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Erster Band.
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162
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Verhältnisdes Volkszum Grundbesitz

Entstehungdes Adels

Bildung

eines

Krieger-

standes

162 Zweites Buch: Griechische Geschichte. Z 73.

erkennen wollen; aber es scheint trotzdem festzustehen, daß Homer und seinZeitalter die Schrift noch nicht kannten, und so muß es denn vorläufig bei derAnsicht Herodots verbleiben, daß die Phöniker zuerst den Joniern ihr Alphabetübermittelten; denn mit dieser Angabe stimmt alles, was wir sonst aus derGeschichte der griechischen Schrift wissen, zusammen, z. B. der Umstand, daßdie Inschriften ursprünglich linksläufig waren. Jedoch auch hierin zeigten sichdie Hellenen als selbständig gestaltend, indem sie den phönikischen Zeichen vielfachneue Lautwerte beilegten. Späterhin hat sich das hellenische Alphabet in einoft- und westgriechisches gespalten.

0. Der griechische Adelsstaat. Die spartanische Hegemonie.

ß 73. Die Ausbildung des Adelsstaates. Nach der dorischen Wande-rung trat eine Zeit verhältnismäßiger Ruhe ein. Alle Stämme gingenzu voller Seßhaftigkeit über, die alte, auf gemeinsamer Abstammung be-ruhende Gemeinde löste sich aus, und neue politische Gebilde traten an ihreStelle. Nachdem die mykenische Kultur sich völlig ausgelebt hatte, bildetendie erobernden Gebirgsstämme nicht die vorgefundene Ordnung weiter,sondern entwickelten aus der mitgebrachten Wehrgemeinde der Freien etwasNeues. Die Umwandlung wurde zunächst durch die Seßhaftigkeit bedingt.

Der Grund und Boden gehörte in den ersten Zeiten der Gesamtheit;-jedoch hatte der Wehrmann, so wie er die Pflicht hatte, für den erhaltenenAnteil zu streiten, auch ein Recht, von der Gemeinde ein Grundstück zuerhalten, das ihm und seiner Familie den nötigen Unterhalt gewährte (vgl. II§ 13). Ursprünglich standen diese gleich großen Anteile nur im Nießbrauch;aber schon frühzeitig hatten einzelne Familien (die bei Homer den Rat derKönige bilden) sich längere Zeit im Besitz von gewissen Landstrecken zu be-haupten gewußt. In Befolgung eines von Hesiod empfohlenen Grundsatzeswar dann der Anteil des Vaters immer nur wieder auf einen Sohn über-gegangen; dieser langjährige Besitz einer Familie verwandelte diesen An-teil in Privateigentum, und zugleich entstand eine sich im Laufe der Zeitimmer mehr steigernde wirtschaftliche Ungleichheit der Stammesgenossen, diepolitische und sociale Folgen nach sich zog: aus den vermögenden Familienbildetet sich nach und nach ein Adelsstand, dem es gelang, die politische Machtan sich zu reißen und die „Herrschaft der Besten" zu gründen. Dabeiblieb die Priesterwürde noch länger in dem Alleinbesitz bestimmter Familien,teils weil das Religionswesen, auf der Sitte und dem Herkommen be-ruhend, weniger der Wandelbarkeit unterworfen ist als die weltlichenEinrichtungen, teils weil einzelnen Geschlechtern gewisse Künste, Kennt-nisse und Verrichtungen eigentümlich waren, wie den athenischen Eu-molpiden die Sehergabe und die Kunde der eleusinischen Mysterien,den Asklepiaden in Epidauros und Kos die Heilkunde u. dgl. m. —Für die kleinen Leute war der Heeresdienst eine Last, und gern be-gaben sie sich in den Schutz der Mächtigen, die sie vor Unbill schirmten.Wie die Herren die geborenen Herrscher waren, so waren die Herrensöhnedie geborenen Krieger und gestatteten argwöhnisch niemandem, der nichtvon gleichguter Abkunft war, Zugang zu kriegerischen und politischenÄmtern. Aus ihnen bildeten sich die „von guten Vätern Stammenden"(Eupatriden) oder die „Vaterssöhne" (Patrizier) gegenüber der ahnenlofenMenge. Es ist immer, wenngleich in den verschiedensten Formen, der gleiche