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Vierter Band.
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Neuntes Buch: Die Zeit der neuen Weltpolitik und Weltwirtschaft.

A M-

Scheerbart messe, mag als einer für viele Paul S ch eerbart , eigentlich Bruno Küfer, erwähnt werden.^ ' Lehrt doch sein jüngstes Werk Immer mutig! Ein phantastischer Nilpferdroman nu83 merkwürdigen Geschichten, schon durch den Titel und den Zusah: „Zehn Exemplare ausgegerbter Menschenhaut gedruckt zum Preise von 50 000 R.-M." mit widerlicher Deutlichkeit,was für Auswüchse die abgewirtschaftete Neuerungsucht am letzten Ende treibt. — Mitschw"Bierbaum daran trägt nachweislich Otto Julius Bier bäum, der übrigens Farben in reicher Aus-' Wahl auf seiner Palette hat. Ein geradezu verletzender Naturalismus waltet in seine"Studentenbeichten und dem Romane aus den unteren Künstlerschichten Stilpe nttWirklichkeit-treuen Bildern zeitgenössischer Dichter: dagegen ist in dem einen Teile sein^Lyrik gerade die lose Form der Stimmung förderlich, während das Liederbuch Nemt,Frouwe, disen Kranz sowie die Singspiele Lobetanz und Gugeline mittelalter-liche und volkstümliche Klänge anschlagen. Neben dem humoristischen RomanFreierssahrten und Freiersmeinungen des weiberfeindlichen HerrnPankrazius Graunzer tritt die Phantastik des chinesischen Märchens Das schbusMädchen von Pao. Endlich vermittelte er als Leiter des Pan und der Insel auchweiteren Kreisen die Bekanntschaft mit der neuen Richtung. — Eine Idee von ihm verwirk

v. Wolzogen lichte Ernst von Wolzogen mit dem überbrettl, das dem Varietetheater einen modern-

geb. I 8 LS künstlerischen Anstrich geben sollte. Die kurze Geschichte der vielerorten begründeten Bühnender Art hat freilich die Hoffnungen ihrer Urheber Lügen gestraft. Um die Form nicht ebenängstlich besorgt, weist von Wolzogen die Wirklichkeit in lebensvollen Bildern festzuhalten,so in dem von ausgelassenem Humor durchwehten Lustspiele aus dem literarischen Zigeuner-tum Berlins Das Lumpengesindel und unter zahlreichen Romanen am besten in denEntgleisten. — Bei aller Naturtreue meidet Wolzogen Anstöhiges und Hähliches, darinfeinfühliger als zwei moderne Dichterinnen, Maria Madeleine, eigentlich Maria vonvon Kahlen- Puttkamer, und Hans von Kahlen berg, eigentlich Helene von Monbart, die gleichgeb.°i87o Anna Croifsant-Rust über den grundsätzlichen Naturalismus nicht hinauskommen. —Croiffant- österreichischen Dramatikern haben Philipp Langmann mit Bartel Turaser und meistgeb^"i8«a noch Arthur Schnitzler Beifall geerntet. Auch schlüpfrigen Stoffen, wie in Anatol,

Langmann Liebelei und Freiwild, weiß dieser durch feine Behandlung und einen Anhauch von Ge-

geb. 18 W sühlschwärmerei eine künstlerische Wirkung zu sichern. — Darin bleiben seine Landsmänninnengeb"?8W Maria Jauitschek und Eugenik delle Grazie um ein Beträchtliches hinter ihm zurück'Janitschek Ihre Domäne ist die Schilderung unverhüllter Sinnlichkeit: ja, im Epos Robespierre hmhelle Grazie ihre unverkennbare Gestaltungskraft zu phantasiebefleckendcn AbschculichkeiÜ"geb. 1864° herabgewürdigt. — Sonst hat in der Ostmark Bahrs Symbolismus Schule gemacht, derSchaukal schon in Richard Schaukals Dichtungen, Meine Gürten u. a., alles, was Kraftgeb. 18,4 rmMMiges Leben heißt, zu bloßer Stimmung verflüchtigt, vollends aber die Neurotik^Dörmann nnd Sensationen von Felix Dörmann nur für geistesverwandte Feinschmecker genießgeb. 18 ,a ^chk. — Aiich die heimischen Symbolisten, neben Dauthendey und Alfred Monrberbesonders der Dichter des Jahres der Seele, des Teppichs des Lebens und derKArgs wieder von Traum und Tod, Stephan George aus Bingen, und Christian Marge"-Morgenstern st er n mit Ich und die Welt, In Phantas Schloß u. a. m. verzichten aus GemeM-geb. 1871 Verständlichkeit und sind Nttt allen erdenklichen Mittelchen nur auf neue Nervenreize u"Stimmungen für eine eingeweihte Künstlergemeinde bedacht. ^

Trotz seines geräuschvollen Auftretens wäre indessen der Naturalismus unserem D»fremd geblieben, Hütte er nicht die Bühne erobert. Denn all die Romane, Novellen ""Gedichte, selbst die gewissermaßen von der Schule beglaubigten Sammelbücher ließenweite Öffentlichkeit unberührt. Das lehrt schon ihre Kurzlebigkeit, hat sich aber auch "sleichter Mühe ersährungsmäßig feststellen lassen. Erst von der Bühne aus wurdeKenntnis der jüngstdeutschen Bestrebungen in die höchsten wie niedersten Schichten gesr"üund ein leidenschaftlicher Streit für oder wider entfacht. Zwei Männer traten bald inMittelpunkt der allgemeinen Beachtung und haben sich bis heute darin behauptet, Hers""Sudermann Sudermann und Gerhart Hauptmann. Sudermanns dramatische Eigenart wiegeb. 1857 sp^nMche Anlage sind heute allgemein bekannt und auch anerkannt. Mit aufmerksameBlicke beobachtet er die Wirklichkeit, in hohem Grade empfänglich für die Eindrücke,seine Wahrnehmung erhält und treu zu bewahren versteht; daher die Unmittelbarkeit ser ^ausführlichen, bis in die kleinsten Einzelheiten durchgeführten Zustandschilderung, in derMeister ist, und die anschauliche, wirtlichkeitstreue Wiedergabe des Milieu, die ^be" ^Vergegenwärtigung von Umständen und Verhältnissen, endlich die Glaubwürdigkeit §Wahrheit der meisten feiner Gestalten. Dazu kommt ein sehr feines Gefühl für alles, ^auf der Bühne wirksam ist, vor allem für die Kraft des Gegensatzes, und eine wuchtigesichtlichkeit, die verrottete und unwahre Verhältnisse nicht schonen will, freilich auch