8 94 . Drittes Kapitel: Von den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 205
die Flotte längs der Küste und durch den zwischen dem VorgebirgeAthos und dem Festlande von phönizischen Werkleuten neu gegrabenenDurchstich hinsegelte, um das Heer mit dem Nötigen zu versehen.
Um dem Vorstoß gegen Hellas die nötige Wucht zu verleihen, hatteZlerxes beschlossen, die Westgriechen dadurch lahm zu legen, daß er mit KarthagoKarthago (§ 187) ein Bündnis abschloß und diesem den ganzen Westenpreisgab, wenn es zu gleicher Zeit mit ihm die unteritalischen Griechenangreisen würde. Karthago, das schon längst ein lüsternes Auge aus diereichen Griechenstädte geworsen hatte, ging darauf ein und sandte eingroßes Heer mit entsprechender Flotte unter Hamilkars Befehl vor, umzunächst den Osten Siciliens zu gewinnen.
In Hellas selbst war die Stimmung geteilt. Einzelne Staaten ent-schlossen sich zur Unterwerfung oder Neutralität (Argos, Böotien); Athenaber, das die Rache für Marathon zu fürchten hatte, und Sparta, dasHaupt des peloponnesischen Bundes, das bei einer Unterwerfung seineStellung einbüßen mußte, waren gewillt, sich bis auf das äußerste zuwehren. Die erste Verteidigungsstellung war das Tempethal, durch das^NmA-die große Heerstraße von Makedonien nach Thessalien führt. Aber die thn-sLakedämonier, denen der Oberbefehl zugefallen war, gaben diese Positionohne Schwertstreich auf, da sie von einer Umgehung durch das Haliakmon-thal über den Paß aus den kambunischen Bergen gehört hatten und dieunsichere Haltung der Thessalier fürchteten. So fiel denn Thessalien indie Hände der Perser. Die zweite Verteidigungslinie bot der Engpaß derThermopylen, auf der Grenze von Thessalien und Mittelgriechenland.
Nun endlich zeigte Griechenland, was Eintracht, Mut und Vater-landsliebe vermögen. Ein Bund mit einem allgemeinen Land- undGottessrieden, aus des Themistokles Betreiben abgeschlossen, vereinigte diemeisten griechischen Staaten unter Spartas Hegemonie, als im Juli Lerxesan den Thermopylen erschien. Der lakedämonische König Leonrdas hielt r-°nid°sdiese mit dreihundert Spartanern und einigen Tausend Bundesgenossenbesetzt. Der Aufforderung, die Waffen abzuliefern, begegnete der Helden-mutige Führer durch die mannhafte Antwort: „Komm und hole sie!" und aufdie Bemerkung, die Menge der Feinde sei so groß, daß ihre zahlreichen Geschossedie Sonne verfinstern würden, erwiderte ein anderer: „Desto besser, sowerden wir im Schatten fechten!" Umsonst suchte der Perserköuig mehrereTage lang den Durchgang zu erzwingen. Tausende seiner Soldaten erlagender Lanze und dem Schwerte der Hellenen; selbst die 10000 Unsterblichen(Z 54) konnten die Griechen nicht bestehen. Da führte ein verräterischerGrieche Ephialtes einen Teil des Perserheeres auf einem Fußsteig (Anopaia) EMunsüber die Berghöhe des Oeta. Tausend Phoker, die auf dem Gipfel auf-gestellt waren, um eine etwaige Umgehung zu verhindern, ergriffen alsbalddie Flucht, so daß die Feinde ungehindert auf der andern Seite nieder-steigen und die Hellenen im Rücken angreifen konnten. Aus die ersteKunde von der drohenden Gefahr entließ Leonidas, wie es heißt, dieTruppen der Bundesgenossen. Er selbst mit seinen dreihundert Spartanern,denen sich noch freiwillig siebenhundert Bürger der Stadt Thespiäanschlössen, wählte den Tod fürs Vaterland. Von beiden Seiten an-gegriffen, kämpften sie mit Löwenmut, bis sie, erdrückt von der Übermachtund ermüdet vom Kämpfen, erlagen. Nur die Thebaner, die gezwungenam Kampfe teilgenommen hatten und nach der Bewältigung des Paffes