Band 
Erster Band.
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Zweites Buch: Griechische Geschichte.

8 59.

der Menschen zum Ziel (Tyche) und wachen, daß das göttliche Gleichmaß nicht überschrittenwerde (Nemesis); andere umgeben die oberen Götter als allegorische Begriffswesen oderhilfreiche Diener, wie die geflügelte Göttin des Siegs (Nike), die Göttin der blühendenJugend (Hebe) u. a. Auch Sonne und Mond, sowie einige hellleuchtende Gestirne (Orion,Sirius, die Plejaden u. a.) wurden als persönliche Lichtwesen in den Kreis des Kultusgezogen und mit den durch das wechselnde Naturleben bedingten Beschäftigungen derMenschen, der Schiffahrt, der Jagd, dem Feldbau in Beziehung gesetzt, doch hat der semitischeSterndienst (H 24) mit seinem astrologischen Wunderglauben im hellenischen Lande niemalsWurzel geschlagen.

1. Zeus 8 60. Die olympischen Götter. Im Reiche der olympischen Götter ist Zeus (in

dem römisch-griechischen Vorstelluugskreis Jupiter) Herr und König. Er ist der Haupt-gott der Hellenen, dessen Kultus sich von Dodona inEpirus, wo sich ein altehrwürdigesZeusorakel befand, zunächst nach Thessalien und von da über ganz Griechenland ver-breitete. Seinem ursprünglichen Wesen nach ist Zeus der Lenker des Himmels und deroberen Luftregion (Äther), durch deren Bewegung er Tage, Jahre und Jahreszeiten schafft,Winde erregt und Regen, Schnee und Sonnenschein sendet. Darum ist er auch Vater derHören, die vermöge dieser Abstammung den Umschwung des Jahres und den Wechsel derJahreszeiten vorstellen, während sie als Töchter der Themis (Dike, Eunomia, Eirene) dengeordneten Zustand des Menschenlebens repräsentieren. Zeus ist Patriarch und wahrt dieRechte unter den Menschen; er ist Beschützer der Haus- und Familienrechte, der Freund-schaft, des Gastrechts, des Völker- und Staatsrechts, er setzt die Könige ein, hört die Eide an,bestraft den Meineid und segnet und mehrt das Besitztum. Obwohl dem ewig waltendenSchicksale unterworfen und den unabänderlichen Naturgesetzen sich fügend, ist er doch Herrscherund Regierer der Welt und der Quell aller die Zukunft enthüllenden Weissagung. Ihm zuEhren wurde in Olympia aller vier Jahre das größte griechische Nationalfest gefeiert G 71). —

2. Hera Zeus' Gattin und Schwester ist die vorzugsweise in Argos und auf Samos verehrte

„großäugige" Göttin Hera (in der römisch-griechischen Zeit Juno), die weibliche Gottheitdes Himmels. Als Schätzerin der Ehen bestraft sie streng jede Verletzung dieser heiligenEinrichtung und wird deshalb als eifersüchtige Gefährtin ihres in viele Liebesverhältnisseverflochtenen Eheherrn dargestellt. Sie verfolgt alle Geliebten ihres Gatten, namentlichihre von Zeus in eine weiße Kuh verwandelte Priestern: Jo, die sie zuerst durch den hundert-üugigen, allsehenden und schlaflosen Wächter Argos (Wohl den nächtlichen Sternenhimmel)bewachen läßt und dann, als dieser von Hermes eingeschläfert und getötet Ward, durch dieBremse über alle Länder jagt, bis sie endlich in Ägypten Ruhe findet. Die Augen des Argosversetzte sie in den Schweif des Pfau, der ihr geweiht war, wie der Llitztragende Adler demZeus. — Heras beide Töchter sind die jungfräuliche Hebe, die Trankspenderin im Olymp, eheder schöne, durch Zeus' Adler vom troischen Gebiete entführte Ganymedes an ihre StelleZ. Pallas trat, und Eileithya, die Beschützerin der Frauen in Kindesnöten. — Schutzgöttin von Athen,

Athene ihr den Olbaum verdankte, ist die jungfräuliche Pallas-Athene (bei den RömernMinerva), die einst bewaffnet aus dem Haupte des Zeus entsprang. Ihr zu Ehrenwurden in Athen aller vier Jahre die großen und alle Jahre die kleineuPanatheuäen,das athenische Hauptsest, gefeiert. Ursprünglich die Göttin des hellen, blauen Himmels, deram herrlichsten in Attika leuchtet, tritt sie mit der Zeit zu dem ganzen geistigen undbürgerlichen Leben in die mannigfachste Beziehung. Sie ist die Erfinderin und Vorsteherinaller Künste und geistigen Beschäftigungen. Durch Erzeugung des Pflugs belebt sie denAckerbau; sie ist Schätzerin der Städte und bürgerlichen Einrichtungen; daher fand sich ihrBildnis als Burggöttin (Palladion) in den meisten griechischen Städten; sie ist Schöpferinder Kriegskunst und Kriegswissenschaft, weshalb sie mit Helm und Schild bewehrt er-scheint. Dieser Schild (Aegis) trägt das alles Lebendige versteinernde Haupt der von demSonnen- und Lichthelden Perseus getöteten Medusa. Auch ist sie die Erfinderin der Heil-4. Hephäst«? kunst, der Flöte, des Webens und anderer Erzeugnisse des Verstandes und Scharfsinns. — Engemit ihr verbunden erscheint der aus dem Himmel auf die Insel Lemnos geschleuderte unddavon lahm gewordene Sohn des Zeus und der Hera, Hephüstos (bei den Römern Vul-canus), der Repräsentant des irdischen, den Menschen dienstbaren Feuers. Er ist der Er-finder der Metallarbeiten und dadurch Förderer der Civilisation und bedient sich des Aetnaund anderer Bulkane als Werkstätte. Seine Gehilfen beim Schmieden und Arbeiten sinds. Apollo« die riesenhaften Kyklopen, die Berfertiger der Blitze. — Eines der bedeutungsvollstenGötterwesen ist der vorzugsweise dem dorischen Stamme angehörende, ursprünglich aus demthessalischen Tempe (nach anderen aus Lykien in Kleinasien) stammende Apollo«. DerMythos nennt ihn und Artemis Zwillingskinder des Zeus und der Leto (Latona) unddie heilige Insel Delos als ihren Geburtsort. Apollen ist ein strahlender Lichtgott