712 Achtes Buch: Europa unt. d. Einst- d-Friedenspolitik K. Wilhelms I-u.Bismarcks- 8^61
die den Staat dem Bankerott nahebrachten, und eine von Parteien zerrissenund sittlich verwilderte Nation.
so! Im!!"Äs Nach der Beendigung des Krieges gelang es endlich, dieneueVerfass u n S
zustande zu bringen: ein Repräsentativsystem mit einer in Senat und A-geordnetenhaus geteilten Volksvertretung wurden ins Leben gerufen,aller Proteste der Kurie, deren Ansprüchen der König so weit als möglich en^gegenkam, um den Karlisten ihre Unterstützung zu entziehen, beharrte die Mch*'heit der Cortes auch bei dem Grundsätze der Glaubens- und Kultusfreiheit, Eaber die Zivilehe und die Lehrfreiheit preis. Aber der Toleranzartikel war dochnur ein Schein, mit dem man die öffentliche Meinung in Europa beschwichtigt"wollte. Die Regierung schritt nicht ein, wenn die Bischöfe, unterstützt von deFanatismus des Volkes, den Protestanten alle möglichen Hindernisse in deWeg legten.
Indessen befestigte sich allmählich die monarchische Ordnung in Spanien-so daß selbst die beiden ehemaligen Königinnen Christine und Jsabella aus deVerbannung zurückzukehren wagten. Im Januar 1878 feierte König Alfon!23-Jan- 1878 seine Vermählung mit der Jnfantin Maria Mercedes von Orleans,dees. Jum Tochter des Herzogs von Montpensier. Aber schon im Juni wurde die junge Königsdurch einen schnellen Tod unerwartet dahingerafft, einige Wochen nachher starb d>22 - Aug- ehemalige Königin Christine. Trotz der Bewältigung der Karlistenbanden u»der Herstellung der konstitutionellen Monarchie brachen freilich immer wied^föderalistisch-republikanische und kommunistische Aufstände, namentlich in And ^lusien, aus, die nur mit Militärgewalt unterdrückt werden konnten. Auch wur25- Ott- 1878 auf den König in Madrid von einem Katalonen, Juan Oliva y Moncasi, el9- Jan- 1879 Mordversuch gemacht. Anfang 1879 starb dann Espartero, Herzog d"Vittoria, der aus einer Handwerkerfamilie zu den höchsten Ehren emporgeststg^war und in die Geschicke seines Vaterlandes mehrmals entscheidend eingegrw
hatte (ß 256 ff.).
Kuba Die Verhältnisse auf Kuba, wo der Aufstand allmählich erlosch,
einen Ministerwechsel herbei. Martinez Campos, der „Pazisikator "Kuba", der im März 1879 an die Spitze des Ministeriums getreten war, reBDe;- 1879 seine Entlassung ein, weil er bei den Cortes seine Kolonialpolitik nicht durchsetzen konnte, die auf sofortige Abschaffung der Sklaverei, auf Änderung des lden Inselstaat nachteiligen Zollsystems und auf Anerkennung der kubanisch^Schuld durch das Mutterland hinauslief. An seine Stelle trat wieder Eanov«
" Liberal"' del Castillo, was als ein Einlenken in klerikale Bahnen aufgefaßt wur^Caftelar hatte schon früher ein demokratisches Manifest erlassen, worin errückhaltlose Umkehr zu der Verfassung von 1868, zu der Freiheit des Glaubebekenntnisses, der Presse, des Unterrichts, der Vereine und Versammlungen vlangte. Jetzt wurden diese Forderungen in kräftigeren Worten wiederh 'mehrere Generale reichten ihre Entlassung ein, um ihre Sympathien für Campso. Dez- 1879 zu beweisen. Ein neues Ättentat auf den König und seine zweite Clemah/die Erzherzogin Marie Christine von Österreich (vermählt am 29. Nov.in Madrid, das wie das erste ohne Folgen blieb, zeigte, wie wenig trU.t" ^noch die staatlichen Verhältnisse in Spanien waren. Der König wandte sichallmählich von dem klerikalen Ministerium Canovas ab und den LiberalenFebr. 1881 aus deren Reihen das Ministerium Sagasta hervorging. Doch tratJan. 1884 bald wieder an die Spitze eines konservativen Kabinetts. Zu einer vorübergehe"^Spannung kam es 1885 mit Deutschland über die Karolinenfrage, ^wie wir gesehen haben (H 330), durch den Schiedsspruch des Papstes Leo Xentschieden wurde. , ^
Ein schwerer Schlag aber traf Spanien durch den Tod desKöulg25 -N°». 1885 Alsons XII. Der junge Monarch starb an der Schwindsucht, »28 Jahre alt, und hinterließ zwei Töchter im zartesten Lebensalter.