Band 
Erster Band.
Seite
14
JPEG-Download
 

14

Allgemeines.

5 .

Viehzucht Natürlich war der Ertrag um so größer und sicherer, als sich das Interesseund die Arbeit des Viehzüchters steigert. Und so ging er denn vom bloßenHalten der Haustiere zur bewußten Aufzucht und zur bestmöglichen Erhaltungseines Viehbestandes vor, d. h. aus dem Verzehrer entwickelte sich mehr undmehr der Produzent.

Ackerbau Den entscheidenden Schritt aber in der Änderung der Wirtschaftsformenthat der neolithische Mensch, als er neben dem Anbau der für sein Vieh not-wendigen Futterkräuter dazu überging, Getreide für sich und seine -Familiezu erbauen, und den Nährwert pflanzlicher Stoffe neben die bis dahin alleinübliche Fleischkost zu setzen. Diesen wichtigen Schritt haben, so weit unsereKunde reicht, alle Kulturvölker der alten Welt lange vor der Zeit gethan, inder man von einer eigentlichen Geschichte sprechen kann. Mit diesem Übergangvollzog sich gleichzeitig der engere Zusammenschluß der Menschen zu größerenwirtschaftlichen Ganzen. Da die Familie nicht mehr allein ihre Bedürfnissebesorgen und ihre Habe schützen konnte, hatten sich schon bei den Viehzüchtern dieeinzelnen Sippen zu gemeinsamer Arbeit zusammengethan. Nunmehr schloffensich die gesamten Sippen zu einer größeren Einheit zusammen (Völkerschaft),innerhalb deren der Austausch der Güter sich vollzog und der einzelnevon der Produktion seines Volkes abhängig wurde. Der Ackerbau, der nun-mehr die wichtigste Wirtschaftsform ward und in der Hauptsache auch gebliebenist, hat sich von einfachen, bei allen Völkern in ihrer Kindheit fast gleichenFormen weiter bis zur feinsten und sorgfältigsten Spezialisierung und Anpassungan die gegebenen Bodenverhältnisse entwickelt.

Die erste Folge, die der Futter- und Körnerbau nach sich zog, war dieErgänzung der für diese Beschäftigung, die zugleich auch die Seßhaftigkeit derKultur herbeiführte, notwendigen Werkzeuge. Der Viehzüchter hatte als Wohnungbisher nur sein Zelt gehabt, der Ackerbauer errichtete sich das Haus ausHolz und Stein und schon aus diesem Fortschritt allein erklärt sich das Aus-Handwerk treten des Handwerks. Je mehr sich der Ackerbau ausbreitete, desto mehrWerkzeuge, nach Art und Form verschieden, machten sich für die Menschen nötig.Die Hausarbeit allein that es nicht mehr und es bildeten sich Leute (Hand-werker) aus, die zunächst selbst die Werkzeuge machten und dann an die derenBedürfenden brachten, späterhin aber solche Werkzeuge und andere für dieKonsumenten wichtige Dinge anfertigen ließen und allein den Vertrieb für sichin Änspruch nahmen.

Handel So entwickelte sich der Handel. Er war naturgemäß im Anfang nurauf den Austausch zwischen wenigen Menschen beschränkt und bezog sich aufwenige Objekte, da die Bedürfnisse nicht groß und zahlreich waren- Bei derfortdauernden Verfeinerung und Spezialisierung einerseits und den sich steigern-Großhandel den Bedürfnissen andererseits hob sich der Handel immer mehr. Großhändlertraten neben den Kleinhändler und versorgten diesen mit den ihm notwendigenProdukten, schoben sich also als ein neues Glied zwischen den Produzenten undWelthandel den Konsumenten ein, bis schließlich ein Austausch der Waren auf der ganzenErde herbeigeführt ward und der Gipfel der Entwicklung in dem heutigenWelthandel liegt. Mit dem letzteren hängt auch der Übergang der Menschenzur Weltwirtschaft zusammen, bei der der einzelne nicht mehr von der Nation,sondern von der Weltproduktion und dem Weltpreis abhängt.

Die Formen, in denen sich der Handel entwickelt hat, sind folgendegewesen:

Die ursprünglichste Form war der Tauschhandel, wie er noch heute bei den meistenWilden gebräuchlich ist. Einen Wertmesser, der für alle Menschen gleiche Geltung gehabthätte, kannte man noch nicht; auf freier Übereinkunft, die nur von Fall zu Fall Geltunghatte, beruhte der Umsatz der Güter.

Mit der Zeit begnügte man sich nicht mehr, Naturprodukte gegeneinander aus-zutauschen. Mit dem Eintritt der Menschen in die Mehzüchterperiode und in die seßhafte

Handels-

formen

a^Taufch-