Band 
Vierter Band.
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Z4 Erstes Buch: Die französische Revolution und die Neugestaltung Europas. 8 16-

Zweites Kapitel.

Frankreich als Republik.

F. Der Nationalkonvent.

des°Natko- 8 16. Erklärung der Republik. Hinrichtung des Königs. Mit derEröffnung der neuen Versammlung, des Nationalkonventes, begannE s,se zweite Periode der französischen Revolution. War bisher, namentlichin der Gironde, der individualistische Standpunkt maßgebend gewesen, undhatten hinter den Ansprüchen der Freiheit und Gleichheit der Einzel-persönlichkeit die Anforderungen der Allgemeinheit zurücktreten müssen, somachte sich nunmehr ein sozialpolitischer Standpunkt geltend, der denInteressen der Allgemeinheit vor denen der Einzelpersönlichkeit den Vor-rang zuerkannte. Die Männer, die das neue Staatsideal vertraten, einRobespierre, Danton, Marat, Couthon, Fouche, St. Just, Collot d'Herbois,Fabre d'Eglantine, Barere, suchten, wieder von den Ideen Rousseaus aus-gehend, zur politischen Gleichheit die wirtschaftliche hinzuzufügen-So erklärt sich ihr glühender Haß gegen die wirtschaftlich Bevorrechtigten,die Reichen, während vorher nur die Privilegien der Geburt und desRanges beseitigt worden waren. Sie suchten alle Zweige des gesellschaft-lichen Lebens, alle wirtschaftliche Produktion, selbst das geistige Leben, wiesie sagten, dem Staate, der Allgemeinheit, in Wirklichkeit aber den Interessenund der Macht ihrer kleinen Minderheit unterzuordnen und glaubten Geistund Charakter des Menschen durch entsprechende Zwangsmaßregeln in eineneue Form zwingen zu können. Sie waren um so furchtbarer, als vielevon ihnen, vor allen Robespierre, von der Wahrheit ihrer Ideen überzeugtwaren. „Lacht nicht über ihn," hatte einst der scharfblickende Mirabeauder über den eigentümlichen Mann spottenden Nationalversammlung zu-gerufen: „er glaubt an das, was er sagt."de^Kd'.üg- In der neuen Versammlung, zu welcher jeder 25 Jahre alte undtums nicht in Diensten eines andern stehende Franzose ohne Rücksicht des Ver-mögens wahlfähig und wählbar war, hatten die Girondisten, die jetzt dieGemäßigten waren, anfangs das Übergewicht, aber sehr bald siegten unterdem Einfluß der Hauptstadt die Schreckensmänner. Beide Gruppen warenRepublikaner und beschlossen schon in der ersten Sitzung des National-2i.Sept.i7SL konventes mit Einstimmigkeit die Abschaffung des Königtums.Aber in der Frage, was mit dem abgesetzten Könige geschehen solle,trennten sich die Girondisten und die Jakobiner. Die Girondisten wünschten,als sie den Prozeß „Ludwig Capets" verlangten, die Monarchie für alleZukunft unmöglich zu machen, aber sie wollten nicht den Tod des Königs-Die Jakobiner aber, die sich über alle sittlichen und Verfassungsbedenkenhinwegsetzten, wußten sie durch die Pöbelmassen zu dem Königsmorde zubestimmen. Sie beherrschten mit den Cordeliers den Gemeinderat vonParis, und dieser besaß in der Nationalgarde und in dem als „Sans-culotten" (§ 18) bezeichneten Pöbel der Sektionen eine furchtbare, allezeitfertige Waffe, mit der er den Konvent zu allem zwingen konnte. Und schonarbeitete auch die schreckliche Enthauptungsmaschine, die Guillotine.

Entstehung Die Guillotine trägt ihren Namen eigentlich zu Unrecht, denn der französische Arztder Gmllo- Deputierte Guillotin hat bei ihr nur Pate gestanden. Vorher war die Todesstrafe in