8 ov. Drittes Kapitel: Napoleons und Englands Machtherrschaft. 103
Abziehenden über die Pyrenäen, drängte Soult bei Orthez zurück und21.Febr.i8i4besetzte Bordeaux. Heldenmütig widerstand der waffenkundige Marschallnoch am 10. April, als die Alliierten schon aus den Elhseischen Feldernin Paris lagerten, dem anrückenden Feind bei Toulouse, mußte aber io.Aprui8i4schließlich doch der Übermacht das Feld lassen. Napoleons Sturz führteden heuchlerischen Ferdinand VII. (den der französische Kaiser noch vorInner Abdankung in Freiheit setzte, um den Bürgerkrieg auf der Halbinselvon neuem anzufachen) auf den spanischen Thron zurück, aber die Nation,die des Landes Freiheit mit ihrem Herzblut erkämpft hatte, erntete schlechtenLohn (Z 107).
56. Der deutsche Krieg von 1809. a. Patriotischer Aufschwungin Österreich. Der spanische Volkskrieg, gegen den der französische Kaiserbedeutende Streitkräste wenden mußte, erfüllte das Wiener Kabinet, woseit dem Preßburger Frieden die schmiegsame, charakterlose Politik einesThugut und Cobenzl in die verdiente Dunkelheit zurückgetreten war undder kraftvolle, für Ehre und Vaterland begeisterte Graf Stadion die aus-wärtigen Angelegenheiten leitete und durch zeitgemäße Reformen kräftigendzu wirken suchte, mit der Hoffnung, durch eine neue Schilderhebung dieverlorene Macht wiederzuerlangen.
Napoleons Gewaltstreiche in Italien und sein wachsender Einfluß in Deutsch- Rsform-land erregten in Österreich Neid und Besorgnis; die durch die drückende Handels- ^Österreich"sperre und die Kriegsnot hervorgerufene Unzufriedenheit und die tiefe Bewegungder Gemüter in Norddeutschland ließen hoffen, daß sich das deutsche Volk andem Kriege gegen die fremde Zwingherrschaft beteiligen werde. Aber noch warder Glaube an die Unüberwindlichkeit der Franzosen und die Furcht vor demEroberer zu groß, als daß die Fürsten des Rheinbundes es gewagt hätten,dem Gewaltigen, in dessen Macht es stand, sie zu erhöhen und zu stürzen, ent-gegenzutreten. Der Zauber des kaiserlichen Namens wirkte noch zu mächtig;die süddeutschen Soldaten wurden in den Rausch des Ruhms, der die Franzosenbegeisterte, hineingerissen. Noch waren auch die nötigen Reformen nicht durch-geführt, die der elementar hervortretenden nationalen Kraft das Übergewicht überble geistige Kraft Frankreich geben mußten (ß 1). In Österreich selbst suchteAan ^rch Errichtung einer Landwehr die Teilnahme des Volks für den neuen^twg zu erregen und durch Aufrufe voll schöner Verheißungen Begeisterung undVaterlandsliebe zu wecken, während zugleich eine neue Anleihe zur Deckung derArmeebedürfnisse alles bare Metall einforderte, die „totliegenden Geldvorräte"sowohl wie das „entbehrliche Gold- und Silbergeräte". Im Heere ging manbarauf aus, durch geistige und sittliche Mittel das Ehrgefühl zu beleben und inVewaffnung und Ordnung zweckmäßige Änderungen einzuführen. Das ganzeLand glich einem großen Heerlager; „niemals war dies Reich von einemirischeren Strom patriotischer und kriegerischer Begeisterung durchdrungen ge-wesen." Die Rüstungen wurden mit verdoppeltem Eifer betrieben; durch National-subskriptionen suchte man die Familien der Landwehrmänner zu unterstützen,reiche patriotische Gaben wurden dargebracht „zum Bedürfnis und zum Schmuckoer Vaterlandsverteidiger"; aus der Fahnenweihe der Freiwilligen in Wienwurde ein kriegerisches Nationalfest. Der Erzherzog Karl, Österreichs
talentvollster Feldherr, übernahm den Oberbefehl. In seinem Hauptquartier^erfaßten Gentz und Friedrich Schlegel (ß 82), damals kaiserlicher Hofsekretär,
Wne berühmten Proklamationen, die in ganz Europa Aufsehen erregten und alsVorboten glorreicher Taten betrachtet wurden.
„ Zuerst erschien am 27. März eine von Kaiser Franz unterzeichnete Deklaration, worin
Ue Beschwerden aufgezählt waren, die Österreich seit dem 26. Dez. 1805 gegen Napoleon MrungZu erheben hatte: „die unvollständige Erfüllung des Preßburger Friedens, die Weigerung,