Band 
Vierter Band.
Seite
29
JPEG-Download
 

29

8 18. Erstes Kapitel: Die Revolution LiS zur Erklärung der Republik.

stellen. Leopold II. lehnte zwar die Geldentschädigung ab, nötigte aberden Kurfürsten von Trier zur Auflösung der bewaffneten Emigranten-haufen und ließ das in Paris mitteilen, mit dem Zusätze, er werde nun-mehr alle etwaigen Ausschreitungen gegen den Kurfürsten energisch, selbstmit Waffengewalt, zurückweisen. Da richtete die französische Versammlungam 25. Januar 1792 an den Kaiser die Aufforderung, sich bis zum 1. März es. Jan. Ezu erklären, ob er sich noch an das Bündnis von 1759 (Bd. III) gebundenerachte und demgemäß auf jede Verbindung gegen die UnabhängigkeitFrankreichs verzichten wolle. Entrüstet über diese offenbare Heraus-forderung schloß Leopold am 7. Februar 1792 ein Verteidigungs-?- 8 °br.i?s 2bündnis mit Preußen ab. Dazu raffte nun ein plötzlicher Tod am1. März 1792 den Kaiser fort; den Thron bestieg sein Sohn Franz II-,ein unerfahrener und eigensinniger junger Mann (er war 1768 geboren) —isWvon geringer Begabung und ganz erfüllt von dem Hasse gegen dieJakobiner. Unter dem Eindrucke dieser Nachrichten zwangen die Giron-disten den König, aus ihren Reihen ein neues Ministerium zu bilden, inwelchem Roland, Dumouriez, Claviere und Servan das Wortführten. Ihnen gab eine neue Note des Kaisers Franz II. den Grundoder den Vorwand zur Kriegserklärung. In dieser Note erklärte derKarser, daß die Rüstungen aufhören würden, wenn in Frankreich dieVerfassung so eingerichtet würde, wie sie der König im Juni 1789 selbstentworfen habe, wenn dem Papst die 1791 entrissenen Territorien Venaissinund Avignon und den deutschen Fürsten und Edelleuten ihre elsässischen undlothringischen Güter, Rechte und Einkünfte zurückerstattet würden. AlsAntwort mußte Ludwig seine Einwilligung zu einem Kriege geben, derfür ihn und die Seinigen nur verhängnisvoll werden konnte. In Frank-rerch herrschte bei der Kriegserklärung die größte Verwirrung; dieNation war zerrissen, die Kassen leer, die Führer unfähig und unzuverlässig,Mißtrauen allenthalben; nur die Langsamkeit der beiden deutschen Groß-mächte beim Rüsten und Angreifen, sowie die Rücksichtnahme aus diePolnische Frage bewahrte die Franzosen im Ansang vor Niederlagen undentscheidenden Uns a llen.

Mit der Kriegserklärung begann auch sofort der offene Angriff ausden Thron selbst. Um die Hauptstadt und die gesetzgebende Versamm-lung gegen jede Gefahr zu schützen, beschloß man 20000 Nationalgarden(Föderierte) aus den südlichen Provinzen zu berufen und ihnen dieSicherheit und Beschützung von Paris zu übertragen. Aber sowohl diesemBeschluß als einem neuen Dekret, das den eidweigernden Priestern Ver-bannung und Deportation auslegte, versagte Ludwig standhaft die Be-stätigung. Da legten die Girondistenminister ihre Stelle nieder, nachdem einvon der Frau Roland entworfener Bries dem Könige in höchst unangemessenem is. ZumTone scharfe Verweise und strenge Lehren über seine Pflichten gegeben hatte.

Dieser Brief, der sich bald in aller Händen befand, brachte eine solche Auf-regung hervor, daß es den über die Verwerfung der Dekrete und die Ent-fernung der Girondistenminister ergrimmten Republikanern leicht wurde, einenVolksaufstand hervorzurufen. Am 20. Juni, dem Jahrestage des^^SnSchwurs im Ballhause (H 6), zog der mit Piken bewaffnete Pöbel der Vor- 20 . J»mstädte unter der Leitung des Brauers Santerre, des Fleischers Legendre unddes Kupferschmiedgesellen Rossignol zuerst in die Gesetzgebende Versamm-ENg, dann in den königlichen Palast, um den Monarchen zu zwingen.