87.
Zweites Kapitel: Geschichte Griechenlands bis zu den Perserkriegen.
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sich noch mehrere Frauen als Dichterinnen aus, darunter Korinna aus Tanagra in BLotien,eine durch Geist und Schönheit hervorragende Frau, die mit ihrem Landsmann Pindar inVerkehr gestanden und mit ihm in öffentlichen Wettkämpfen gestritten hat. — Die schwung-vollste Gattung der Lyrik ist der mit dem Dionhsoskult verbundene, an die moderne Opererinnernde D i thyrambos, worin eine bis zur Schwärmerei gesteigerte Begeisterung herrscht.In dieser Gattung zeichnete sich der durch die Sage (8 84) gefeierte Lesbier Arion aus,der diesem bacchischen Festliede dadurch ein kunst- und würdevolles Gepräge verlieh, daß eres durch Chöre, die den brennenden Opferaltar umkreisten, absingen ließ.
Die Zeit des Epos hatte nur ein einziges Instrument, die Harfe, gekannt. Im7. Jahrhundert trat dazu die Flöte, die den Barbaren entlehnt ward, in ihrem Klängemehr unserer Klarinette ähnlich. Man schrieb ihr aufregende Wirkung zu, und sie gewannnur allmählich Boden. (Mythos von Apollon und Marsyas, und das Urteil des Midas).Sie verlangte die Trennung des Sängers und Spielers. Das neue Instrumenttrat ebenfalls in die Dienste des Gesanges. Die Erfindung der Flöte schrieb man demPhrhgier Olympus zu, dessen Existenz zweifelhaft ist. Er soll eine ganze Reihe Melodienund das sogenannte enharmonische Tongeschlecht erfunden haben. — Die Einführung derFlöte in die Musik bildete auch die Cither, die bisher bloß Begleitinstrument war, weiter aus;sie wurde, wie es heißt, durch die Bemühungen des Lesbiers Terp andros zum siebenseitigen,selbständigen Instrument, zur Lyra. Zunächst hatte die Musik ihre Stelle im Kultus zu erfüllenund trug einen feierlich erhabenen Charakter. Bei den Götterfesten wurden meist Texte miteinrahmender musikalischer Begleitung, sogenannte Nomen („Sätze") vorgetragen. Vorallem geschah dies in Sparta, wohin man Terpandros' frühzeitig berufen hatte. Nach undnach zweigten sich von den Nomen weltliche Arten der Musik ab und fanden eigene Ausdrucks-mittel. Neben die ernstfeierlichedorische Tonart trat die weichere ionische, die leidenschaftlicheüolische und daneben, den Griechen unbekannt und gerade dadurch sie anreizend, die beidenbarbarischen Tonarten, die man als die phry zische und die lydische bezeichnet, und vondenen die erstere den wildbegeisterten orgiastischen Taumel malen sollte, während der zweiteneine sanfte Resignation zu Grunde lag. — Eine weitere Fortbildung brachte Thaletasaus Gorthn auf Kreta, dadurch, daß er den altheimischen Waffentanz Pyrrhiche mitmusikalischer Begleitung verband. Er ward nach Sparta, dem eigentlichen Hort dergriechischen Musik berufen, um eine Pest zu beschwören und führte dort als neues musikalischesElement dieHyporcheme (Tanzlieder) ein, die man bei dem neugegründeten Feste der Karneenzuerst anwandte. In Sparta wurde Terpandros' ernster Stil durch die Ephoren beim Kultusfestgehalten; auch blieb man dort bei der siebensaitigen Kithara. Als später PhrhniSvon Lesbos, „welcher zuerst die strengen Regeln des alten Tonsatzes verließ, dem Citherspiclneben der Poesie eine unabhängigere Bewegung einräumte und auf glänzende Finger- undStimmfertigkeit mehr Gewicht legte", mit einer elfsaitigen Cither in Sparta auftrat, schnittenihm die Ephoren vier Seiten ab. Was Phrynis begonnen, setzte Timotheos fort, einglänzend begabter Mann, der von Milet nach Hellas herüberkam, um an Stelle der ver-alteten Gesangskunst die neue Musik mit ihren neuen Instrumenten und Weisen daselbsteinzubürgern. Aber auch er stieß bei den konservativen Spartanern auf Widerstand. DieReinheit der Tonkunst ward hier durch Religion, Sitte und Gesetz festgehalten; erst nach dempeloponnesischen Krieg erlangte die neue Kunstrichtung die Oberhand.
H 87. Die orphische Theologie. Der Vorstellungskreis von Gott undder Welt, wie wir ihn bei Homer, Hesiod und in den sich anschließenden Theo-gonien (Z 72) fanden, mußte dem sich mächtig erweiternden Anschauungskreisder Hellenen bald allzu kindlich und unzureichend erscheinen. Allmählich, schonvom 7. Jahrhundert an, begegnen wir bei den Dichtern einer immer mehrzunehmenden Vergeistigung des Gottesbegriffs. Aus derselben Wurzel, ausder späterhin die Philosophie hervorgegangen ist, das letzte und höchste Geschenk,das der begabte ionische Stamm seinen Volksgenossen zu geben hatte, ist auchdiese neue theologische Richtung des griechischen Geistes entsprungen. Esist nicht mehr die naive Religion der Heldenzeit, die ihre Götter nach ihremBilde schuf; sie reflektiert und sucht den Gläubigen vor allem auf zwei FragenAntwort zu geben erstens: wer lenkt diese Welt und nach welchen Grundsätzen thuter es?, zweitens: was ist das Wesen der Menschenseele, und welche Schicksalewarten ihrer? Bei Beantwortung dieser Fragen sucht die Philosophie dieAntwort aus sich selbst und der Tiefe des menschlichen Geistes zu schöpfen; dieneue Theologie dagegen knüpft an die alten religiösen Vorstellungen an und
Korinnaum 500
Die Musik
Terpandros.um 670
Thaletas.
655
Phrynis.um 400
Timotheos.t 357
Vergeisti-gung des.Götter-glaubens.