Band 
Dritter Kursus.
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Neue Geschichte.

beklagenswerth gewesen, beseitigt wurde." Auch jetzt war er Willens, dieVerfassung aufrecht zu erhalten , aber dem schwierigen Geschäfte, die sichbekämpfenden Parteien der Royalisten, Republikaner und Bonapartistenmit Sicherheit zu lenken, war er nicht gewachsen.

Endlich erlangte die royalistische Partei durch ein besonderes EreignißdesSerroas Sieg. Am 13. Februar 1820 erdolchte Louvel, ein von fanatischem Hassev. Berry die Königsfamilie erfüllter Schwärmer, den Herzog von Berry,

1820/ denjenigen königlichen Neffen, auf dem bei der Kinderlosigkeit Ludwig desXVIII. und des ältesten Sohnes seines Bruders, des Herzogs von An-goulsme, die ganze Hoffnung der Bourbonen beruhte. Dieses im Namender Freiheit vollbrachte Verbrechen hatte für die Freunde der konstitutionellenFreiheit die traurigsten Folgen und förderte das Streben der Reaktions-männer. Der König mußte streng monarchische Minister nehmen und ineine Beschränkung der persönlichen Freiheit, der Preßfreiheit und der Wahl-berechtigung willigen. Bald darauf stieg der royalistische Eifer noch höher:nach Sva- E Jahre 1823 zogen 100,000 Mann Franzosen unter dem Herzog vonnieu 1823. ^"i!l>ulsme über die Pyrenäen, um in Spanien (S. 249) das unbe-schränkte Königthum wieder herzustellen.

^ Am 16. September 1824 starb Ludwig XVIII., und es folgte ihm

1824—30 67jähriger Bruder, der GrafArtois (S. 222), unter dem Namen Karl X.

' Dieser war das Haupt der Royalisten, zerstreute jedoch anfangs die Be-sorgnisse, welche man von seiner Sinnesart gehegt.hatte, indem er seineRegierung mit Gnadenakten, mit einer Amnestie politischer Verbrecher undmit Beseitigung der in letzter Zeit Ludwig des XVIII. eingeführten Censurbegann. Dafür bewilligte ihm auch die Kammer 1000 Millionen Franken,damit er die Emigranten für die durch die Revolution erlittenen Verlusteentschädige. Später aber trat die reaktionäre Gesinnung des Königs, dersich immer mehr kirchlicher Andacht ergab, deutlich hervor. Im Jahre 1829berief er ein verfassungsfeindliches Ministerium, an dessen Spitze der FürstPolignac stand, so daß man sah, daß er es auf die Vernichtung der1820 . Verfassung von 1814 abgesehen hatte. Zwar ward in der Deputirtenkam-mer, in welcher viele muthvolle Verfassungsfreunde saßen, durch eine Mehr-heit von 221 gegen 181 Stimmen eine Adresse an den König beschlossen(10. März 1830), welche neben der eindringlichen Betheuerung der Ehr-furcht und Treue gegen den konstitutionellen Thron und die Dynastiegleichwohl die pflichtmäßig zu machende Erklärung enthielt, daß zwischendem Ministerium und dem Volke der nöthige Einklang nicht bestehe. DerKönig ließ sich dadurch weder warnen, noch belehren, sondern antwortetemit einer Vertagung der Kammern. Ein Kreuz- und Ritterzug gegen denSeeräuberstaat Algerien*, dessen Dei die Schiffe und den Konsul Frank-reich's beschimpft hatte, sollte inzwischen die Aufmerksamkeit der Franzosenvon den inneren Angelegenheiten abwenden und sie durch den Glanz desRuhms und der Vortheile, welche dieser Zug versprach, blenden. DennAuflösung an demselben Tage, an welchem das unter dem General Bourmontder Kammer stehende Expeditionsheer eingeschifft wurde (16. Mai), löste der König die1830. Kammer der Abgeordneten auf und befahl die Wahl einer neuen.

Der Zug nach Algerien hatte einen glänzenden Erfolg. Das Heerdes Deis wurde geschlagen, und bereits am 5. Juli übergab letzterer Stadti Algerien, damals Vasallenstaat der Türkei, au der Nordwestküste Afrika's.