Band 
Dritter Kursus.
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Neue Geschichte.

steht in Eintracht da unter einer Führung, wehrkräftig wie kein anderes,nur in den Künsten des Friedens das Gedeihen des Vaterlandes erkennendaber jeden von Ruhm und Eroberungssucht getriebenen Friedensstörer inseine Grenzen zurückweisend. Allmälig wächst auch die deutsche Kriegs-flotte 2 heran, um den deutschen Küsten Schutz zu verleihen und im Don-ner ihrer Geschütze die Erhaltung und Ehre des deutschen Namens in diefernsten Länder zu tragen.

85. Frankreich's zweites Kaiserthum 1852—187V.

1. Frankreich Kaiserreich 1852. Napoleon's Wort: „das Kaiserthum ist derFriede". Die Anerkennung durch die übrigen Mächte. Napoleon, „Emporkömm-ling" durch den Willen des Volkes. Die Selbstbestimmung der Völker. Die sozialeFrage. Neubauten in Paris. Hebung von Handel und Industrie. Staatsschulden.Die Gegner des Kaiserthums: Legitimisten und Republikaner. GegenmaßnahmenNapoleon's. 2. Aeußere Politik: Krimkrieg 1853—1856. Italien 1859—1861.Frankreich's Finanzen; Freiheitsbeschränkungen. Eifersucht gegen Preußen. Armee-reorganisation. Freiere Bahnen. Neuwahlen 1869. Die „Unversöhnlichen". Mi-nisterium Ollivier. Das Plebiszit 1870. Krieg gegen Preußen. Sedan 2. Septem-ber. Frankreich Republik 4. September. Napoleon III. Gefangener in Deutsch-land bis 1871, begiebt sich nach England, P 1873.

1. Die Wiederaufrichtung des französischen Kaiserthums (S. 275)hatte den Beifall der konservativen Partei in Europa. Zurückhalten-der benahmen sich die Regierungen. Nach und nach aber gewannensie zu Napoleon dem III. Zutrauen und glaubten, daß die Worte, welchel'Lmxiro er auf seiner ersten Rundreise in Bordeaux aussprach: „Das Kaiserthume'sst ist der Friede!" aufrichtig gemeint seien. Derselbe wurde daher von denla xan. europäischen Staaten anerkannt. Doch blieben seine Bewerbungenum eine Prinzessin aus fürstlicher Familie ohne Erfolg, worauf er sich am30. Januar 1853 mit der aus altspanischcm Grandengeschlecht entsprossenenGräfin Eugenie v. Montijo vermählte, die ihm 3 Jahr später, am 16.März 1856, einen Thronfolger, den Prinzen Louis Napoleon, schenkte.

Bei seiner Vermählung legte Napoleon III. in einer Botschaft an dieHöfe das Geständniß ab, „daß ein Souverän, der durch das Volk erhobenworden sei, dem übrigen Europa gegenüber offen die Stelle eines Empor-kömmlings (parvorm I einzunehmen habe, welches ein ruhmvoller Titel sei,wenn er durch freie Abstimmung erlangt worden." Diesem neuen Grund-Selbstbe- satz von der Selbstbestimmung der Völker, wornach bei dem Wechselxiuer Herrschaft der Volkswille durch Abstimmung erforscht werden sollte,der Volker, er auch anderwärts Geltung zu verschaffen; so wurde (1860) dieAnnexion der sardinischen Provinzen Savoyen und Nizza an Frankreichdurch eine Volksabstimmung eingeleitet, in Mexiko (S. 296) die Errich-tung eines Kaiserthums auf den ausgesprochenen Volkswillen zurückgeführtund in Italien die Zustimmung der Bewohner als Rechtsgrund für dieEinverleibung der kleinern Staaten in Sardinien anerkannt.

1 Von wichtigeren Gesetzen, welche der deutsche Reichstag (vergl. S. 280Anm. 3) genehmigt hat, seien erwähnt: Militär- und Landsturmgesetz, Bankgesetz,Hilfskassengesetz; Gesetze über die Civilehe, über einheitliches Maß und Gewicht, übereinheitliche Münze; Preßgesetz, Gesetz über das Urheberrecht, das Strafgesetz, dieGerichtsverfassung, Civil- und Strafprozeßordnung, Konkursordnung.

2 Im Jahre 1876 zählte die deutsche Kriegsflotte 51 Kriegsfahrzeugemit 357 Kanonen.