sich (2. Juli 1820) das Militär und verlangte mit Ungestüm dieEinführung der spanischen Verfassung. Die nächsten Städte und Garnisonenschloffen sich an, und von Neapel ging der gleichgesinnte General Pepemit mehreren Regimentern den Ausständigen entgegen, um den Oberbefehlzu übernehmen und sie gegen die Hauptstadt zu führen. Unter solchen Um-ständen legte Ferdinand I. die Krone zu Gunsten seines Sohnes Franznieder, welcher, wie sein Vater, die vorgelegte spanische Verfassung be-schwören mußte (7. Juli).
2. Bei der in vielen Staaten herrschenden Gährung und dem erbittertenKampfe zwischen Legitimität und Volkssouveränität glaubte der heiligeBund, sich der bedrängten Fürsten im Süden Europa's annehmen zumüssen. Auf Veranlassung des österreichischen Staatskanzlers Metternich fanddaher am 20. Oktober 1820 ein Monarchen- und Ministerkougreß zuTroppau (S. 247 Anm.) statt, an welchem, als er im Januar 1821 nach Laibachverlegt worden war, sich auch der König Ferdinand von Neapel betheiligtc.
Letzterer erklärte seine Abdankung und die Annahme der neuen Verfassung fürerzwungen, worauf die Ostmächte — der Widerspruch England's und Frank-reichs wurde nicht beachtet — den Beschluß faßten, mit bewaffneter Machtdie demokratische Bewegung in Unteritalien niederzuwerfen. Vereinigter
Kräfte bedurfte es jedoch nicht: schon ein österreichisches Heer (unterOesterreichsFrimont) genügte, binnen weniger Monate (März bis Mai 1821) die Nea- in Neapelpolitaner zu Paaren zu treiben und unter das alte Regiment zurückzubeugen.
Am 15. Mai1821kehrte Ferdinand unter Freudenbezeugungen des nie-deren Volkes zurück und stellte die alte Verfassung wieder her. Der Bundder Karbonari wurde in die Acht erklärt und alle Revolutionäre, so weitsie nicht durch die Flucht sich gerettet hatten, in harter Weise bestraft. Am4. Januar 1825 starb Ferdinand I. Sein Sohn und Nachfolger Franz I.regierte im Geist seines Vaters fort, konnte aber erst 1827 die Oesterreicheraus seinem Staate entlassen. Im Jahre 1830 folgte ihm sein Sohn Fer-dinand II-, der bald in dieselbe Willkürherrschaft, wie seine Vorgänger, verfiel.
3. Die Revolution in Neapel hatte bewiesen, daß sie nur von dem ge-bildeten Theile der Bevölkerung, nicht von der Menge getragen wurde, und
r Nola, Stadt östlich von Neapel.