Band 
Vierter Band.
Seite
16
JPEG-Download
 

16

Erstes Buch: Die französische Revolution und die Neugestaltung Europas. § 8.

ermordeten Flesselles -Stelle zum Bürgermeister der Hauptstadt undLasayette zum Befehlshaber der Nationalgarde erhoben. Auf den WunschBaillys kam dann auch der König nach Paris, wo er sich mit der Kokardeam Hut aus dem Söller des Rathauses dem versammelten Volke zeigte. Diewichtigste Frage war nun, ob eine neue Gewalt stark genug sein würde,nach dem Sturz der bisherigen Ordnung die wilden Elemente, die bei demSturm auf die Bastille ihre Macht gezeigt hatten, zu bewältigen. Dashaben die persönlich edlen Männer, die jetzt die Leitung hatten, nicht ver-mocht. So mußte es zu immer weiterer Überstürzung gehen, bis dasfranzösische Volk ermattet niedersank und reif war zur Militärdiktatur.Darin liegt die ungeheure Bedeutung des 14. Juli 1789. Nach Versailleszurückgekehrt, rief der König Necker zurück, der in einem wahren Triumph-zuge wieder an den Hos kam.

§ 8. Der Sturz des Feudalstaates. Die Menge, die einmal in ihrerRuhe aufgestört war, wollte nicht mehr zur gewöhnlichen Tätigkeit zurück-kehren. Das erschwerte der Nationalversammlung die-Arbeit um so mehr,als Necker der Lage durchaus nicht gewachsen war. Der rechte Mannwäre jetzt Mirabeau gewesen; er allein trug reis und fertig die Gedankendieser gewaltigen Bewegung im Kopfe: eine gemäßigte Monarchie mitgleichen Rechten für alle. Aber diesem Manne fehlte eins, wie er selberschmerzlich klagte: eine reine Jugend und ein makelloser Name. Die Ver-sammlung beherrschte er mit seiner mächtigen Beredsamkeit, aber der Hosfürchtete ihn, mißtraute ihm, der König stieß sich an dem, was Mirabeauselbst die Infamie seiner Jugend nannte. Am 1. August nahm dieNationalversammlung ihre Arbeiten wieder auf. Von einer Hausordnung,der Einteilung, Abgrenzung und Leitung der Angelegenheiten war keineRede. Die beste, längst vorhandene Hausordnung, die des englischenParlamentes, verschmähte man trotz des Rates Mirabeaus mit der allenNeulingen eigenen Anmaßung. So war es kein Wunder, daß die Ver-sammlung entgegen der staatsmännischen Weisheit Mirabeaus, die Ver-fassung zuerst zu Ende zu bringen, dem schwärmerischen Lasayette folgendnach dem Vorgänge der amerikanischen Freistaaten mit der Beratungder Menschen rechte begann. Diese Verhandlungen wurden aber nocheinmal durch die Nachrichten von den Mord- und Raubtaten in denProvinzen unterbrochen.

Hier war ein greuelvoller Bauernkrieg ausgebrochen, in dem ein furcht-barer Haß gegen alles, was bisher Geltung gehabt hatte, zutage trat. In denStädten begannen die schlimmsten Ausschreitungen, um sich dann auf das Landauszudehnen. Die Bauern rissen das verhaßte Jagdrecht an sich; jeder, der sich eineFlinte verschaffen konnte, ging hinaus aufs Feld. Die Schlösser der „Seigneurs"wurden niedergebrannt oder verwüstet, die schlimmsten Mordtaten begangen. Vordiesen wilden Zerstörungen ergriffen nun die Männer, die dem Könige zum Staats-streiche geraten hatten, wie Broglie, Breteuil, Artois, Condö, Polignac usw., allgemeindie Flucht; es begann die verhängnisvolle Auswanderung derselben, die Emi-

rechte

Bauernauf-

stände

iratron.

N°chtsitzung Bei der Besprechung dieses fürchterlichen Bauernkrieges in der Ver-nW sammlung regte der Vicomte von Noailles, Lasayettes Schwager, den Ge-danken au, die bevorzugten Stände sollten dem Volke, um es zu beruhigen,durch die Tat beweisen, daß man seine Lasten erleichtern wolle, und zu deinEnde aus eigenem Antriebe allen aus dem Mittelalter stammenden

re

,,v

M