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Erster Band.
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Erstes Buch: Die morgenländischen Völker.

§ 17.

8 17. Indische Geschichte nach Buddhas Tode. Eingreifen derGriechen und späteres Kulturleben. Zu einer einheitlichen Zusammen-fassung ihrer gesamten Nation haben es die Inder nie gebracht. IhrStaatsleben bestand darin, daß sich ein loses Gemisch von einzelnenFürstentümern bildete, die untereinander in ewiger Fehde lebten und sichängstlich voneinander abschlössen. Das wichtigste unter ihnen war dasMagadha Reich Magadha, das schon frühzeitig gegründet ward, sich über dasv*.'ChrO gesamte Gangesthal erstreckte und dessen Hauptstadt Palibothra wurde.Es konnte nicht ausbleiben, daß die vorderasiatischen Großreiche mit denIndern zusammenstießen. Doch haben weder die Perser noch die Make-donier ihre Macht weiter als bis in die Jndusgegenden erstreckt (H 139).Alexanders Gedanke, ein Weltreich auf der Grundlage des Hellenismuszu gründen, ging infolge des Aufstandes seiner Truppen nicht in Er-füllung, und Alexanders Nachfolger vermochten den großen Plan nichtauszuführen; sie verstanden nicht einmal, das gewonnene Jndusthalfestzuhalten (8 142). Ein eingeborener Held Sandrako ttos (Tschan-^Chr? dragupta) befreite sein Vaterland, machte sich zum Herrn des Jndusthalesund verjagte die Makedonen. Dann faßte er den Entschluß, Magadhazu bekriegen, nahm das Land und seine Hauptstadt und wurde schließlichzum gewaltigen Herrscher des gesamten Vorderindiens von der Mündung260 -As des Indus bis zu der des Ganges. Sein Enkel war Axoka, der sichnach vielen grausamen Thaten zum Buddhismus bekehrte. Er herrschtelange als ein großer und Weiser Fürst, und seine auf Steinen aufgezeichnetenEdikte legen für ihn ein glänzendes Zeugnis ab. Nach Axoka hören währenddes Altertums alle weiteren Berührungen mit dem Abendlande auf.

^Griechen^ Als durch Alexanders des Großen Feldzug Indien der vorderasiatischen

und griechischen Kulturwelt näher rückte, war das indische Leben bereits zuseinem Abschluß gekommen, die schöpferische Thätigkeit erloschen. Der grübelndeGeist hatte eine Fülle von Systemen geschaffen und ins Leben eingeführt;nun ruhte er ermüdet aus und überließ den Nachkommen die wunderbarenGebilde als feste Formen für das innere und äußere Dasein. Zwar erfuhrendie religiösen Anschauungen im Lause der Jahre noch manche Änderungen;zwar wurden unter dem Einfluß des griechischen Geistes Wissenschaften undKünste bedeutend gefördert; zwar nahm Indien durch die Verbindung mit denKulturstaaten der alexandrinischen Zeit in Handel, Verkehr und Gewerbfleißeinen großartigen Aufschwung: aber die produktive Kraft war erschöpft, dieGrundformen des Lebens blieben unverändert bestehen. Es trat jener geistigeStillstand ein, der sich in allen orientalischen Reichen früher oder später kundgiebt, der Fluch des Despotismus und Kastenzwangs. Was in der Litteraturund Philosophie neu erzeugt ward, waren nur Erweiterungen der alten Grund-gedanken. Die Glaubens- und Kultusformen gingen immer weiter auseinander,die Sektenspaltungen mehrten sich ebenso, wie die Kastensonderungen, und dieVielgötterei stieg auf eine solche Höhe bunter Mannigfaltigkeit, daß die ur-sprüngliche Einheit der Brahmawelt ganz verloren ging.

Wissenichast Diesen Zeiten der Sektenspaltungen gehören die Puränas an, theologische undphilosophische Belehrungen, rituelle und asketische Vorschriften und Legenden, die in ihrerjetzigen Gestalt kaum über das 11. oder 12. Jahrhundert unserer Zeitrechnung Hinausreichen,aber wohl aus älteren Schriften entlehnt worden sind. Dagegen wurden einzelne Wissen-schaften eifrig gepflegt und gefördert. Die Grammatik erlangte frühzeitig eine hoheAusbildung und wurde Hauptgegenstand des brahmanischen Unterrichts- Ihr wichtigsterca. soo Vertreter war P änini, der seine Lehren in ganz kurzen Formeln niederlegte. Die Astro-nomie kam unter dem Einfluß der Chaldäer und Griechen, die wahrscheinlich die Kenntnisdes Tierkreises nach Indien brachten, zu großer Blüte; die Heilkunde wurde Gegenstand