Borne
1786-1837
Heine
1799—1856
560 Siebentes Buch: Literatur und Wissenschaft Deutschlands im 19. Jahrhundert.
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Ludwig Borne, vor seiner Taufe 1818 Lob Baruch, erscheint als Tagesfs^^steiler mit der Wage und den Zeitschwingen, wie in seinen humoristischenaus dem Leben, z. B. Die deutsche Postschnecke, und seinen Aufsätzen, so in der ^feinste gefeilten Denkrede auf Jean Paul, als ein durch Sprachgewandtheit ^scharfen Verstand ausgezeichneter Vorkämpfer der Volksherrschast, der alles nur unter de ^sichtspunkte der Politik betrachten konnte. Einer Stellung als Polizeiaktuar in seiner ^stadt Frankfurt a. M. bald enthoben, wurde er mehr und mehr verbittert undganz auf die Schriftstellerei, deren aufrührerischer Charakter ihm Haft zuzog. Nachrühre von 1830 nahm er seinen Aufenthalt für immer in Paris. Dort suchte er ^Zeitung öulanee deutsches und französisches Wesen zu vermitteln. Gekränkte Eitelkeithier und da aus seinen satirischen Schriften hervor, unter denen Menzel, der Franzoi^sresser, seine letzte Schrift, fast gallig genannt werden muß, während die BriefeParis bei aller Vorliebe für Frankreich im Spotte über deutsche Verhältnisse rww ^Maß zu wahren suchen. Doch wagte sich sein unbefriedigter Ehrgeiz auch an Größe ^Goethe, Schiller und Hegel mit Ausfällen, die nur ihren Urheber richteten. Immerhin^Borne durch seinen überzeugten Glauben an die Freiheit und durch den Abscheu »o > ,licher Frivolität hoch über dem Manne, der in der Schmähschrift Über Börne den ^^ssBnoch nach seinem Tode verunglimpfte, Heinrich Heine. Ein hochbegabter Dichter, ^Lyrik für alle Stimmungen und Zustände des menschlichen Gemüts die wärmstenschönsten Töne hat, und der wie kein anderer seit Goethe „die Sprache der Natur ö^ns Aiides Menschenherzens" zu machen verstand, begeisterte sich Heine anfangs für die romanIdeen, bald aber gefiel er sich darin, die zarten Gebilde seiner eigenen Phantasie nntHöhne zu bespötteln, alles Hohe zu verneinen und durch zersetzende Ironie geist"^-^,scheinen zu wollen. Seinem Witze ist nichts heilig; Gefallsucht läßt ihn zu allein 8 ^was Erfolg, verspricht, und krankhafter Ehrgeiz macht ihn leichtfertig und rachsüchtig-die Frivolität seiner Schriften wird um so gefährlicher, als sie sich in ein gefällte ^wand kleidet, in wahrhaft dichterischer, bilderreicher Sprache mit Empfindsamkeit njs Asühlschwärmerei gemischt erscheint. Das Buch derLieder, mit einem Schmelze der üund mit einer Innigkeit der Empfindung, wie sie nur dem gebornen Dichter eigen find,zu den meistgelesenen Werken unserer Literatur, und einzelne Perlen dieserwerden allezeit gefühlvolle Herzen entzücken, mag auch des Dichters Ruhm mit dem G ^ ^an die Wahrheit seines Weltschmerzes im Abnehmen begriffen sein. Aus Heines erst^stammen die mit großem Beifalle aufgenommenen Reisebilder. In Paris, "A1831 niederließ, steigerte sich seine Fruchtbarkeit auf verschiedenen Gebieten der Ll ^
Französischen Zuständen und
außerordentlich. Neben dem Salon, den
Romantischen Schule erschienen Neue Gedichte, der Romanzero, ^von Romanzen mit Anspielungen auf die Gegenwart, Deutschland, ein ANMärchen, Atta Troll u. a. m. Nichts aber reicht an das gemüt- und poesievolleder Lieder hinan. Von körperlichen Leiden gebrochen, denen er jahrelang heldenhaft > ^gehalten hat, starb der Dichter, in Frankreich fast schon vergessen, in Deutschlaudamals mehr als je gefeiert. , Dd
Mit Heine und Börne bildeten Gutzkow, Laube, Kühne, AtuudWienbarg, denen auch Fürst Pückler und Heller zugezählt werden können,genannte Junge Deutschland. Wie die Romantiker predigten sie eine llmgestattLebens, nur daß sie im Gegensatze zu jenen rückwärts gewandten Erneuerern eines verf l ^Mittelalters ganz in der Gegenwart standen, die Kunst mit der Politik verquickallerhand Tagesfragen, nicht nur ästhetisch-literarischer, sondern mit Vorliebe ^ ^licher und kirchlicher Art, in den Bereich ihrer Darstellung einbezogen. Damit stzusammen, daß sie zumeist Inhaber oder Mitarbeiter politischer oder literarischer ^waren, die auf die öffentliche Meinung und auf das vorschnelle Urteil der oberstaLeserwelt weitreichenden Einfluß geübt haben. Sorgfältigste Darstellung, gewürzprickelnden Sinnenreiz, und vollendete Form gewannen ihren Erzeugnissen die Anstn ^keit der Öffentlichkeit. Ihrem Bekenntnisse nach zerstörende Geister, in der Mshtv K-Hegels Dialektik geschult, lasen sie aus des Meisters Lehren heraus, was sie in stst- per"streben, die bestehende Weltordnung und Lebensanschauung zu unterwühlen, zumochte. In der Politik gaben ihnen die Richtung die siegreichen Ideen des Julians!in Paris. Glauben und Religion gedachten sie zu verdrängen durch das „neue Evst ö ^der Wiedereinsetzung des Fleisches", der Emanzipation der Sinne, nuenannten; die künftige Seligkeit im Himmel, der Armen und Bedrängten Hoffnung'.^»,als Priestertrug und Aberglaube dargestellt und der Mensch mit seinen Bedu lWünschen und Leidenschaften auf die irdische Welt und ihre sinnlichen Genüsse hing