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Vierter Band.
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Erstes Buch: Die französische Revolution und die Neugestaltung Europas. Z 1.

Die Aufklärung entstand in England, ergriff die ersten Geister Frank-reichs, fand einen Vertreter auf dem Thron in Friedrich dem Großen,dem sich Joseph II. und Katharina II. anreihten, und lieferte das geistigeRüstzeug für den nordamerikanifchen Freiheitskampf. Da die englischeVerfassung den Aufklärungsideen in gewissem Grade entsprach, Friedrichder Große und Joseph II. sie anerkannten, ohne freilich ihren dauerndenSieg zu bewirken, führten diese Ideen an diesen Stellen nicht zur Revo-lution. Das geschah dagegen in Frankreich, wo die öffentlichen Zuständeihnen durchaus widersprachen. Und erst diese Revolution verschaffte jenenIdeen den vollen Sieg, bewirkte die Emanzipation des dritten Standes,d. h. also nach der bisherigen sozialen Gliederung der breiten Volksmaffen,und den gründlichen Umsturz, aus dem die neueste Zeit erwuchs: deshalbsetzt man mit Recht an den Anfang dieser Periode nicht schon die Zeit,in der die neuen Ideen entstanden, sondern erst die französische Revolution,in der sie siegten. Zum ersten Male seit der Reformation wurde einmalwieder das Volk in seinen tiefsten Tiefen von einer großen Bewegungergriffen, und eben dieses Eingreifen der Massen in das geschichtlicheLeben bleibt ja eine der charakteristischen Erscheinungen des neuen Jahr-hunderts im Gegensatz zum 17. und 18., der Zeit reiner Kabinettspolitik;auch in dieser Hinsicht erscheinen diese Jahrhunderte als eine Übergangs-periode, die zwei große Massenbewegungen (die der Reformation und dieder Revolution) scheidet.

Ursachen der Man darf über die entsetzlichen Greuel der großen Revolution ihren' wertvollen Gedankeninhalt nicht vergessen. Erwägt man nun aber weiter,daß Frankreich aus seiner Entwicklung seit Franz I-, Heinrich IV.,Richelieu, Mazarin und Ludwig XIV., verglichen mit dem ZentrumEuropas, schon ein Plus an nationaler Kraft mitbrachte und jetztals Vorkämpferin der neuen, für ganz Europa bedeutsamen staatlichen Ideenein gewaltiges Plus an geistiAer Kraft gewann, so erkennt manleicht die innersten Ursachen seiner Überlegenheit. Daß sich aber die durchdie Revolution gemehrte nationale Kraft sofort gegen das Auslandwandte, wird verständlich, wenn man bedenkt, daß die neuen Ideen an sichBedeutung für ganz Europa hatten, und daß Frankreich im 18. Jahr-hundert, insbesondere durch den Siebenjährigen Krieg, von der Vormachts-stellung, die es zur Zeit Ludwigs XIV. besaß, viel eingebüßt hatte. Eben-diese Einbuße ist ja eine der Ursachen des in der Revolution durch-brechenden Haffes gegen das Königtum gewesen. Die siegreiche Revolutionmußte also in Verbindung mit der nationalen Machttendenz das wiedereinzubringen suchen, was das sinkende Königtum verloren hatte. Ausder alten nationalen Kraft, die zuletzt geschlummert hatte, aber nunwieder erwachte und sich auch in dem Ersatz des Söldnerheeres durch dasVolksheer bekundete, in Verbindung mit den neuen Ideen erwuchseine „moralische Energie", der Frankreich seine Siege über das alteEuropa verdankt: geistige Potenzen bestimmen eben doch in erster Liniedie weltgeschichtliche Entwicklung.

derNatwnen Der Siegeszug Napoleons erweckte einen Gedanken zu neuemLeben, der seit lange überwunden schien, nämlich den römisch-mittelalter-lichen Gedanken der Ilniversalmonarchie; wenigstens suchte Napoleonsein Weltreich an diesen Gedanken anzuknüpfen. Während nun die altenStaaten des europäischen Kontinents vor Napoleon zusammengebrochen