Drittes Kapitel: Napoleons und Englands Machtherrschaft.
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Stimmungin Deutsch-land
ungerechte Davoust, „Norddeutschlands Wächter und Quäler", als Befehls-haber eingesetzt. Nirgends ist die Geißel der Fremdherrschaft bitterergefühlt worden als in dieser Stadt. Auch der Kanton Wallis mit deri 2 .N°°.i 8 ioSimplonstraße wurde dem neuen Weltreiche beigefügt, „damit die Anarchiedaselbst ein Ende nehme".
Die große Mißstimmung über das Regiment der Willkür und ^Despotismus, die sich in Deutschland kundgab, war selbst den Franzosenkein Geheimnis, wie man aus dem merkwürdigen Brief des HieronhmusBonaparte vom Dezember 1811 ersieht. „Die Gärung", schreibt er an seinenkaiserlichen Bruder, „ist aus dem höchsten Gipfel; die törichtsten Hoffnungenwerden unterhalten und mit Begeisterung gepflegt; man stellt sich dasBeispiel Spaniens vor Augen, und wenn der Krieg zum Ausbruch kommt,werden die Gebiete zwischen Rhein und Oder der Herd eines gewaltigenAusstandes werden. Die mächtige Ursache dieser Bewegung ist nicht alleinder Haß gegen die Franzosen und die Ungeduld, das fremde Joch zutragen; sie liegt noch stärker in dem Unglück der Zeiten, dem Ruin allerKlassen, der Überbürdung mit Auflagen, Kriegssteuern, Unterhaltung derTruppen, Durchmärschen und Quälereien aller Art, die sich ohne Unterlaßwiederholen. Die Verzweiflung der Völker, die nichts mehr zu verlierenhaben, ist zu fürchten."
§ 61. Der Krieg gegen Rußland, -i. Ursachen. Die Erweiterungdes französischen Reichs bis zur Küste der Ostsee, wobei der Herzog vonOldenburg, ein naher Verwandter des russischen Kaiserhauses, seines Landesberaubt wurde, die unerfüllt gebliebene Hoffnung aus die Erwerbung derTürkei, die vereitelte Werbung Napoleons um eine russische Prinzessingab der Freundschaft der beiden Kaiser, die schon seit der Vergrößerungdes Herzogtums Warschau im Wiener Frieden erkaltet war, einen weiterenStoß. Die Forderung Napoleons, daß Rußland auch die Einfuhr desZuckers und Kaffees, der einzigen überseeischen Handelsartikel, derenZugang unter neutraler Flagge gestattet war, verbieten sollte, beantworteteAlexander mit einem neuen' Zolltarif, der die Einführung französischer u-D°z.i8i»28aren erschwerte, während er die englischen begünstigte. Dazu kam derinnere Gegensatz zwischen dem Wesen des eitlen und leicht empfindlichenZaren und des rücksichtslosen französischen Kaisers. So scheute Alexander,hauptsächlich von Stein (Z 64), den er an seinen Hos berufen hatte,und der dort für Deutschlands Errettung unablässig bemüht war, beraten,den Kampf mit Napoleon nicht mehr und gab das Zeichen dazu durchdie trotzige Forderung, daß die französischen Besatzungen Pommern undPreußen räumen sollten. Es gelang ihm, auch die Türkei durch denAbschluß des Friedens von Bukarest von Frankreich zu trennen undW.M»,i8isden von NapoleonbeleidigtenBernadotte vonS ch w eben (ß 51,57) durchAussicht aus die Erwerbung Norwegens als Bundesgenossen zu gewinnen.
In welcher Lage aber befand sich Preußen, das mitten zwischenden sich zum gewaltigen Entscheidungskampse rüstenden Ländern lag?
Die Patrioten, Blücher, Gneisenau, Scharnhorst, Bohen, Stein u. a.drängten zum Kriege, sie vertrauten auf die durch denselben im ganzenPreußenlande zu entfachende Begeisterung und erwarteten die HilfeÖsterreichs und Rußlands, doch der König Friedrich Wilhelm III. hattedieses Vertrauen nicht und verweigerte jeden Schritt, der ihn in einen„revolutionären Volkskrieg" getrieben haben würde. Zudem brachte
Websr-Baldamus. Weltgeschichte. 21. Ausl.
Lage
Preußens
IV.