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Vierter Band.
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Drittes Kapitel: Die Moderne (Literatur Deutschlands, Kunst Europas). gol

chrem Eifer allzu leicht nur die Schattenseiten des Menschenlebens hervorkehrt. So wirdSudermanns Drama zumeist sozial, wie die Ehre mit dem wohlberechneten GegensatzeZwischen Vorder- und Hinterhaus, Sodoms Ende, die in fast alle Kultursprachen über-letzte Heimat, endlich Es lebe das Leben. Aber leidenschaftliche Parteinahme machtden Dichter nicht nur einseitig, sie bannt auch seinen Blick auf die bloße Erscheinung undmßt ihn nicht unter die Oberfläche hinab in das Wesen der Dinge eindringen. Dies sowiesem Behagen an äußerlichen Wirkungen tun der psychologischen Gründlichkeit seiner KunstUnd der inneren Notwendigkeit im Ablaufe der Ereignisse öfters Abbruch. Aus dem Kreisewcher eignen Strebensgenossen erfuhr Sudermann den Vorwurf, in naturalismuswidriger-Weise Anleihen bei der alten Kunst zu machen. Auch das bleibt bestehen, daß er gelegent-lich ZU bloßen Notbehelfen greift, wie wenn Graf Traft in der Ehre oder Professorgewann in Sodoms Ende das Sprachrohr und den Dolmetsch für des Dichters Ansichtenabgeben müssen. Weit schwerer wiegt indessen der Mangel eines kunstgerechten und wjrk-«chen Abschlusses in seinen Dramen. Tatsächlich fehlt ihnen in der Mehrzahl die über-zeugende Lösung der aufgeworfenen Frage, der mit innerer Notwendigkeit sich ergebendeSchluß. Gewaltsam macht der Dichter der Handlung ein Ende, das nicht befriedigt noch^hebt, wie u. a. im Glücke im Winkel. Es scheint, Sudermann hatte sich zu hohe Auf-Saben gestellt, die zu lösen ihm keine genügend gefestigte Weltanschauung zur Seite stand.

^rst mit Norituri beginnt darin ein Wandel; er bekundet sich weiterhin in dem trotz vielemWidersprüche großangelegten Johannes und führt zu einer reinen Gedankendichtung inen freilich mehr grüblerisch-unklaren als märchenhaften Drei Reiherfedern mit sym-vnschen Zügen, wie sie auch Johannisfeuer aufzeigt. In ungebrochener Eigen-IEchkeit gibt sich Sudermanns dichterische Persönlichkeit in den Erstlingen seineschaffens, den Erzählungen, unter denen Frau Sorge zeitlich und ästhetisch obenan undUoher als Der Katzensteg, Die Geschwister, Im Zwielicht und Es war steht. —

Er zweite Hauptvertreter des naturalistischen Dramas, Gerhart Hauptmann, wurde ^°°H.Haupt,?uso lärmend als Vater einer neuen Kunst gepriesen, wie er von anderer Seite leiden- gs?"i«SLAmtliche Ablehnung und die heftigsten Angriffe erfuhr. Freilich, des Widerwärtigen undostoßendeu bieten seine Bühnendichtungen übergenug, so gleich sein erstes, von Gleich-?^nnten stürmisch bejubeltes Stück Vor Sonnenaufgang, ein Nachtgemälde, in dems. die lichte Gestalt des reinen Mädchens verblaßt. Hier geht die Naturtreue in ihrermutigen Richtung auf Häßliches und. Grauenvolles bis an die äußersten Grenzen. Unddi* Ausgang zwingt zu der Frage: Wozu die Wiedergabe solcher Wirklichkeit? Erst

/O^Eihe der folgenden Dramen lehrte, daß der Dichter keineswegs nur als kühler Be-achter seinen Stoffen gegenübersteht, daß ihn vielmehr tiefes Mitleid mit Elend und NotUu: ' Menschheit Jammer unverblümt und mit rücksichtsloser Offenheit zu schildern,erschüttern. Bei allem, was durch oder ohne eigene Schuld unter unseligen Ver-^turssen leidet, ist sein Herz, so im Friedensfeste, in den Einsamen Menschen, denr Ebern, Hannele, Florian Geyer, Fuhrmann Henschel. Es genügt ihm, dieEngenden und erstickenden Zustünde dargelegt zu haben und die Menschen in unentrinn-bar Abhängigkeit von jenen zu zeigen. Hat so die Zustandschilderung ihre erschütterndebrache geredet, dann sieht der Dichter seine Aufgabe als erfüllt an. Dramatische Ent-rikelung kommt erst in zweiter Linie oder fehlt ganz und mit ihr der befreiende, mit Not-rudlgkeit aus der Handlung sich ergebende Schluß. Die naturalistische Technik hat^AAruann streng gehandhabt und rein ausgebildet, wie kaum ein anderer Dichter diesersze ^ber auch bei ihm verrät sich die Unzulänglichkeit ihrer Kunstmittel in denbebt? " Anweisungen, die schon in ihrer trockenen Peinlichkeit den Charakter des Not-unk E? wicht verleugnen. Nur das Milieu soll wirken in einer vorgezeichneten Richtung,

^ alles sinnlich Wahrnehmbare stellt der Dichter in den Dienst seiner Absicht, Stimmungh erZEugen und gebieterisch den Zuschauer in diese hineinzuzwingen. Auf alles dagegen,seines"!-^ alten Schule Idee hieß, verzichtet er, damit freilich zugleich auf VertiefungDtos 'f, und auf die Lösung des Problems. Wie der Zustandsmalerei kommt dieder ""t ihrer Fülle von Einzelzügen und kleinen Strichen auch der Lebenswahrheit

^ V.baraktere zustatten; die Diebeskomödie Der Biberpelz und die sich anschließende^gckomödie Der rote Hahn mit ihren gelungenen Gestalten sind hierfür beweiskräftig,scheit Versuche im höheren Stile, dem geschichtlichen Drama Florian Geyer,

Seben^d Hauptmann ganz, vielleicht weniger wegen einzelner Schwächen seines mit hin-gen Sorgfalt gearbeiteten Stückes als an der Verständnislosigkeit der Öffentlichkeit, dieHe- Achten des Dichters nicht zu folgen vermochte. Ähnliches Schicksal hatten Der armeTchalt^s die Phantastisch-reizvolle Versunkene Glocke, die trotz ihres hohen Ideell-es nur geteilter Aufnahme begegneten. Die Glocke erstand unter dem Einflüsse des Shmbolis-

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laldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. IV.

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