8 399. Drittes Kapitel'. Die Moderne (Literatur Deutschlands, Kunst Europas). ZZg
Mann der Schmerzen, Petrus und Johannes eilen zum Grabe des Herrn, Einladung zumFest (Ev. Matth. 22); außerdem: Die letzten Jahre Ludwigs des Vierzehnten, Flucht Karlsdes Kühnen nach der Schlacht bei Murten; Bildnisse.
Der Einfluß des französischen Realismus zeigt sich in den Werken des Belgiers Charlesde Groux, der mit unerbittlicher Wahrheitsliebe das Elend und Unglück der Dachstuben,Keller und Kneipen malte (Am Totenbett, Tischgebet), und in den unerquicklichen religiösenMalereien von Charles Verlat. Alfred Stevens, der anfangs die Hefe der Gesellschaftschilderte, geht in Paris zur Salonmalerei über, ohne indes den Flamländer ganz zu ver-leugnen. Emile Wauters, der mit trefflichen Historien- und Orientbildern beginnt(Maria von Burgund, Irrsinn des Malers Hugo van der Goes, Kairo und die Ufer desNils) erzielt später im Bildnis (Mme. Somzee, Generalleutnant Goffinet) seine größten Er-folge. Der Landschafter Edmond de Schamphelecr malt die belgische Ebene mit ihrenFeldern und Wiesen, Kanülen und Windmühlen unter grauem Regenhimmel; FrancoisLamoriniöre liebt die Wälder, die er gefällig, aber mit allzu kleinlicher Sorgfalt schildert.3n Tervueren bei Brüssel, wie Corot in Barbizon, malt Hippolyte Bonlenger duftige,harmonisch gestimmte Wald- und Heidebilder und geht dabei unermüdlich dem Geheimnisder Licht- und Luftwirkung nach (Ansicht von Bastiöre). Auf seine Anregung bildete sich1868 eine Künstlervereinigung (Societe libre des Beaux-Arts), der die besten Talente sichanschlössen, und unter deren Ehrenmitgliedern sich Corot, Millet und Courbet befanden.Francois Courtens schildert auf großen Leinwandflächen in kühner, impressionistischerMalweise die Herbstlandschaft und die mondbeglänzte See, die Heide und das Hyazinthenfeld(Pinakothek). Der Hellmaler Frans v. Leemputten schildert das Landleben seiner Heimatmit eminenter Schärfe der Beobachtung (Palmsonntag, Museum in Brüssel). AlfredVerwce malt grasende Ochsen (1863) und schwer im Joch gehende Rinder, Marie^ollaert weidende Kühe in heiterer Landschaft. Struys geht in der Armeleute-Malereissuf, und der Plastiker Meunier (S. 808) schildert das Leben der Grubenarbeiter mitÜberzeugender Schlichtheit. Aelbert de Vriendt schafft ernst und ruhig stilisierte Historien-bilder und schmückt die Rathäuser von Furnes und Brügge sowie die Antwerpener Christus-k^che mit monumentalen Wandbildern. Über Fernand Khnopff S. 808.
Mit Domenico Morelli (Soliero), einem heißblütigen Neapolitaner, beginnt dieitalienische Malerei mit der Tradition zu brechen; in seinen licht- und farbenfreudigen Ge-mälden spiegelt sich das Temperament des Südländers: 1855 die Jkonoklasten, 1857 Tasso,1858 Saul und David, die Madonna, Verspottung Christi, Himmelfahrt, Kreuzabnahme,me Marien am Grabe, Jairi Töchterlein, 8alvs LcZinn, Magdalena dem Auferstandenensegnend, Versuchung des heiligen Antonius. Noch weiter, bis zur schillernden Buntheit,geht der spanische Maler und Radierer Mariano Fortuny y Carbo, meist in Rom, aufen Goya und Meissonier wirken, in seinen farbensprührnden, prickelnden Orientbildern: Höch-st ^ ^ Vicaria in Madrid, Schlangenbeschwörer, Prüfung des Modells, Theaterprobe,^(endendes Licht und üppige Farbenpracht durchfluten die Gemälde seines talentvollenSchülers Paolo Michetti: Corpus domini-Prozession in Chieti, Frühling und Amoretten,Fest der Kinder in Neapel, Kirchgang. Das ernste, heitere und komische Genre zeigt sichM tausend bunten Landschaften und Bolksszenen. Antonio Rottas venezianische Flickschusterund Netzeflicker, des Veronesers Angelo dall' Oca Bianca graziöse Osterienbilder,Titos Wäscherinnen, Luigi Nonos RotnZiuni psccntorum, des Mailänderstdolfo Ferraguti Arbeiter auf dem Rübenfeld, sowie seine Zeichnungen zu De Amicis'uork, die Bilder der Florentiner Federigo Andreotti, Tito Contis und FrancescoEricas galante Kavaliere und zierliche Edeldamen, Augusts Corellis hübsche Müdchen-opfe liefern Typen, die auch in Druck und Photographie überall gekannt sind. Fast" . gehen mehr oder weniger auf Geröme, Meissonier und Fortuny zurück, bleiben abermit hinter ihren Vorbildern; nur einer kommt ihm nahe, der Venetianer Giacomo Fav-etto, dessen geistreiche, farbenglühende Bilder die Zeiten Goldonis wieder heraufbeschwören:us der Piazzetta, eine Begegnung, Susanna, Banco lotto, Gemüsehändler, Markt auf^ Nialto, Fähre bei S. Margherita. Der Historienmaler Cesare Maccari aus Siena; Fresken in der königlichen Kapelle del Sudario und den Triumph der Grazien,
s^umnal, ebenfalls al krsoco; später wendet er sich dem Realismus Fortunys zu. AlsPorträtmaler steht der geistvolle und pikante Giovanni Boldini, der in allen Maltechniken^ Hause ist, obenan (Bildnis von Verdi). Der Impressionist Giuseppe de Nittis ausartetta, Schüler von GörSme und Meissonier, variierte das Thema; statt des Bauers undStarters schildert er die elegante Welt bei Pariser Rennen und auf der Place de lancvtte in zitternder, grauer Atmosphäre. Über Giovanni Segantini s. S. 823.
Die spanische Malerei steht unter dem Scepter des Koloristen Fortuny. Ihm folgen
Belgiende Grour1825-1878
Verlat1824—1800A. Stevensgeb. 1828Wautersgeb. 1848
de Schain-
pheleer1824—1899Lamoriniers1828—IS01Boulenger1888—1874
Lourtsnsgeb. 1858v. Leem-puttengeb. 1850Verwesgeb. 1838Collaertgeb. 1842Struysgeb. 1852Meunier1881—1905de Vriendt1848-1900ItalienD. Morelli1826—1901
Fortuny
1888-1874
Michettigeb. 1852
Rottngeb. 1828ball' OcaBiancageb. 1858Tito
geb. 1859Ferragutigeb. 1850Andreottigeb. 1847Contigeb. 1847Vineageb. 1846Torelligeb. 1855Favrstto1849-1887Maccarigeb. 1840Boldintgeb. 1844de Nittisgeb. 1846
Spanien