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Erster Band.
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192 Zweites Buch: Griechische Geschichte. Z 89.

Syros oder der Malier Mhson genannt werden. Es waren praktische Männer, die als.Staatsbeamte, als Ratgeber des Volkes und Leiter der öffentlichen Angelegenheiten thätig,gewirkt haben. Gewöhnlich legt man ihnen folgende Denk- und Sittensprüche bei:1. Kleobülos von Lindos: „Maß zu halten ist gut." 2. Periandros von Korinth:„Jegliches vorbedacht!" 8. Pittakos von Mytilene: „Wohl erwäge die Zeit!" 4. Biasvon Priene: „Mehrere machen es schlimm!" 5. Thales von Milet: „Bürgschaft bringetdir Leid!" 6. Cheilon von Lakedämon: „Kenne dich selbst!" 7. Solon von Athen:„Nimmer zu sehr!"

§ 89. Pythagoras und die Pythagor'äer. Die pythagoräische Philosophie,rührt ihren Grundzügen nach von Pythagöras her, der zuerst den Namen,des Weisen (Sophos) mit dem eines Weisheitsfreundes (Philosophos)vertauschte und als Stifter des pythagoräischen Bundes und als poli-tische und moralische Persönlichkeit in höchster Verehrung stand; die Ausbildung,seiner Lehre jedoch gehört seinen Jüngern an.ä?Pytha- Pythagoras, der Anhänger eines alten Adelsgeschlechtes, wird uns alsgoräismus Anhänger des Pherekydes von Syros bezeichnet, und somit ist seine Verbindung,mit dem Kreise der Orphiker (Z 87) gegeben. Von ihnen hat er das Sekten-stiften entlehnt, und viele Lehren, die ihm zugeschrieben werden, zeigen aufsdeutlichste den Einfluß jener theologischen Richtung. Das Neue aber, wasseinen Namen unsterblich gemacht hat, besteht in der Verbindung der orphischeuRichtung mit der neuen Naturphilosophie der Jonier; dadurch hat er das Band.zwischen Mathematik und Mysticismus geschlungen, das, so oft bespöttelt, dochin gewissem Sinne noch bis heute hält.

L°hr-des Mag er auch die Kenntnis der mathematischen Probleme von den Baby-^ loniern haben und ihm der bekannte pythagoräische Lehrsatz mit Unrecht zu-geschrieben werden, gewiß ist, daß dieser kluge Kopf zuerst die Wahrheit vollerkannte, daß die Mathematik allgemeine Sätze liefert, die alle Erscheinungs-wesen unabänderlich beherrschen. Er und seine Jünger, von denen besondersPhilolaos und Lhsis zu nennen sind, trugen ihre Lehren meist in kurzenSprüchen vor, die autoritativ auftreten. Hierin führten sie alles auf Zahlund Maß zurück, denn in den Zahlenverhältnissen erkannten sie das Wesender Dinge, und aus den Zahlenverbindungen erklärten sie sich deren Entstehung.Die Welt war ihnen ein wohlgeordnetes Ganze, das aus zehn WeltkörpernHarmonie (Sphären) bestand, die sich in regelmäßigen Bewegungen um die große EinheitderSphare»dre^n, die sie als Eins oder Centralseuer oder Gott oder den Urgrund allervollkommenen Dinge bezeichneten. Nach einer älteren Auffassung ergeben diesieben Himmelskörper durch ihre schwingende regelmäßige Bewegung im Welten-raum einen den sieben Seiten der Lyra entsprechenden Zusammenklang (Har-monie der Sphären). Weit weniger wissen wir von der ethischen Seiteund der Seelenlehre des pythagoräischen Kreises. Es gehört dahin vor allemWanderung Lehre von der Seelenwanderung, die er aus Ägypten entnommen habensoll, und der Glaube an Dämonen. Dieser Teil der pythagoräischen Lehresteht ganz unter dem Einfluß der Orphiker, was unter anderem dadurch be-zeugt wird, daß die Pythagoräer von einer Vergeltung nach dem Tode redetenund daß ihre Forderungen sich gänzlich mit denen der Orphiker deckten (Rein-heit, Mäßigkeit, Ehrfurcht vor den Göttern).

Leben des Pythagoras, geboren um das Jahr 580 aus der Insel Samos, war ein durch.Pythago.as^^.^ des Körpers und Geistes ausgezeichneter Mann, dessen Leben in mythisches undmystisches Dunkel gehüllt ist. Nachdem er seinen Geist an Mathematik und Musikgestärkt und dann auf großen Reisen nach Griechenland, Kreta und Ägypten (wo er in dieWeisheit der Priester eingeweiht worden sein soll) die Sitten und Einrichtungen der ge-bildetsten Völker kennen gelernt hatte, verließ er Samos, wo unter der Herrschaft desTyrannen Polykrates (Z 82) für seine Ideen kein Raum war, und begab sich nach Unteritalien,wo die in ihrer Heimat schon halb verwelkte Kultur der Jonier eine schöne Nachblute er-lebte und besonders in Kroton eine von Thatenlust gehobene Bürgerschaft bisher demEindringen des Luxus und der Wollust erfolgreich widerstanden hatte. Hier erwarb er