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Erstes Buch: Die französische Revolution und die Neugestaltung Europas. 8 19.
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Napoleon
Bonaparte
Verwüstungvon Lyon
Bordeaux, und im nördlichen Frankreich zog Lebon mit der Guillotinevon Ort zu Ort und häufte Greuel auf Greuel. „Für die Jakobinergab es keine Rettung, wenn sie nicht schrankenlos herrschten; es gab aberkeine Sicherheit ihrer Herrschaft, wenn sie nicht weit um sich her dasLand zur Einöde machten. Sie waren tollkühn und blutdürstig ausTodesfurcht."
Napoleon Bonaparte (Buonaparte), zweiter Sohn eines korsischen Advokaten, dersich als Freund von Paoli in den Kriegen, die der Besitznahme der Insel durch dieFranzosen vorangingen, ausgezeichnet hatte, und der Lätitia Ramolini, wurde am 15. August1769 zu Ajaccio geboren, zwei Monate nach der Unterwerfung der Insel unter Frank-reich. „Ich wurde geboren, als mein Vaterland starb," schrieb er 1789 an Paoli:„das Geschrei der Sterbenden, die Wehklagen der Unterdrückten, die Tränen der Verzweif-lung umgaben meine Wiege seit der Stunde meiner Geburt." Als zehnjähriger Knabewurde er in die Kriegsschule zu Brienne aufgenommen, wo er fünf Jahre verblieb(1779—1784); dann ging er in die Pariser Militärschule über. An beiden Orten widmeteer sich besonders mathematischen und geschichtlichen Studien, an denen er auch in derFolge fortwährend das meiste Gefallen fand. Seine Lehrer erkannten sein Talent und seineraschen Fortschritte in den Kenntnissen an, die seinem Sinne entsprachen, tadelten aber auchseine Ungelehrigkeit in allem, was ihm keine Neigung abgewann, besonders aber seineHinterlist und unbeugsame Hartnäckigkeit. Daher bemerkte schon damals einer der Lehrerbei Napoleons Namen: „Ein Korse von Geburt und Charakter; er wird es weit bringen,wenn die Umstände ihn begünstigen." Nach seinem Eintritt in die französische Armee machteer sich als Artillerieleutnant im südlichen Frankreich und auf der Insel Korsika durch Mutund militärisches Geschick bald bemerklich, so daß er schon im Februar 1792 zum Artillerie-hauptmann befördert wurde. Den Rcvolutionsideen und den demokratischen Freiheits-bestrebungen mit Eifer zugetan, war er den neuen Machthabern Frankreichs ein willkommenerGehilfe, und auch seine von Ehrgeiz erfüllte Seele erkannte schnell die Vorteile, die ihm dieVerbindung mit den Männern des Berges bringen könnte. Als Paoli für die LostrennungKorsikas von Frankreich wirkte, trat er dem alten Freunde scharf entgegen, und in einerkleinen Gelegenheitsschrift aus jener Zeit: „Das Souper der Beaucaire" machte er denSchutzredner des Staatsstreiches gegen die Gironde.
Über die Verwüstung von Lyon sagt Tarne in seinem Werke: „Die Entstehung desmodernen Frankreich": „Seit der Mongolenwirtschaft im fünften und im dreizehnten Jahr-hundert ist eine so ungeheure und sinnlose Zerstörungssucht, eine solche blinde Wut gegen dienützlichsten Werke des menschlichen Fleißes und der menschlichen Kultur nicht wieder vorge-kommen. Und bei den nomadischen Mongolen war es dabei noch begreiflich, denn sie wolltendie ganze Erde in eine große Steppe verwandeln. Aber nur ein Jakobinerhirn konnte denwidersinnigen Plan fassen, eine Stadt wie Toulon zu vernichten, dabei jedoch ihr Arsenal undihren Hafen bestehen zu lassen oder in einer Stadt wie Lyon, deren Arbeiter und Fabrikenangeblich bestehen bleiben sollten, die Häupter der Industrie und ihre Häuser aus der Welt zuschaffen. Nur ein Jakobiner kann so heißblütig und kurzsichtig sein, nicht einzusehen, welcherWiderspruch darin liegt, daß man einen Bach beibehält, dessen Quelle aber verstopfen läßt,und umgekehrt. In dem erhitzten Kopfe des Jakobiners ist die Dummheit und Grausamkeitdes Barbaren mit der fixen Idee des Inquisitors verbunden, daß auf der Erde nur für ihnund die Rechtgläubigen seines Schlages Raum sei. Mit übel angebrachtem, unheilvolleinNachdruck ordnet er die Ausrottung der Ketzer an. Nicht nur ihre Personen, ihre Wohn-plätze und ihre Werke fallen der Vernichtung anheim, auch die letzten Spuren ihres Daseinsmüssen verschwinden und selbst die Namen ihrer Städte aus dem Gedächtnis der Menschheitgetilgt werden. Der Konvent beschließt: „Der Name Toulon wird unterdrückt werden; dieGemeinde trage von nun an den Namen Port-la-Montagne („Berghafen") .... Der NameLyon werde aus dem Verzeichnis der Städte der Republik gestrichen; die Gruppe von stehen-gebliebenen Gebäuden führe in Zukunft den Namen Ville-Affranchie („Befreite Stadt")Auf den Trümmern von Lyon erhebe sich eine Säule mit der Inschrift: „Lyon bekriegtdie Freiheit, Lyon ist nicht mehr." „Ursprünglich wollten die Konventskommissare auchden Namen der Stadt Marseille ausrotten; in ihrem Beschlusse vom 17. Nivose desJahres II heißt es: „Der Name Marseille, den die verbrecherische Stadt noch immer trägt,soll geändert werden. Wir werden den Nationalkonvent einladen, ihr einen andern Namenzu geben; mittlerweile bleibe sie namenlos (saus nom) und werde sogenannt." In einigenspäteren Schriftstücken wird Marseille in der Tat als „communs sans nom" bezeichnet.
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