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Vierter Band.
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795
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8 396. Drittes Kapitel: Die Moderne (Literatur Deutschlands, Kunst Europas). 795

England würde sich zu dieser Expedition wohl nicht entschlossen haben, wenn nicht°sr russische Einfluß sich in Tibet gefahrdrohend geltendgemacht Hütte. Schon seit 1892 sandtedie Lhassaer Regierung, empört über den Vertrag von 1890, nach Peking nicht mehr diehflichtmüßigen Geschenke und begann sich Rußland zu nähern. Ein Gesandter des Dalai"ama wurde von dem Kaiser Nikolaus in Livadia empfangen, und eine zweite Gesandtschaft, M.Sept.iso»an deren Spitze ein Lama stand, traf in Odessa ein, ging nach Petersburg und wurde hier W. JunNsoivon dem Kaiser, der Kaiserin, dem Grafen Lamsdorf und dem Finanzminister Witte s. Junempfangen. Die von London nach der Bedeutung dieses Besuches gestellte Anfrage wurdemit der mehr als ironischen Mitteilung beantwortet, daß das Haupt der Gesandtschaft, derLama Doroshigov, Mitglied der russischen geographischen Gesellschaft sei. Das rief in Eng-land eine starke Mißstimmung hervor, die sich noch steigerte, als die Nachricht eintraf, daß Aug. isoLZwischen Rußland und China ein Geheimvertrag abgeschlossen worden sei, nach welchem diechinesische Regierung ihre gesamten Interessen in Tibet mit allen Privilegien und Vorteilenan Rußland überlasse, das dagegen seine Hilfe und Unterstützung zur Aufrechterhaltung derIntegrität des chinesischen Reiches biete. Diese Nachricht wurde aus Peking dementiert.

Auch hier muß die Zukunft zeigen, in wieweit das richtig ist und welche Folgen eine solcheStellung Rußlands in den Fragen des fernen Ostens haben wird.

Drittes Kapitel.

Die Moderne (Literatur Deutschlands, Kunst Europas).

Die jüngstdeutsche Literatur.

seit

dem großen Jahre 1870 ZeUverMt-

- . ^ nisss

8 396. Mit dem nationalen Aufschwüngehat die deutsche Dichtung nicht Schritt gehalten. Wohl umrankte sie die welt-geschichtlichen Ereignisse mit einem farbenreichen Kranze vaterländischer Lieder.

Aber die erhoffte und ersehnte Wiedergeburt der Kunst in deutschnationalemSinne blieb aus. Zunächst waren die äußeren Verhältnisse nicht da-nach angetan, einen literarischen Lenz zu zeitigen. Auf die Tat, auf LebenU"d Wirklichkeit war das erwachte Selbstbewußtsein gerichtet. Die Politikstand im Vordergründe. Anderseits erhob der Erfolg überraschend schnell ent-wickelter Erwerbtätigkeit die wirtschaftlichen Interessen zu einer nahezu allesbeherrschenden Macht (H 328). Diese hastende, aufgeregte Zeit hatte keinen Sinns"r reine Kunst. Was sie begehrte: mühelose, von des Tages Geschäftenziehende Unterhaltung, Anreiz der mißbrauchten Nerven und abgestumpftenSinne, das boten französische Romane und Bühnenstücke zur Genüge. Inteutschem Schrifttums dagegen hatte echter Beruf noch um die erst später, dafürüber in vollem Maße errungene Anerkennung zu kämpfen. Daneben hüteteVln vornehmes Priestertum der Schönheit die Überlieferung aus klassischer Zeit,vpierte wohl auch der vollendeten Form den menschlich bedeutsamen Inhalt undverlernte die Sprache, die zur Gesamtheit des Volkes spricht. Wieder andereAchter verstummten, wie überrascht vom Wandel der Dinge, und räumten densvorzugten Lieblingen der Menge, dem sentimentalen Romane und der alter-unielnden Erzählung in Versen, den Platz.

Da kamen mit dem wirtschaftlichen Niedergänge (Z 328) die allgemeine Un-M^redenheit und Verdrossenheit, die Förderer des Pessimismus. SchopenhauerA^ug die Geister in seinen Bann. Auch hatte das übermütige Treiben in den^ründerjahren in erschreckender Weise den Gegensatz zwischen reich und armeutlich fühlbar gemacht, für den bereits einige menschlich empfindende DichterVs Auslandes (Z 89, 90, 93), ihrem Volke die Augen geöffnet hatten. Von der Die soziaievzialen Frage wurde die heranwachsende Jugend um so tiefer ergriffen, als sie? w guten Teile gerade in ihren dichterisch beanlagten Mitgliedern das Elendstol " ^'^rbten" an sich selbst erfuhr. Trotz pessimistischer Anwandlungen voll)en Kraftbewußtseins und in ihrem Hochgefühl nicht angekränkelt von der

Der Pessi-rmismus