810
RußlandAntokolsky1842-1902Troubetzkoygeb. 1860
Deutsch-
land
Realis-
mus
Feuerbach
1829—1880
V. Müller1829—1871
Hennoberg
1825-187«
G. Richter1828-1884
Neuntes Buch: Die Zeit der neuen Weltpolitik und Weltwirtschaft. 8 893.
unserer Brust, und „die großen Gewässer unter den Indianern und den Weißen" sucBuffalo. A. Phimister Proctor (Panther) und H. M. Shrady (Reiterloses Pferd) sindvorzügliche Tierbildner, und Bessie O. Pott er ist eine treffliche Vertreterin anmutigerKleinplastik (Tänzerin).
In Rußland verschafft Markus Antokolsky (Tod deS Sokrates, Iwan der Schreck-liche, Christus an der Säule) der realistischen Richtung schnelle und nachdrückliche Geltung.Unter den Modernsten verdienen vor allem die Arbeiten des Fürsten Paul Troubetzkoyhohe Anerkennung. Obwohl Sohn eines moskowitischen Edelmanns, ist er doch in Italien(Jntra) geboren und erzogen und hat stets in der Lombardei gelebt, so daß ihn die Italienerzu den ihrigen zählen. Er beherrscht mit gleicher Meisterschaft die Darstellung der Tier-gestalt wie die Schilderung des seelischen Ausdrucks im Menschenantlitz. Durch eine eigen-tümliche Behandlung der Oberfläche des weichen Tones, die im Bronzeguß getreu wieder-erscheint, erreicht er eine geradezu verblüffende Wiedergabe der Wirklichkeit (grazilstMädchengestalten in moderner Kleidung, Fräulein Erba, Gruppen junger Mütter, Kind undHund, Droschke im Schnee, Indianer, Büste Segantinis, Entwürfe von Denkmälern).
§ 399. Malerei. Die Reaktion gegen den farblosen Kartonstil derCorneliusschule (H 98) blieb nicht aus. Sie wurde vorbereitet durch die gärendeUnzufriedenheit, die durch die unerquicklichen politischen Zustände und reaktionärenTendenzen jener Tage im beständigen Wachsen begriffen war. Heines PariserSalonberichte fachten das Feuer in Künstlerkreisen an und lenkten die Blickeder Jüngeren nach der Seine, und als im Herbst des Jahres 1843 die Bilderzweier Belgier, Gallaits Abdankung Karls des Fünften und Biefves Kompromißder niederländischen Edlen (S. 224), auf deutschen Kunstausstellungen die Rundemachten, kam die Sehnsucht nach Licht undFarbezu vollem Durchbruch. D>?glänzende Technik und das leuchtende Kolorit der beiden Repräsentationsstückeweckten die Begeisterung für die französisch-belgische Kunst und lockten die deutsch?"Künstler nach Paris und Antwerpen, um sie wieder malen zu lehren. Die deutsch?Kunst aber hatte mit dem Idealismus und der Gelehrsamkeit der Verfallzeit unwider-ruflich gebrochen und lenkte mehr und mehr in realistische Bahnen. Freilich wurzemdas Neue nicht, wie in Literatur und Musik, auf heimischem, nationalesBoden; auf dem Felde der Malerei blieb Frankreich fortan die führende ME(S. 222 f.). Der erwachende Realismus — Wirklichkeitssinn — beschäftig^sich zunächst mit der Form, nicht mit der Farbe. Das Kolorit blieb bisEnde der achtziger Jahre im Banne der Vergangenheit. Die alten Italiener,namentlich die Venezianer, ebenso die Flamen und Holländer dienten als Lehr-meister ; ihre Werke wurden eifrig kopiert und konservierten den dunklen Galerü-ton auf der neuen Palette. Nur wenige, Wenzel, Pettenkofer und einige Vertreterder Landschaft, wie Schleich und Hildebrandt, ließen sich auch hierin vonNatur leiten.
An Tiefe, Ernst und Selbständigkeit überragt die gleichstrebenden Genossen Anst""Feuerbach aus Speher, Sohn des Archäologen Anseiln Feuerbach (der VatikansApoll, Geschichte der griechischen Plastik), der Vorläufer unserer modernen Idealist^1850 studierte er zu Antwerpen, 1851 in Paris bei Cvuture (S. 223). 1852 entsteht??Gemälde Hasis in der Schenke, 1853 der Tod des Pietro Aretino; 1855 geht er mit Bi"?Scheffel nach Venedig, später nach Florenz und Rom (Dante in Ravenna, 1857, MusizierenKinder, 1865, Idylle von Tivoli, 1869, Gastmahl des Platon, 1869, Jphigenie 1861, Mse"'Titanenkampf 1873—76, Selbstporträt, 1873, das Konzert). Er schrieb „Ein Vermächtnisdas nach seinem in Venedig erfolgten Tode von seiner Stiefmutter, Henriette F-, ergänzund umgestaltet worden ist. Auch Viktor Müller aus Frankfurt a. M. vertauschte die Awerpner Akademie mit dem Atelier Coutures und wurde in Paris während seines neujährigen Aufenthaltes zum Bewunderer von Delacroix (Waldnymphe, Faust mit Wagn 'Hamlet, Ophelia, Romeo und Julia). Rudolf Henneberg malt 1851 bei Couture,^sin Rom, dann in Neapel und Florenz, behandelt aber deutsch-romantische Stoffe (der wilde 3g? 'der Verbrecher aus verlorener Ehre, 1860, die Jagd nach dem Glück, 1868, Wandgcing .in der Warschauerschen Villa in Charlottenburg, 1872). Gustav Richter wird t -Schüler von Cogniet (S. 223), geht 1847 nach Rom, 1861 nach Ägypten und 1873 nder Krim (Jairi Töchterlein, 1856, Nationalgalerie in Berlin, Odaliske, Fischerknabe, Zigeuner 'Bildnisse: Fürstin von Korolath-Beuthcn, 1892, Königin Luise, 1879, eigentlich Jdealbildni-