H 93. Drittes Kapitel: Von den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 201
thrakischen Cherfones, die Gelegenheit, sich der Inseln Lemnos und Jrnbroszu bemächtigen und so die Straße nach dem Pontus, die wegen derGetreidezuführ eine Lebensader des attischen Staates war, zu sichern.Anfangs schien der Aufstand zu gelingen. Das ganze.Küstenland vonKarien bis Chalkedon am Bosporus stand in offener Empörung, undAristagoras faßte den Entschluß, durch einen Angriff auf Sandes »sseine rasche Entscheidung herbeizuführen. Wirklich bemächtigten sich dieGriechen der Stadt bis aus die hochgelegene Burg. Als aber ein Griecheeinen Feuerbrand in ein leicht gebautes Haus warf und die Flammenschnell die mit Schilfdächern versehene Stadt verzehrten, da wagte manangesichts des nahenden Perserheeres die Belagerung nicht, und so bliebnichts anderes übrig als der Rückzug nach Ephesos, wo sich die Athenervon den kleinasiatischen Griechen trennten. Nun wendete sich das Glück.Nicht nur erlitt das Landheer kurz nach dem Brand von Sardes an demStrande von Ephesos durch den persischen Statthalter eine Niederlage; auchdie wichtige Insel Khpros, die sich unter ihren einheimischen Fürstenfür frei erklärt und dem Aufstande angeschlossen hatte, ging trotz glänzenderWaffenthaten ihrer Bewohner verloren. Dadurch wurde die persische Flottefrei und erschien an der Westküste Kleinasiens. Die Uneinigkeit der Jonier,die sich ihrem Führer Dionysios aus Phokäa nicht fügen wollten, unddie Übermacht der Feinde führten im nächsten Jahre den Verlust der See-schlacht bei Lade (einem Jnselchen vor dem antiken Hasen von Milet) und »s»die Eroberung und Zerstörung von Milet herbei. Die Milesier wurdenteils getötet, teils in Knechtschaft nach dem untern Tigris abgeführt undihre Stadt mit Persern besetzt. Aristagoras floh zu den Thrakern am 493Strymon, wo er erschlagen ward; Histiäos, der, zur Beschwichtigung desAufstandes nach Jonien entsandt, sich ihm angeschlossen hatte, starb alsGefangener am Kreuz. Karien wurde nach tapferer Gegenwehr besiegt,Jonien geriet aufs neue unter das persische Joch und wurde hart ge-züchtigt, und Dareios schwur den Förderern des Aufstandes, den Athenernund Eretriern, blutige Rache. Nach Herodot mußte ihm ein Diener beijeder Mahlzeit dreimal zurufen: „Herr, gedenke der Athener!"
Z 93. Die ersten Feldzüge unter Dareios (492—49V). Themistoklesund Aristeides. Um die ersehnte Rache zu nehmen, zog zuerst Mar-donios, des Dareios Schwiegersohn, mit einer Flotte und einem 492Heer längs der thrakischen Küste gen Griechenland, während Herolde vonsämtlichen griechischen Staaten Wasser und Erde, die Zeichen der Unter-werfung, verlangten. Aber ein Sturm schleuderte die Schiffe Wider dasVorgebirge Athos, und die thrakischen Völker erschlugen einen Teil desLandheeres, so daß Mardonios sich unverrichteter Sache mit den Trüm-mern seiner Armee nach Asien zurückbegeben mußte. Nicht besser erging esden Herolden. Zwar reichten die meisten griechischen Staaten die der- 491langten Gaben; in Sparta und Athen aber wurden die Boten gegen allesVölkerrecht getötet. Die Spartaner stießen sie in einen Brunnen, wo siesich das Verlangte holen sollten, die Athener stürzten sie in den für dieHinrichtung von Verbrechern bestimmten Abgrund (Baräthron).
Über diesen Hohn aufgebracht, schickte Dareios im folgenden Jahre einezweite mit vielen Truppen bemannte Flotte unter Datis, einem älteren »soKriegsmann, und dem jungen Artaphrenes, dem Sohn des Statthaltersvon Sardes, ab. Diese durchschnitt den Archipelagus, wo sie Naxos und