178 Zweites Buch: Literatur und Kunst Europas im Zeichen der Romantik. Z 86.
Sinnenreiz auf Kosten indischen Büßerlebens. — Neben der feinen Novellistik des auch durchWinthsr seine Lyrik bemerkenswerten Winther und der Mutter des jüngeren Heiberg, FrauFrauGyllsn- ^hUemberg-Ehrensvärd kam mit den Romanen und Novellen Peter Jacobsens auchb-rg in Dänemark der Naturalismus zum Worte. Er hat es seitdem behalten, in wenig^Jacöbsenb gefälliger Weise selbst im Kreise der Erzählerinnen, wie bei Amalie Skram.
1847—1885 Die Zierde der dänischen wissenschaftlichen Literatur in der Gegenwart istder geistvolle Kritiker, Ästhetiker und Literaturforscher Georg Brandes.
G. Brandes Nach umfassender Vorbildung im Verkehre mit den führenden Geistern des In- undgs . 1842 2^^(mdbs griff ^ stit Mitte der 70 er Jahre als ganz auf sich gestellter, vorurteilsloserDenker in die kirchlichen und wissenschaftlichen Kämpfe seines Vaterlandes ein. Mit seinenVortrügen wie durch sein Hauptwerk Die Hauptströmungen der Literatur i>n19ten Jahrhunderte stieß er bei seinen Landsleuten gewaltig an. So führte ihn der Haßrechtgläubiger Kreise und politischer Großmannsucht, weniger eigene Neigung nach Deutsch-land. In hohem Grade werden auch Menschen und Werke selbst den anregen, der desVerfassers Standpunkt nicht zu teilen vermag.
Zsland Auf dem fernen Island regte sich die literarische Tätigkeit besonders aufdramatischem Felde, u. a. schrieb Jndridi Einarsson ein nach Sprache undInhalt offenbar ursprüngliches Stück Schwert und Krumm st ab. — Dochgenüge hier ein Hinweis auf die Geschichte des isländischen Dramas vonPoestion und auf Küchlers Geschichte der isländischen Dichtung derNeuzeit.
Norwsgen In Norwegen wandelten ebenfalls bis etwa 1830 sowohl die Lyriki 7 § 4 -i 842 eines Schwach, Wolfs, Foß u. a. wie die Erzählung z. B. bei Hansenvorerst in den gewohnten Bahnen weiter. Nur das Drama erhielt durch^L- 1842 '^sbrregaard nationales Gepräge. Der Wegweiser in die Romantik war fürStegen^ das ganze Zeitalter der ebenso in Dänemark erfolgreiche Henrik Steffens1773—1845 geworden, der auch Oehlenschläger für die neue Schule gewonnen hatte.
Aus diesen unermüdlichen Werber, der selbst Novellen u. a., auch Lebenserinnerungen,Was ich erlebte, in deutscher Sprache schrieb, ist eigentlich der Umschwung, der irnNorden den gealterten Klassizismus durch die deutsche Romantik und Philosophie ablöste,zurückzuführen. Von einem anderm Norweger, Hauch, ist schon gesprochen.
Zur Selbständigkeit gelangte das norwegische Schrifttum erst durch Wer ge-ll and und Welhaven.
1808-1845 Wergeland, voll idealen Feuers, unduldsam gegen jede Fessel, dabei von freiheitlichemNationalgefühle, ging in seinem Widersprüche gegen die Zustände der Zeit bis zur Ab-lehnung jeder Kunstregel. Von der Volkstümlichkeit seiner Lieder und Schauspiele wieSchöpfung, Menschheit und Messias drohte Gefahr, die seinen litterarischen undPolitischen Ansichten einen gewappneten Gegner in Welhaven erstehen ließ. Dieser ent-zündete durch seine Streitschrift Wergelands Charakter als Dichter und Menscheinen förmlichen literarischen Krieg, der, in Zeitungen und Flugschriften geführt, durch dieTeilnahme der Studentenschaft noch verschärft und nun von zwei Lagern aus fortgeführtwurde. Zwar ermatteten schließlich die Parteien, doch klafft der Riß bis heute. Abseits.Manch hielt sich mit anderen der weiche Munch, dessen stimmungsvolle Elegik auch durch sein?1811-W84 Gramen klingt.
Es folgte eine dichterreiche Zeit der Sammlung und der Versuche zu gegen-seitiger Verständigung. Nur das jugendliche Unterfangen, eine neue National-fprache schaffen zu wollen, störte die verhältnismäßige Ruhe.
4^1870 Der Plan entsprach der grundstürzenden Denkweise des Führers der Neuerer, Vinje,
auS dessen heißem Kopfe er anscheinend entsprungen ist.
Da traten wenige Jahre vor 1860 zwei Männer auf, deren Werke nichtnur die gespannteste Teilnahme aller Kulturvölker finden, sondern für sie sogarliterarische Vorbilder werden sollten. Es sind Björnson und Ibsen.
Björnson Björnstjerne Björnson ist eine hoffnungsfreudige Natur, stark wie das Raubtier,
geb. 1832 das zweimal in seinem Namen vorkommt, sagt Brandes. Er ist der große Säemann Nor-wegens, zugleich auch Volksredner und Vorkämpfer der Volksherrschaft. Seine Werkezerfallen in drei Gruppen: lebensvolle und künstlerisch vollendete Erzählungen aus demnorwegischen Bauernleben, ferner Schauspiele mit altnordischen und geschichtlichen Gestalten,z. B. Zwischen zwei Schlachten, Sigurd der Böse und Maria Stuart,