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Erster Band.
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Zweites Buch: Griechische Geschichte.

8 86 .

Alkman Der älteste Vertreter dieser Gattung war Alkman aus Sardes, der fast sein ganzes

"" " Leben in Sparta zugebracht hat (8 75). Aus seiner Heimat brachte er die Kenntnis der ver-schiedenen musikalischen Arten mit. Der Hauptvorzug seiner Hymnen, Päane und Jung-frauenchöre (Partheuien), worin sich das bürgerliche und sittliche Leben des Spartanersabspiegelt, lag in der malerischen Anschaulichkeit seiner Schilderungen. Wenn auch einigeseiner Chorlieder religiösen Inhalts waren oder die spartanische Tugend priesen, so be-sang er doch vorzugsweise Liebe und Wein und eine reich besetzte Tafel und beklagte dasAlter, das diese Genüsse nicht zulasse. Seine Virtuosität war die Flötenmusik. — EinigeSwstch°ros ZM nach ihm blühte Stesichöros aus Himkra in Sicilien, ein fruchtbarer, vielgefeierterDichter, der epische Stoffe (Heroensagen) geschickt in lyrische Form zu kleiden verstand. —

Jbykos Jbykos aus Rhegium lebte lange am Hose des Polykrates von Samos und soll durch

" Räuberhand umgekommen sein („die Kraniche des Jbhkus"); er ahmte in den mythischen

Gesängen seinen Landsmann StesichoroS nach und besang dabei der Liebe Leid und Lust

mit äolischem Feuer und der Glut einer ungestümen Leidenschaft. — Die vollendetsten lyrischenGedichte sind von Simonides und Pindar, die miteinander um die Siegespalme der Dichtkunstwetteiferten. Simonides von Keos lebte eine Zeit lang zu Athen in dem durch Hipparchversammelten Dichterkreise, begab sich dann nach Thessalien, wo er um Sold die reichenHerrscherhäuser der Aleuaden u. a. feierte und sich den Vorwurf eines Fürstenschmeichlers

und Schmarotzers zuzog, wiewohl er hie und da auf die feinste Weise den Machthabern

auch die Wahrheit zu sagen wußte. Die schwungvolle Zeit der Perserkriege, denen ermanches treffliche Gedicht widmete, verlebte er wieder in Athen, im Umgang mit Themistokles,und begab sich dann an den Hof des Tyrannen Hieron von Shrakus, wo er als gekrönterSieger in vielen poetischen Wettkämpfer: fast neunzigjährig starb. So sehr das ganzeAltertum sein Dichtertalent anerkannte und ehrte, so scharf rügte man seine Erwerbsuchtund seinen Geiz. Simonides war ein gewandter Weltmann; auf dem weitesten Schauplatzder griechischen Gesellschaft, der ihm eine Fülle der Erfahrung bot, bewegte er sich mitSicherheit und feinem Takte; seine Lebensklugheit wußte jedes Verhältnis zu beherrschen,und ein Heller Verstand, durch Witz und scharffinnige Rede unterstützt, ließ ihn überall dierechte Mittelstraße gewahr werden. Seine Dichtungen sind mannigfaltiger Art und durchGlätte, Zartheit der Empfindung und Eleganz ausgezeichnet, auch sind sie nicht ohne Kraft,vwnn ste ^eich Pindars erhabenen Schwung nicht erreichen. Sein Neffe Bakchylkdes (dessenGedichte im Jahre 1897 zum Teil auf einem ägyptischen Papyrus gefunden worden sind)M -448 versuchte sich auf gleicher Bahn, gelangte aber nicht zu dem Ruhme des Oheims. Pindar,der Böotier, aus Kynoskephalä bei Theben, war der gepriesenste lyrische Nationaldichterder Griechen, der von den demokratischen Städten nicht minder gesucht und geehrt ward,als von den Fürstenhöfen und den reichen Adelsfamilien. Obgleich er während der Perser-kriege lebte, wirkten diese bei weitem nicht so auf ihn, wie auf seinen Zeitgenossen Aeschy-lus (ß 101). Pindar konnte sich von der kleinlichen Neutralitätspolitik seiner Vaterstadtlange nicht losmachen, bis ihm endlich durch den herrlichen Doppelsieg am Eurhmedon (8 96)die Augen über die wahre Bedeutung Athens aufgingen. Der Umstand, daß er die meistenseiner Gedichte auf Bestellung und um Lohn arbeitete, schadete seinem Charakter undseiner Ehre keineswegs, da er sich nie zum Schmeichler herabwürdigte und bei seinenGelegenheitsgedichten immer solche Seiten hervorzukehren wußte, die den wahren Dichter zubegeistern imstande waren. Pindar glänzte in allen Gattungen der lyrischen Poesie, vomfeierlichenPäan und schwärmenden Dithyrambus bis zu den fröhlichen Tischliedern(Skolien); doch sind seine Siegeslieder (Epinikien), zur Verherrlichung der in dengroßen Notionalspielen zu Olympia, Delphi u. a. O. gekrönten Sieger, die Perlenseiner Poesie. Die Siegeshymnen wurden entweder auf dem Kampfplatz beim Festzuge,oder bei dem auf die Wettspiele folgenden Festzuge (Komos), oder bei Einholung einesSiegers, oder beim Einzüge desselben in seine Vaterstadt, oder bei einem deshalb angestelltenDankfeste im Tempel oder bei späteren Erinnerungsfesten von einem Chor gesungen. Indiesen Hymnen brachte er immer den Ruhm des Siegers in Zusammenhang mit demZustand und der Vergangenheit des Stammes und Staates (womöglich in mythologischerZeit), aus dem er hervorgegangen, und ermähnte stets, das errungene Glück würdig zutragen und zu nutzen, oder die bewiesene Tüchtigkeit auch durch andere Tugenden, besondersFrömmigkeit, zu erhöhen. Seine schwungvolle Phantasie, die ihn oft zu den kühnstenBildern und Gleichnissen führt, seine sentenzenreiche, feierliche Sprache, seine raschen,unverhofften Übergänge machen seine Gedichte oft dunkel und unverständlich. In seinenVersmaßen strebte er das Großartige an und so repräsentierte er gemeinsam mit Aeschhlus„die ältere Generation der gestrengen Anhänger der alten Sitte und die altertümlicheRichtung des getragenen an die Herbe anstreifenden Stils". — Außer Sappho zeichneten