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Vierter Band.
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Neuntes Buch: Die Zeit der neuen Weltpolitik und Weltwirtschaft. A 395-

Psrsts» Persien hatte, nachdem es zuerst seit der Beseitigung der Sasiden (Bd. II, 8 390)

1736-171? innere Unruhen hatte überwinden müssen, unter Nadir Schah seine Grenzen bis nach

1747—I77g Indien ausgedehnt; nach dessen Ermordung regierte Kerim Chan als ein weiser Herrscher:

er gestattete den Engländern eine Niederlassung in Buschir und den Handel im Persischen

Golf. Nach seinem Tode erfolgte eine böse Zeit innerer, durch die in den orientalischen

Staaten gewöhnlichen Thronsteitigkeiten hervorgerufenen Wirren, bis 1794 Aga Mohammed1794— I7S7 Chan den Thron bestieg: mit ihm begann die noch heute herrschende Dynastie der Kad-scharen. Unter ihm brach der Kampf mit den Russen um den Besitz Georgiens aus, derI797-I8S4 auch nach der Ermordung des Schahs unter Feth-Ali-Chan fortgeführt wurde. Persienschloß sogar mit Napoleon gegen Rußland und England ein Bündnis in dem Vertrag von4. Mai 1807 Finkensteiu; es erschien eine französische Gesandtschaft in Teheran, aber als nach dem24. Dez. 1897 Frieden von Tilsit l8 43) Rußland die Hände wieder frei bekam, wurde das persische Heeriv.Fsbr, 1809 von den Russen geschlagen, der französische Gesandte mußte Persien verlassen, und nach24 Okt^i 8 i 3 ^" 9 °ren Kämpfen mußte Persien in dem Frieden von Gulistan den größten Teil seinerkaukasischen Besitzungen an Rußland abtreten, ein Offensiv- und Defensivbündnis und freieSchiffahrt auf dem Kaspischen See zugestehen. Den Engländern gelang es erst nach längerenVerhandlungen mit dem Schah einen Vertrag abzuschließen; in dem er sein Land jedemfremden Heere verschloß, Hilfe gegen Afghanistan bei einem Einfall in Indien versprach,während die Engländer Hilfe bei dem Angriffe einer europäischen Macht auf Persien undVermittelung zwischen Persien und Afghanistan bei einem Kriege zusagten. Ein Versuch, dieverlorenen Besitzungen zurückzugewinnen, endete mit einer neuen Niederlage; im Frieden23.Fsbr.i8>8 von Turkmantschai wurde Eriwan und Nachitschewan an Rußland abgetreten, auch mußtePersien auf eine Kriegsflotte auf dem Kaspischen Meere verzichten. Seitdem stritten Eng-1884—1848 land und Rußland um den Einfluß in Persien. Nach Mehmed Schah bestieg Nassr1848—1896 Eddin den Thron, der nach einem unglücklichen Kriege mit England, der durch die Be-setzung Herats entstanden war, mit dem durch Napoleon III. vermittelten Frieden von4. März 1857 Paris endete, in dem der Schah Herat herausgeben und sich verpflichten mußte, sich wederin Afghanistan noch in Herat einzumischen, das einen eigenen Fürsten erhalten sollte. Diemit der Türkei entstandenen Grenzstreitigkeiten wurden in dem Berliner Frieden (8 338)geregelt, Persien erhielt den Bezirk von Chatur. Die inneren Verhältnisse Persiens ge-stalteten sich bei der schlechten Verwaltung immer ungünstiger; die Hoffnungen auf Besserung,1873. 1878 hie man an die Rundreisen Nassr Eddins an die europäischen Höfe geknüpft hatte, erfülltenI. Mai 1896 sich nicht. Nach seiner Ermordung bestieg Musaffer-ed-Din-Mirza den Thron.

Trotz der Niederwerfung des Großwesiers Aspha Chon, der wegen seines Vorgehensgegen die sinnlose Verschleuderung des Staatsschatzes in Ungnaden entlassen worden war,konnte der finanziellen Not nicht abgeholfen werden. Die persische Regierung mußte eine19M Anleihe bei Rußland aufnehmen, durch die das Land ganz in dessen Vormundschaft geriet.Es mußte sich auch verpflichten, während der nächsten 75 Jähre keine weitere Schuld ein-zugehen oder mit einer anderen Macht als Rußland in finanzielle Verhandlungen zu treten-Vorher hatte es sich schon durch einen Vertrag verpflichtet, bis 1904 ohne russische Zustimmungkeine Eisenbahn- oder Straßenkonzession zu vergeben. Im Innern des persischen Staatswesensvollzog sich 1901 ein wichtiger Fortschritt. Am 13. April erließ die Regierung ein Gesetz,wonach sämtliche Zölle und Wegegelder im Innern abgeschafft und einheitliche Ein- undAusfuhrzölle erhoben werden sollten. Auch sonst zeigte Persien sich zu Reformen geneigt, wiezur Verstaatlichung des Postwesens und zur Besserung der Verwaltung in den einzelnenProvinzen. Eine Reise des Schahs durch die europäischen Staaten konnte in dieser Be-ziehung nur nützen. Doch auch England ließ in seinen Bemühungen, Einfluß in PersienJan. 1902 zu erlangen, nicht locker; es erlangte das Recht zur Anlage einer neuen Telegraphenlinä9. Febr. 1903 über Jesd, Kerman, Bampur nach der Grenze von Beludschistan und schloß einen Handels-vertrag ab; es tat auch alles, um den Persischen Golf allmählich in eine britische See znverwandeln.

§ 395. Der russisch-japanische Krieg. Tibet. Auf die weitere Ent-wicklung der Rivalität Englands und Rußlands wird der Ausgang des1904 begonnenen russisch-japanischen Krieges von Einfluß sein-Zugleich knüpft sich an ihn die wichtige Frage, ob Japan die führendeMacht Ostasiens werden und die Regeneration der gelben Rasse ver-suchen wird.

Die Siegesfrüchte des japanisch-chinesischen Krieges von 1894 wurden Japan durch dasEingreisen Rußlands, Frankreichs und Deutschlands geschmälert (8 377). Diese Lage hätten