Band 
Vierter Band.
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DeutschlandsEinfluß aufdie übrigenLänder

Zweites kuch.

Dteratur und Aunst EuropaK im Zeichen der Komantitz.

Erstes Kapitel.

Literatur (die aicherdeutsche bis zum Ende des Jahr-hunderts)*).

§ 79. Der Niedergang des französischen Klassizismus. Bis gegen Endedes achtzehnten Jahrhunderts erhielten die Literaturen ganz Europas ihrGepräge durch den französischen Klassizismus. Deutschland warf unterLessings Führung zuerst die beengenden Fesseln eines irreführenden Regelwerksab. Was der Dichter der „Emilia Galotti" begonnen hatte, förderten und voll-endeten Goethe und Schiller. Durch ihre Jugenddichtungen erhielt dann zunächstin England das wiedererwachte Heimatsbewußtsein neue Antriebe und An-regungen. Auch der ferne Osten empfand die Rückwirkung der deutschen Kunst-blüte. In Rußland wurden die Werke Schillers, Klopstocks, Bürgers,Herders u. a. m. übersetzt; nach deutschem Vorbilde erstand eine Balladendichtung,und, statt der französischen Künstelei, knüpfte u. a. Oserow an Schillers Bühnen-stücke an. Anders lagen die Verhältnisse in Polen, wo die mit den Jesuitengekommene lateinische Sprache noch bis 1800 einen Hemmschuh für die nationaleEntwickelung der Dichtkunst bildete, den auch die am Ausgange des Jahrhundertseinsetzende Nachahmung der Franzosen nicht beseitigte. Dagegen behauptete sichin Dänemark das deutsche Vorbild, wie ehedem mit dem Anschluß an dieSchlesische Schule, so jetzt durch den Einfluß des heiteren Wieland und deswürdigen Klopstock, der neben Goethe auch in Schweden bereitwillige Nach-folge fand, während Norwegen, soweit es nicht an der dänischen Bewegungunmittelbar teilnahm, sich wenigstens auf sein Volkstum und seine heimischenMuster besann. Holland nahm auch Anläufe zur Unabhängigkeit. Wie weites dazu Hilfe bei Deutschland suchte und fand, des ist außer anderen RhijnvisFeith Zeuge, mochte auch der deutschfeindliche Bilderdijk noch so laut poltern (ß 80).In ihrem Stammlande Frankreich selbst war die klassische Richtung nicht un-angefochten geblieben, wie ja bekanntlich Diderot z. B. als Mitstreiter Lessingsgelten darf. Nach dem Sturme des politischen Umsturzes und noch im Lärmeder anspruchsvollen Hofdichter des ersten Kaiserreichs wob Frau von Stael (ß 60)zarte Fäden zur geistigen Verständigung zwischen Deutschen und Franzosen.

*) Diese Erweiterung ist erfolgt, weil diese Literaturen bei der Kürze, mit der stebehandelt werden müssen, sich nicht zerreißen lassen, und weil sie bis zum Ende des Jahr-hunderts unter dem Einflüsse der Romantik stehen.