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Erstes Buch: Die rnorgenländischen Völker.
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Orien-
gegenüber der reichen Gliederung des Westlandes, die die Völker mehrindividualisierte, und eine Zersplitterung in kleinere Staatsgebilde be-günstigte. — In drei Richtungen Pflegt sich die Entwicklung eines jedenVolkes zu bewegen, in dem Verhältnis zur Gottheit, zu der Gemeinschaftdes Volkes und zu der Gemeinschaft der Familie (Religion, Staats- undPrivatleben), und in allen dreien haben die Orientalen eigentümlicheFormen zum Ausdruck gebracht.
tausche über das Verhältnis der Menschen zum Schöpfer haben die morgen-Reiigion ländischen Völker am tiefsten und eifrigsten nachgedacht und sind zu Resultatengelaugt, über die keine andere Nation hinausgekommen ist. Der Orient istdie Wiege aller Religionssysteme, vom vielgestaltigen Polytheismus undphilosophischen Pantheismus bis zum strengsten, aus uralten Tradi-tionen oder auf Offenbarung beruhenden Monotheismus. Der Kernder beiden ersteren Richtungen war der Sonnen- und Sterndienst undder Mysterienreiche Natur kultus. Da das Unwesen oder die Urkraft, vonder die Schöpfung ausgegangen ist und das Weltall in seinem geordnetenLaufe erhalten wird, dem denkenden Geiste unerfaßlich ist, so sah man sich nachSymbolen um, unter denen sich diese Urkraft darstellt, und verfiel daher teils auf dieLicht und Leben spendende Sonne mit den himmlischen Gestirnen, teils auf die imInnern der Natur geheimnisvoll waltenden Kräfte. Aber trotz dieser ursprünglichenÄhnlichkeit gestalteten sich, bei der Unbestimmtheit derUrbegriffe, die polytheistischenund pantheistischen Religionsformen in allen Ländern verschieden, und da die Massedes Volkes die sinnlichen Erscheinungen nicht unter einem Gesamtbegriffe zu-sammenzufassen vermochte, so mußte bei der Mannigfaltigkeit des Natur- undMenschenlebens die Zahl der übernatürlichen Kräfte und Mächte, die dann alsindividuelle Wesen gedacht und verehrt wurden, ins Unendliche zunehmen. Einso mannigfach durchgebildetes Religionswesen erforderte einen an Zeremonienund Symbolen reichen Kultus und einen zahlreichen Priest er st and alsTräger und Deuter der in der Vielgestaltigkeit liegenden Einheit und des unterdem Symbol versinnbildlichten Begriffs, und beides sehen wir im Orient zurVollkommenheit ausgebildet. Mannigfache religiöse Gebräuche, die mit demNatur- und Menschenleben in allen seinen Erscheinungen und Abwechselungenin Beziehung stehen, beherrschen die orientalischen Kulte, nicht ohne zu einergewissen Einförmigkeit zu erstarren, und mit einer Neigung, die Form als dasWesentliche an die Stelle des Inhalts zu setzen. Daneben finden wir überalleinen durch den Besitz höherer Weisheit mächtigen Priesterstand, der, wenn erauch die weltliche Herrschaft an die waffengeübten Kriegergeschlechter und derenkönigliches Oberhaupt abgeben oder mit ihnen teilen mußte, doch stets einengroßen Einfluß im Staats- und Volksleben zu bewahren verstand. Der Hangzu religiösen Betrachtungen und der Glaube, daß man sich durch Büßungenund Selbstpeinigung (Kasteiung) der Gottheit nähere, gab dem im Orientwurzelnden Leben und Wesen der Einsiedler (Anach oreten) seine Entstehung.Daneben steht der religiöse Fanatismus, der in seinem Wahnsinn zu denschrecklichsten Verstümmelungen und Selbstpeinigungen führte (Kybeledienst,orientalische Fakirs) und seine Nachklänge in den islamitischen Derwischen undchristlichen Märtyrern gefunden hat. — Der Handel, der Haupthebel derCivilisation, stand im Morgenlande im innigsten Bunde mit Religion undPriestertum, da berühmte Tempel und Orakelstätten mit religiösen Festenals Standorte der Karawanenzüge, als Markt- und Stapelplätze der Waren, alsVersammlungsorte der Kaufleute zum Abschluß von Handelsgeschäften dienten.Esche Die Regierungssormen des Orients lassen sich aus drei Haupt-Regierungs- gattungen zurückführen, auf das bei den Nomaden heimische patriarcha-ormen Regiment der Stammeshäupter, auf die aristokratisch -
hierarchische Herrschaft bevorzugter Stände in den Kastenstaaten und aus