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Erster Band.
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Zweites Kapitel: Die Inder.

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daraus erklärt es sich auch, daß trotz der gewaltigen Ländermüsse, die dieInder beherrschten, von einer eigentlichen Geschichte Indiens kaum die Redeist, da das Volk ganz und gar in theologischen Spekulationen stecken blieb.

Einen Rückschlag gegen diese spiritualistische Theologie, die schließlich aus ^'Ka-nnen gewissen Pantheismus hinauslies, stellte die Sankhyalehre dar,eine Philosophie, die von einem gewissen Kapila begründet ward. Sie setztedem Pantheismus kühn den Materialismus entgegen und behauptete dieEwigkeit der Materie und die Wirklichkeit des Individuums, vermochte aberdas rechte Verhältnis zwischen Geist und Stoff, Gott und Welt nicht zufinden und lenkte schließlich zu der Grundansicht der Inder zurück, daß dieVerbindung von Geist und Stoff nur scheinbar sei, und daß dem Geisteschließlich die Herrschaft über das Reich des Stoffes zufalle. Die Spekulationder Bramahnen erreichte endlich eine Höhe, die allem wirklichen und praktischenLeben den Untergang drohte, als Buddha, der „Erweckte", ein Königssohn ^Äama)aus Kapilavastu an den Vorhöhen des Himalaya, der Stifter einer neuen 1548 v Chr.Lehre wurde, die bald die größte Verbreitung fand und mächtig auf dieAnsichten des Orients einwirkte. Buddha vernichtete mit einem gewaltigenSchlage das brahmanische Weltsystem, indem er den ganzen Götterhimmel mitBrahma leugnete, den Veden ihre heiligende Kraft absprach, an die Stelle dergrausamen Askese, der Opfer und Regierungsgesetze eine Sittenlehre desWohlwollens, der Barmherzigkeit und der Menschenliebe gegen alle Geschöpfeempfahl und die Kastenordnung durch die Lehre von der Gleichheit allerMenschen durchbrach. Aber in den indischen Gedankenkreis gebannt, sah aucher nur in einem Ertöten aller Leidenschaften und Begierden, in einem thaten-losen Leben voll passiver Tugenden das Ziel des Erdendaseins. Buddhaentsagte seinem hohen Stande und zog sich, in ein Bettlergewand gehüllt, indie Waldeinsamkeit zurück, wo er unter den härtesten Büßungen undKasteiungen nach der ewigen Wahrheit forschte. Als ihm endlich die Er-leuchtung kam, trat er als Lehrer und Religionsstister aus; aber er lebte nichtwie die Brahmanenweisen in der Einsamkeit und Wüste, sondern zog, voneinigen Schülern begleitet, im Gangeslande umher und verkündete seine Lehrevom Weltschmerz und von dessen Heilung. Er wandte sich nicht an die höherenStände wie die Brahmanen, sondern an alles Volk ohne Unterschied, an die„Zweimalgeborenen", wie an die Sudra und Tschandala; er lehrte „ein Gesetzder Gnade für alle" und zog dadurch die Niedrigen und Gedrückten, die durchihn Erlösung von den Banden des Kastenzwangs und der Geburt erwarteten,mächtig an sich. Die Lehre von der Gleichheit aller Menschen, die Verheißungeiner ewigen Ruhe, eines endlichen Ausgehen» und Verwehens im Nirwana,durch ein Leben voll Tugend und Menschenliebe und die Befreiung von denPhantastischen Systemen und der Werkheiligkeit der hochmütigen Brahmanenmachte einen gewaltigen Eindruck.

Nach Buddhas religionsphilosophischer Lehre entstanden aus dem Leeren, dem Nir- Buddhaswana, d. i. dem alles aus sich gebärenden und wieder in sich aufnehmenden ewigen ^Raume, die Welten, und zwar in zahlloser Menge nebeneinander. Dieser ewige Kreislaufzwischen Entstehen und Vergehen heißt Sansära und ist das eigentliche Grundübel. Allesist eitel und muß darum untergehn. Diese Erkenntnis ist der Anfang aller Weisheit, diedaher mit einem tiefen Wehmutsgefühl, dem „Weltschmerz", beginnt. Der Buddhismuskennt keinen Wettschöpfer und keine ewige Materie, sondern nur eine anfangsloseWeltumwälzung, deren Grund das Schicksal ist, d. h. das Produkt des Verdienstes undder Schuld des beseelten Geschöpfes in seinen früheren Existenzen. Diese kosmogonischeLehre wandte Buddha auch aus den einzelnen Menschen an. Seine Lehre war, „daß dieSchicksale dieses Lebens durch Thaten des früheren bedingt und fest geregelt seien, daß keineböse That ohne Strafe, wie keine gute ohne Lohn bleibe. Diesem Fatum, das den Menscheninnerhalb des Kreises der Seelenwanderung beherrscht, kann sich dieser nur dadurch ent-ziehen , daß er seinen Willen eben auf den einzigen Gedanken der Befreiung aus diesemKreisläufe richtet, dieser Richtung treu bleibt und mit beharrlichem Eifer bloß verdienstlichen