24. Mai 1873
Mac Mahon24. Mai 1873-30. Jan.187S
698 Achtes Buch: Europa unt. d.Einfl. d.FriedenspolitikK. Wilhelms I. u. Bismarcks- I
einanderstrebten, in der Verwerfung der Republik waren sie einig. Zu den p^>tischen Streitigkeiten gesellten sich die kirchlichen. Je höher die Wogen des Kmtukampfes in Deutschland gingen (ß 324), um so eifriger wurden auch in Franks tdie tonangebenden Kreise des politisch-klerikalen Katholizismus. Mangünstigte Wallfahrten, man unterstützte kräftig den Wunderglauben, die akatholischen Regungen wurden im Keime erstickt, und gegen die Protestanwurde wie in den Tagen Ludwigs XIV. vorgegangen. Da Jules GrevV»der mehrjährige Präsident der Nationalversammlung, einer der Zuverlässig!^Stützen Thiers, sich auch in der Kammer diesem Treiben gegenüber ohnmäch »sah, legte er seinen Vorsitz nieder, worauf die monarchisch-klerikale Mehrheit o4. April 1873 Abgeordneten Josef Büffet zum Präsidenten wählte. Die Radikalen dagegbewirkten, daß bei einer Ergänzungswahl in Paris der von den Klerikalen wegder Beseitigung des klerikalen Schulwesens abgesetzte Maire von Lyon, Larande -in die Nationalversammlung gewählt wurde. Dies Hervortreten der Demokwführte alle monarchistischen Elemente einander näher, und Thiers selbst verstär ^die Reihen der Gegner, indem er bei einem Wechsel im Ministerium den 8mäßigten Republikaner Casimir Perier in das Kabinett berief. Als "von der Versammlung ein Tadelsvotum über diese Ministerwahl ausgesprvHwurde, erklärten Thiers und das Ministerium ihren Rücktritt. ...
Nun wurde der Marschall Mac Mahon zum Präsidenten der Repvf^gewählt. Der Herzog von Broglie, der die Jntrige gegen Thiers ge^ ^hatte, bildete ein neues Ministerium, in dem die Monarchisten die Oberha"hatten. Die Republikaner waren einstweilen nicht imstande, gegen den „Aschallpräsidenten", der die Armee zur Verfügung hatte, und die vereinten Gruppder Monarchisten vorzugehen. Am meisten gewannen die Bonapartisten, ^30 Stimmen hatten unter der Führung Eugene Rouhers wesentlich zum St» ^Thiers beigetragen. Indes Napoleon (IV.), der am 16. März 1874 die sfseiner Großjährigkeit beging, weilte mit seiner Mutter Eugenik in der ^bannung, während die Orleaniden, seit der Rückerstattung ihrer Familienguim Besitze unermeßlicher Reichtümer, in Paris und Versailles eine ehrenvStellung einnahmen, und der letzte Bourbon, Heinrich, der Enkel Karls X. (8 ^
ab und zu in seinem Schloß Chambord, unweit Blois, Aufenthalt nahm, vonLegitimisten und Klerikalen im Herzen als künftiger „Roy" ausersehen. ^neue Regierung stützte sich auf diese klerikalen Elemente; im äußeren Lewurde die kirchliche Werkheiligkeit mit bewußter Oftentation betrieben; P"gfahrten zu wundertätigen Orten wurden als nationale Festfahrten veranstch 'an dem Wallfahrtsorte Paray-le-Monial wurde von legitimistischen Deputier^unter Teilnahme des Bischofs von Autun in der einer verzückten Heiligendem 17. Jahrhundert, Maria Alacoque, errichteten Kapelle Frankreich dem he" 8^Herzen Jesu geweiht; himmlische Visionen und Wundererscheinungen mitdazugehörigen Wallfahrten verbreiteten sich über ganz Frankreich; der Bau e ^neuen Kirche auf dem Montmartre, „Zum heiligen Herzen Jesu", wurde M ,Nationalversammlung beantragt. Die frömmelnde Gemahlin des Präside^gab zu diesem Treiben den Ton an, mit dem sich zugleich die Rachegedngegen Deutschland wohl vereinten. Auf den Wallfahrtsfesten betete man:Frankreich und Rom und hilf uns Elsaß und Lothringen wieder befreiJedoch einen Krieg wünschte auch die neue Regierung noch nicht; sie wolltenächst die Monarchie zurückführen, und dazu schien ihr das beste Mitte ^„Fusion", die Vereinigung der beiden Zweige der bourbonischen Dynastie»^sein. So reiste denn der Graf Philipp von Paris nach Frohsdorf Ohvon Wien), um im Namen der Familie Orleans dem Grafen von C h a mals dem Chef des Hauses zu huldigen. Unter ihm als „Heinrich V." ^
man dem „Gefangenen im Vatikan" die weltliche Herrschaft wiederzugeben,Karlisten in Spanien, die Papisten in Großbritannien und Irland, diemontanen in Deutschland unter der Führung des klerikalen Frankreich zu
Klerikalis
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Fusion derLegitimistenund Orga-nisten
5. Aug. 1873