782 Neuntes Buch: Die Zeit der neuen Weltpolitik und Weltwirtschaft. Z 3S0-
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Soweit die Türkei ohne willkürliche fremde Einmischung sich der Friedens-arbeit widmen konnte, schritt sie vorwärts, und der Sultan Abdul Hamid ll-si.Aug.isoi durfte bei der Feier seines 25 jährigen Regierungsjubiläums auf eine erfolgreicheZeit zurückschallen. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit der ganzen mohammeda-nischen Welt, eines Panislamismus, ist sehr gestärkt. Als Khalif schuf derSultan den Gläubigen, welche ihre Pilgerfahrt nach Mekka ausführen wollen,eine schnellere Verbindung durch Erleichterung der Reisen; aus dem Herze"Afrikas, aus Mittelasien und von den Inseln des Malaiischen Archipels komme"sie nach Konstantinopel, um den Khalifen zu schauen, und kehren als eifrige Mit-arbeiter an dem Werke des Panislamismus in ihre Heimat zurück. Das immerweiter sich ausdehnende Zeitungswesen unterstützt diese Ideen; dafür sorgen aMdie Tausende von Schulen, die unter Abdul Hamid entstanden und die KenntMsvon Lesen und Schreiben in immer weitere Kreise trugen. Auch für die höhereSchulbildung geschah viel; in den Provinzen erhoben sich viele neue, meist m>>Internaten verbundene Anstalten, deren ganze Gestaltung den modernen An-forderungen wohl entspricht; sie bereiten für die Fachschulen in KonstantinoP?vor. Ganz außerordentlich hob sich die Wehrkraft des türkischen Reiches: ^Heer ist auf eine Kriegsstärke von ungefähr 1 Millionen Mann gebrachworden; der Wert der Redif-(Landwehr-)Organisation zeigte sich bei den viele"Mobilmachungen der letzten Jahre. Nur die Flotte blieb hinter den Anforderung?"zurück. Es fehlten hier auch die Mittel, denn zu einer geordneten Fina»?'wirtschaft brachte es die Türkei noch nicht, da, abgesehen von der Armut d?Landes selbst und dem Mißtrauen der europäischen Börsen gegen türkische Fing"?'geschäfte, die Verderbtheit des Beamtentums, das in dem Amt nur das Mm?zur Bereicherung sah, bisher jede Besserung aufhielt. Indes gewann bog'das Eisenbahnwesen unter besonderer Fürsorge des Sultans an Ausdehnn"?'In der europäischen Türkei gab es 1876 im ganzen 1180 Kilometer Eisenbah"'1902 2043, in Asien 512, 1902 2245 Kilometer, und das mit deutschem GAgebaute anatolische Eisenbahnnetz mit der geplanten Bagdadbahn (ß 380) eröstmdem Weltverkehr neue Gebiete und sichert die türkische Herrschaft in Gegend?"!die ihr bisher fern lagen. Überhaupt gestalteten sich die Beziehungen der Türzu Deutschland besonders durch die Besuche Kaiser Wilhelm II. in Konstantinsimmer freundschaftlicher. Ein Zwist mit Frankreich, der entstand,die türkische Regierung einer französischen Gesellschaft das von dieser gekamRecht, die Hafenquais in Konstantinopel auszubeuten, vorenthielt und ""einer zwei Franzosen zu zahlenden Schuld nur einen kleinen Teil anerkennen rvoü 'wurde rasch beigelegt, nachdem der französische Botschafter die Hauptstadt v?lassen hatte und ein französisches Geschwader im Ägäischen Meer erschienen mDer wundeste Punkt für die Türkei, wie für die Ruhe auf der Ball"Mazedonien Halbinsel überhaupt blieb Mazedonien, dessen Bewohner von der türkischHerrschaft sich befreien wollen und stets heimliche und offene Unterstützungen "Bulgarien aus erhielten. 1902 erforderte der in Mazedonien wieder ausgebroa>Aufstand die Aufbietung einer stärkeren türkischen Truppenmacht. Die veinig handelnden europäischen Großmächte hatten alles zu tun, um durch ü" ,drückung der bulgarischen Kriegsluft und durch Reformen in MazedonienGefahren einer weiteren Ausdehnung des Streites vorzubeugen. Nachdem.^im Februar 1903 identische Noten Österreichs und Rußlands über die "bugReformen nach Konstantinopel ergangen waren, kamen die Kaiser dieser derMaaten in Mürzsteg zusammen und vereinbarten noch einmal in best" ^feierlicher Form ein Reformprogramm, das am 5. Oktober an die Dürke?gesandt wurde: sie verlangten vor allem, daß österreichisch-ungarische und ruM^Agenten die Durchführung der Reformen überwachen sollten, und daß europ"'> ^Offiziere an die Spitze der Gendarmerie gestellt würden. Wohl g^Ägrz-den beiden Großmächten, die Türkei zur Annahme des Programms vonsteg zu bewegen, aber die Aufnahme war hier wie bei den kleinen B«
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31. Okt.