bis 29502950-2205
Dynastie
Hja
Tschou
SSI—479
Tsin
2g Erstes Buch: Die morgeuländischen Völker. 8 85.
gewesen wären. Die Knechtschaft hing wie Bleigewicht an allen Lebens-äußerungen des Morgenländers. Nur die Phönizier zeigten, wenigstens aufdem Gebiete der Handelsthätigkeit und der Schiffahrtskunde, schöpferischen Sinn,wenn sie auch an staatenbildender Kraft hinter den Hellenen weit zurückblieben.
Erstes Kapitel.
Die Chinesen.
8 8. Geschichte Chinas. Der Name China war ursprünglich nurfür Südchina gebräuchlich und findet sich in diesem Sinne in griechischenund arabischen Quellen; für den Norden kannte das Altertum den NamenSerica (Z 6) und das Mittelalter Khitai (so noch heute in Rußland)./Erst spät ist China für das ganze Land gesagt worden. Seine Bewohner,die Chinesen, sind zwar ihrer Natur nach wenig geeignet, in das ge-schichtliche Leben einzuführen, weil sie vermöge ihrer Jahrtausende langstagnierenden Bildung und ihrer Abgeschlossenheit nur wenig Anteil ander Weltgeschichte gehabt haben, aber sie gehören zu den ältesten Kultur-völkern oder sind das älteste.
Die Geschichte Chinas, des „Reiches der Mitte" (so genannt, weil esals in der Mitte des Erdkreises liegend angesehen wurde oder weil esdas vornehmste sei), reicht nach der einheimischen Tradition, in der dieThatsachen freilich oft ruhmredig entstellt sind, bis ins 4. Jahr-tausend v. Chr. hinauf. Drei mythischen Kaisern folgten fünf halbmythischeWahlkaiser mit überlanger Regierungsdauer, von denen besonders Fu-Hi,der Ordner von Ehe und Staat, Schin-nung, der göttliche Lehrer desAckerbaus, und Herang-ti, der Erfinder der Zeitkreise, der Waffen, Münzenund Gewichte, in ähnlicher Weise wie Romulus und Numa Pompiliusbei den Römern, als sagenhafte Gründer verschiedener Seiten des öffent-lichen Lebens erscheinen. In die Regierung des Kaisers Jao (2356—2254),der Kanäle erbauen ließ, die Rechtspflege hob und den Kalender ver-besserte, wird eine große Überschwemmung (Sintflut) gesetzt. Die historischeZeit beginnt mit der Dynastie Hja (2205—1766),deren Stifter Aü derGroße zuerst eine die Kleinfürsten wirklich überragende Erbmonarchiegründete, das Reich in neun Provinzen teilte und Karten davon in eherneGesäße graben ließ. Unter der zweiten Dynastie Schang (1766—1121)wurden die Lehnssürsten allmählich immer mächtiger; die Dynastie ver-suchte vergeblich, dem zu widerstehen, als ihr letzter Herrscher wegenseiner Greuelthaten gestürzt wurde, verbrannte er sich wie Sardanapal(8 22) mit seinem Palaste. Die dritte Dynastie Tschou (1121—249)wurde von Wu-Wang, einem Lehnssürsten, begründet, der in Schantunggut regiert hatte. Unter ihr erhielten die Lehnsfürstentümer ihre volleAusbildung und wurden zu säst ganz selbständigen Staaten. DieVasallen empörten sich gegen den Kaiser und befehdeten sich oft unter-einander, dazu kamen Einfälle der Mongolen; vergebens suchte Kung-fu-tse(Consucius), dessen Leben wie das des zweiten großen chinesischenDenkers Lao-tse (8 9) in diese Zeit fällt, im Sinne der Reichseinheit zuwirken und die Zustände durch Zurückgreifen auf die alten guten Sittenzu bessern. Erst der vierten Dynastie Tsin (249—206) gelang es, dieLehnsfürstentümer zu unterwerfen; es war das Werk des energischen