102 Erstes Buch: Die französische Revolution und die Neugestaltung Europas. Z 55.
den Sieg davontrugen, wurde die Souveränität des Volks über die durchregelmäßige Cortes beschränkteKönigsmacht gesetzt, die katholische Religionzur Staatsreligion erklärt, aber der Übermacht des Priesterstandes durch Auf-hebung der Inquisition und Beschränkung der Zahl der Klöster gesteuert undder weißen Bevölkerung der Kolonien gleiche politische Rechte mit den Bürgerndes Mutterlandes gewährt. Dabei wurde die Trennung der drei Gewalten (dergesetzgebenden, ausübenden und richtenden), eine neue Distriktseinteilung und.Gemeindeordnung, Aufhebung der Ständevorrechte und der mittelalterlichen, denAckerbau und die Viehzucht drückenden Lasten beschlossen und die Freiheit derPresse anerkannt. Durch den Einfluß der Geistlichen blieb jedoch die neue Ver-fassung einem großen Teile des Volks fremd und verhaßt.
^spangchen^ Als im Jahr 1809 der neue Krieg mit Österreich den Kaiser ausKrieges Spanien abrief (8 56), ließ er eine großenteils aus Deutschen bestehendezahlreiche Armee zurück. Diese wurde nach Beendigung jenes Krieges (8 57)beinahe auf 300,000 Mann vermehrt, welche unter den erfahrenstenFeldherren (Soult, Massena, Suchet, Ney, St. Chr, Marmont, Mac-donald u. a.) die verschiedenen Provinzen der Halbinsel durchzogen undden Ruhm der französischen Waffen erhöhten. Aber die Siege mehrten nurden Franzosenhaß; der kleine Krieg gestaltete sich unter geschickten undkühnen Führern (wie Ballesteros, Empecinado, Morillo, Odonnel, Mina,Moreno) immer blutiger, und gegen Meuchelmord, zu dem Mut undFanatismus den rachsüchtigen Spanier antrieb, schützte keine Tapferkeit.Die größten Heldentaten, die Napoleons kriegskundige Soldaten unterder Glut der spanischen Sonne bald auf dem Schlachtfelde, bald ausmühsamen Märschen durch Gebirge und Schluchten, bald bei Belagerungenund Erstürmungen (Valencia, Gerona, Ciudad Rodrigo u. a.) vollbrachten,führten nicht zum ruhigen Besitz des Landes. Der kühne KriegszugMassenas nach Portugal, um die Engländer aus der Halbinsel zuverdrängen und den Insurgenten ihre Hauptstütze zu entziehen, wurdedurch den umsichtigen Wellington vereitelt, der auf den Höhen vonTorresVedras am Tajo Verschanzungen und Festungswerke errichtetlAv/iNi hatte, an denen alle Angriffe der Franzosen zerschellten. Massena mußte^ mit seinen erschöpften Truppen den Rückzug antreten. Erzürnt über dieMißerfolge, entzog der Kaiser dem hochverdienten Veteranen das Kommandound übertrug den Oberbefehl über sämtliche Streitkräfte in Spanien demMarschall Soult. Der russische Feldzug (ß 61) nötigte den Kaiser, dasspanische Heer zu vermindern, während gleichzeitig die englischen Truppenvermehrt wurden und, mit Geschütz und Lebensmitteln trefflich versehen,unter Wellingtons Oberbefehl in Spanien eindrangen. Von denGuerillabanden unterstützt, gewannen die britischen Heere bald Vorteileüber ihre an allem Mangel leidenden Gegner. Nach Marmonts Nieder-22. Juli 1812 läge bei Salamanca durch Wellington besetzten die Engländer Madridund vertrieben den französischen König. Noch hielten Suchet und Soult,beide gleich tapfer und gleich hart und raubsüchtig, das weichende Kriegs-glück bei ihren Fahnen fest, und Joseph konnte noch einmal den wankendenLn. 1812 Thron in Madrid einnehmen, aber die schreckliche Katastrophe, die derrussische Feldzug herbeiführte, brachte auch die französischen Heere in derwestlichen Halbinsel zum Weichen und zwang Joseph, den spanischen2 i. Jum i 8 i 3 Boden zu verlassen. Nach dem glorreichen Sieg bei Vittoria undder Eroberung der hartnäckig verteidigten und darum schwer gezüchtigtenFebr. 1814 Festungen Sän Sebastian und Pampelona folgte Wellington den