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Vierter Band.
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Neuntes Buch: Die Zeit der neuen Weltpolitik und Weltwirtschaft. 8 385-

lü. Aug.

26., 27. Nov.so. Nov.

6. Dez.

28.. SI. Dez.2. Jan. 1905

24. Uebe-ls. März

Tibet

I7.M»rz189ü

Nov. 1903

7. Aug. 1904

boote vermutete, beinahe einen sehr ernsten Zwiespalt mit England hervorgerufen, doch wurdedie Entscheidung über den eigenartigen Borfall einem Schiedsgericht in Paris zugewiesen- Dasallgemeine Interesse aber wandte sich den Kämpfen von Port Arthur zu: ein erneuterAusfall der russischen Flotte wurde wieder vereitett, nur einigen Schiffen gelang es, zu ent-fliehen, die später in Schanghai und Tsingtau entwaffnet wurden. Dagegen trieb Stössedie Angreifer in blutigen Gefechten aus den in der Nordfront genommenen Stellungenzurück. Als aber die Japaner den 203 Meter-Hügel eroberten, den Hohen Berg er-stürmten, die im Hafen liegenden Schiffe zerstörten und mit der Einnahme der FormErlungschan und Sungschuschan jede Hoffnung auf Rettung schwand, da entschlafsich Stoffel zur Kapitulation, die von Nogi unter ehrenvollen Bedingungen oen Ver-teidigern gewährt wurde. Auch die weiteren, von beiden Seiten mit der äußersten Ha""näckigkeit und Erbitterung geführten Kämpfe brachten den Russen keinen Sieg: sie mußtenimmer mehr zurückgehen und wurden Anfang März in der überaus blutigen, fünfzehn Tagrdauernden Schlacht bei Mulden so gewaltig geschlagen, daß dadurch vielleicht die ent-scheidende Wendung des Krieges gekommen sein dürste.

Mit diesen Schwierigkeiten Rußlands in dem Krieg gegen Japan stalltin mittelbarem Zusammenhang das Vorgehen Englands in Tibet-

In das geheimnisvolle Hochland von Jnnerasien waren bisher nur wenige Forsch"eingedrungen (8 369), doch wurde es der Schauplatz für den versteckten Kampf der beideneuropäischen Rivalen. Es bildete, wie Kitchener sich einmal ausdrückte, das Glacisseits der Festung Indien: England wünsche nicht, es zu besitzen, könne aber auch nicht zu-geben, daß es von einem Feinde besetzt werde. Seitdem die Abhängigkeit Tibets von Chu^im 18. Jahrhundert durch die Einsetzung eines chinesischen Statthalters endgültig gewordenwar <11, 8 394), versuchte der erste englische Generalgouverneur von Indien, Warren(ß 150), 1774 zwischen den beiden Ländern einen Handelsvertrag zu schaffen. Eine Gesandtschwunter Bohle gelangte bis zur Residenz Lhassa, ohne allerdings Zutritt in dieselbe zu erlange"'Eine andere, 1788 abgeschickte Gesandtschaft fand ebenfalls günstige Aufnahme, aber mit deBeseitigung der Selbständigkeit der Ostindischen Kompanie durch Pitts Jndia Bill und deRücktritt Hastings 1785 änderte sich dies gute Verhältnis. Als 1792 die Ghorkhas, d>Eroberer von Nepal, in Tibet eingebrochen und von den Chinesen in mehreren blutigeSchlachten zurückgetrieben waren, nahmen sie die englische Vermittlung in Anspruch. Dmaber wurde von dem chinesischen Oberbefehlshaber zurückgewiesen und jeder Verkehr ""Indien aufs strengste untersagt. Dieser Zustand der Absperrung Tibets blieb im ga"^bestehen; alle Versuche Englands, besonders nach der teilweise» Einverleibung von Sim1861, mit Tibet wieder Fühlung zu gewinnen, scheiterten an dem offenen und versteckWiderstände Chinas und der lamaistischen Hierarchie. Verhandlungen, die mit der Regiern"»in Peking seit 1876 gepflogen wurden, zu Handelszwecken einer englischen Expedition uswTibet Unterstützung zu gewähren, zogen sich bis 1888 hin. Als dann die Tibeterindische Seite der Himalajaabhänge, die ehemals zu Sikkim gehörten, nun aber im engwustBesitz waren, besetzten, gingen die Engländer mit Gewalt vor, vertrieben die tibetischen TrnPl"und verfolgten sie bis in den Distrikt von Chumli. Die Folge war ein in Kalkutta nistezeichnete! Vertrag, der das englische Protektorat über Sikkim anerkannte, die Frage des indn stibetischen Handels aber einer später zu ernennenden Kommission zur Erörterung übernne-

Zu Verhandlungen einer solchen Kommission kam es bis zum Jahre 190nicht, wo die Engländer die Besiegung Rußlands benutzten und den Ober!Hounghusband mit starker militärischer Begleitung nach Tibet sch^^

Er langte 1904 vor Lhassa an, nachdem er nur einmal, bei Gyangtse, auf nachdr"lichen Widerstand gestoßen war. Der Dalai Lama hatte aber Lhassa verlassen, um allenHandlungen aus dem Wege zu gehen. Anfang September wurde indes ein Vertrag m» ^Vertretern der tibetischen Regierung unterzeichnet, in dem wirtschaftlich wie politischwichtige Zugeständnisse gemacht wurden. Jatung, Gyangtse und Kotako sGartok) sollen znwbeschränkten Handel zwischen englischen und tibetischen Kaufleuten eröffnet werden und danur den Engländern die „Tür" offen stehen: die Tibeter sollten in drei Jahresraten ^Schadenersatzzahlung leisten und zur Durchführung aller Bestimmungen und Sicherstellung ^Zahlung von 10 Millionen Mark sollten englische Truppen drei Jahre lang das Chumlital b^ ^halten. Außerdem behielt sich England die Kontrolle über Tibet vor, indem ohnewilligung kein tibetisches Gebiet an eine fremde Macht verkauft, verpachtet oder berpf" ^werden sollte. Ob aber der Dalai Lama, der in der Mongolei weilt und hier nrussischem Einflüsse steht, diese Abmachungen halten wird, muß die Zukunft zeigen-