Band 
Dritter Kursus.
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Deutschland seit 1870.

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einer muthwillig herbeigesuchten Ursache — der hohenzoller'schen Thronkan- Deutsch-ditatur — am 19. Juli 1870 an Preußen den Krieg, indem es seine ei- iranzösi-gene Schlagfertigkeit überschätzte und auf einen Zwiespalt in Deutschland, ^ 70 — 71 ^mindestens auf die Neutralität der Südstaaten rechnete. Aber diese Rech-nung erwies sich als trügerisch. Der norddeutsche Reichstag bewilligtesofort die von der Regierung geforderten 360 Millionen Mark zu Kriegs-zwecken, und Süddeutschland blieb seinem in den Allianzverträgen <S.

279) gegebenen Wort treu. Von den Ufern der Memel bis zum Rhein,von der Königsau bis zu den Alpen herrschte derselbe Gedanke, derselbeWille: Abrechnung zu halten mit dem anmaßenden Nachbar und das Schwertnicht eher niederzulegen, als bis derselbe gedemüthigt sei.

Und was die Begeisterung ersehnt, das ward durch der deutschen HeereMuth und Kriegstüchtigkcit zur That und zur Wahrheit. Binnen 6 Monatenward in diesem Kriege ohne Gleichen die gesammte Wehrkraft des größtenMilitärstaates gebrochen und sein Kaiserthum gestürzt; 156 Gefechte, 17Schlachten waren geliefert, 26 feste Plätze genommen, 3 große Heere zurUebergabe gezwungen, ein viertes auf schweizerischen Boden gedrängt,

385,000 Mann, darunter 11,860 Offiziere, zu Gefangenen gemacht,

6700 Geschütze, 600,000 Gewehre und 120 Adler oder Fahnen erbeutet.

Aber von all' den glänzenden Erfolgen dieses ruhmreichen Krieges,durch welchen zwei uns durch französische Raublust entrissene Provinzen,

Elsaß und Lothringen, dem deutschen Vaterlande wiedergewonnenwurden, war die herrlichste Errungenschaft die Wiederaufrichtung des Deutschesdeutschen Kaiserthum s. Schon bei Beginn des Krieges hatten sich Kaiserthumalle Herzen gesagt, daß der Main nicht mehr die Grenze zwischen Nord- 1371.und Süddeutschland bilden dürfe, daß die Staaten des Nordens und desSüdenszu einer po litischen Einheit zusammenwachsen müßten. Daraufwaren im November 1870 Verträge abgeschlossen worden, nach denen dienorddeutsche Verfassung auch in den Königreichen Baiern und Würtcmberg,sowie in den Großherzogthümern Baden und Hessen Geltung erlangen sollte.

Weil diese Verträge den Wünschen der süddeutschen Kammern entgegen-kamen, so bot der jugendliche, patriotisch gesinnte König Ludwig II. vonBaiern, im Namen sämmtlicher deutscher Fürsten, dem siegreichen Königvon Preußen die erbliche Kaiserkrone an. Der norddeutsche Reichs-tag unterstützte diese Bitte, worauf König Wilhelm erklärte, er werde sichdem Rufe des gesammten Vaterlandes nicht entziehen. Und am18. Januar 1871, dem Gedenktag der einstigen preußischen Königskrönung(S. 205), fand in dem Spiegelsaale des Schlosses zu Versailles, (S. 200Anm.) wo oft unheilvolle Pläne gegen Deutschland geschmiedet worden wa-ren, von Preußen's König die feierliche Annahme derdeutschenKaiser-würde statt. Ganz Deutschland freute sich dieser Kunde und stimmte tiefbe-wegten, dankerfüllten Herzens in die Worte seines Kaisers ein, die den Schlußder an das Volk gerichteten Annahmeerklärung bildete: „Uns aber undunseren Nachfolgern an der Kaiserkrone wolle Gott verleihen, allezeit Mehrerdes deutschen Reiches zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondernan den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohl-fahrt, Freiheit und Gesittung."

Glänzende Ziele, die vor wenigen Jahren auch den kühnsten Wünschenunerreichbar erschienen, sind erreicht. Das deutsche Volk ist geeinigt und