Rich.Wagner1813 -1893
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592 Siebentes Buch: Literatur und Wissenschaft Deutschlands im 19. Jahrhundert. 8
zu schildern, überhaupt zur Beschreibung und Malerei bringen sollten. ÄhnlichesBeethovens Werken vorgebildet, aber dem rein musikalischen Prinzipe untergeordnet. ^ ^übertrieb und wurde einseitig. Ihm schloß sich u. a. Felicien David mit der Eöus ^Bedenklich war es, daß die Richtung sich genötigt sah, zum Verständnisse ihrer 0 ^den Hörern besondere Erklärungen (Prologe, Programme) in die Hand zu 9^"' jelüuterungen dessen, was die Komposition ausdrücken will. Dieser „ProgrammmusikI 8 II- 188 K Deutschland vor allen Franz Liszt die Wege, reinigte und läuterte sie aber Z 9 ^von den Schlacken, die ihr in der französischen Form anhafteten. Viel bekämpft, ü" ^den Neuklassikern Brahms u. a., hat sie doch bis in die Gegenwart glänzende Vertreter^Richard Strauß, Grieg, Gustav Mahler. — Liszt ist eine der eigentümliche.^jjscheinungen in der Geschichte der neueren Musik. Wie weit Nationalität, erste Ks ^und Glaube seine Entwickelung beeinflußt haben, kann hier nicht erörtert werden. Fruyz ^schon trat seine Anlage für Musik, besonders für das Klavierspiel, hervor, diesesspäter zu einer Vollkommenheit ausgebildet, die ihm den unbestrittenen Ruhm desPianofortekünstlers einbrachte. Tatsächlich hat Lifzts eingehendes Studium dieses Äment zu früher ungeahnten Leistungen befähigt. Mehrfach schon gestreiftTätigkeit als Komponist von Oratorien und Liedern. Als Melodramatiker war er w ^erfolgreich. Um so unbeschränkteren Einfluß gewannen seine zahlreichen Symphonien- ^Ästhetiker und Theoretiker darf er ohne Widerspruch das Verdienst für sich innehmen, zuerst die Bedeutung der nendeutschen Richtung und ihres Begründers, ^ rglWagners, erkannt zu haben. Die Bedeutung Wagners für die Musik läßt st^diese Darstellung gebotenen Kürze nicht zusammenfassen. Zudem darf angenommendaß fein Gedächtnis ebenso frisch wie allenthalben in der Gegenwart fortlebt. Esalso einige Bemerkungen genügen. In Wagner vereinigten sich musikalische, Po ^Vhische und dichterische Anlagen zu schönem Gleichgewichte und drängten gleichnmv»^schöpferischer Betätigung. Kennzeichnend für seine Neuerungspläne ist vorer, der größte Tonkünstler der Zeit, die Musik aus ihrer in der alten Oper bergetVorzugstellung hinausdrängte; die Musik sei nur Mittel, eigentlicher Zweck die DraIhr muß jene dienen, indem sie einmal den Sinn der Worte in ihrer Weise andeute^ ^esprechend hervorhebt, gewissermaßen unterstreicht, anderseits in den „LeitmotivenArt Klammern für das dramatische Gefüge liefert. Weg also mit allen musikalischbilden, soweit sie sich nicht mit Notwendigkeit aus dem Gange der Handlungvielmehr wie bisher nur Sangeskünsten dienen! Besonders diesen gegenüber betonte ^die Aufgabe und Selbständigkeit der instrumentalen Begleitung. Erst auf demder Gleichberechtigung von Wort und Ton sah Wagner das Musikdrama in seine* B«endung, das „Kunstwerk der Zukunft" erstehen. Aber deutsch gesinnt durch under sich auch in der Politik, in Rassen- und Kulturfragen gezeigt hat, mochte er ftu" ^auch nicht vom belebenden und kräftigenden Boden der Nationalität lösen. ÄujiPlane zu einem deutschen Nationaltheater bekundete das auch immer deutlicher dieder Stoffe seit etwa 1848. Ihre Fundstätte sollte ferner die Sage sein, fürHandlung allein die Musik als Sprache des Gefühles geeignete Ausdrucksmittel habe; S ^,1aber müßten alle Wirkungen auf der Bühne dramatisch, nicht musikalisch sein, n'^eckdem Stoffe ausgehen, und dieser deshalb bedeutend sein. Auf die Art, wie WeM**Künste, wie Malerei, Technik usw-, für seine Zwecke heranzog, auf seine romantisch ^
griffe auf die Wissenschaft, besonders die Versuche am lebenden Tiere, auf sein Eint* ^reines Deutschtum, auf sein dichterisches Schaffen und seine Religion des Mitleides n>*Stiche ins Übernatürliche, kann hier so wenig eingegangen werden wie auf dreordentlichen Fortschritte, die sich für Instrumentation und musikalische Charaktern ^,dWagners nimmerrastender Denkarbeit ergaben. — Die Wirkung feiner Schöpfung ^Theorien war ungeheuer und schlug fast das ganze heranwachsende Komponistengesm ^jgum so gefährlichere Fesseln, als eine einigermaßen selbständige Nachfolge ebenso stNwie unfreie Nachahmung durch Wagners überfließenden Reichtum an MotivenHat sich jetzt darin eine Läuterung vollzogen, so ist daneben auch für unaRichtungen und selbständige Regungen, wie in Bungerts homerischen dpe*ARaum geworden. — Selbst das Ausland gewann Verständnis für die GrößeParis hat seine Wagnergemeinde und fand sich schließlich in die Aufführung seiner MLFür Franzosen wie Engländer wurde Bayreuth besonders wegen des Parsifalliche Wallfahrtstätte. Am längsten hielt sich Italien zurück, wiewohl dort der neuVerdi Kunst in Verdi zuletzt ein Prophet erstand. Bald traten jedoch Leoncavallomis-igüi „Verist" Mascagni in den Vordergrund.