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Zweites Buch: Griechische Geschichte.
monopolisierenden Versorgung der anderen Griechen mit peloponnesischenBodenprodukten unter seine Leitung zu bringen.
Gewaltig war der Versuch, Athen zur Herrscherin der Meere zumachen, und jahrzehntelang schien er geglückt. Aber das herrliche Ge-bilde trug in dem Interessengegensatz zu Sparta seinen Todeskeim in sich.Der Kamps zwischen beiden Staaten und Wirtschaftsformen mußte kommenund mußte geführt werden, bis einer der Gegner am Boden lag. Diese(früher nicht genug beachtete) Seite des Gegensatzes der beiden Mächteerklärt auch die Erbarmungslosigkeit des Streites, gerade wie bei demKamps zwischen Karthago und Rom. Denn Wirtschastskämpfe lassen, un-gleich den idealen Gegensätzen, nur schwer Kompromisse zu und führen zuSieg oder Vernichtung.
Ausbildung Dieser wirtschaftliche Gegensatz verquickte sich mit einem politischen,Demokratie der in der Hauptsache nur die Folge des ersteren gewesen ist, aber fastimmer als der Hauptgrund des Zwiespaltes zwischen Athen und Sparta an-gesehen ward. Es bildete sich nämlich in allen Staaten, die sich auf Handelund Industrie angewiesen sahen, die neue Staatsform der Demokratieheraus, am schnellsten und nachdrücklichsten dort, wo Handel und Industrieihr Centrum fanden, d. h. in Athen. Das Herrscherrecht der Geburtwar schon vorher in vielen durch das Herrscherrecht des Besitzes abgelöstworden. Die Generation, die die Perserkriege durchgesuchten hatte, trugdas Ideal der Freiheit, die in der sittlichen Persönlichkeit ruht, ohne umGeburt und Besitz zu fragen, tief in ihrem Herzen; alle Wortführer derdamaligen Zeit sind Demokraten gewesen. Dabei hat sich der Umschwungin allen Staaten, die von Handel und Industrie existierten, friedlich undaus dem Wege der Reform vollzogen; durch die Volksversammlung unddas allgemeine Stimmrecht wurde das Volk dazu hinübergeleitet; einesociale Revolution fand nirgends statt, obwohl sogar kommunistische Ge-danken auftauchten. Das schon stark demokratische Athen an der Spitzedes delischen Bundes machte aus allen den kleinen Staaten, die sich an-schlössen, ebenfalls Demokratien. Umgekehrt fanden die alten Regierungs-formen einen starken Rückhalt an Sparta, das den konservativen Zug allerAckerbauländer zeigt. Zwar blieb es von demokratischen und monarchischenErschütterungen nicht verschont (Versuch des Pausanias, sich des Ephoratszu entledigen, und der große Helotenausstand 464), aber es wußte ihrerMeister zu werden und war der natürliche Beistand aller aristokratischenMinderheiten, um auch auf diese Weise den großen politischen und socialenAufschwung zu hindern.
§ 98. Athens Glanzzeit. Perikles. Erster Zusammenstoß zwischenAthen und Sparta. Wie sehr auch die Spartaner mit Neid auf diewachsende Macht und Größe der Nebenbuhlerin blickten, der Kampf mitmbffEscherArgos, das damals aus Neid und Rache die altehrwürdige Stadt Mhkenä4 K-A 5 um ihrer vaterländischen Gesinnung willen zerstörte, vor allem aber einfürchterliches Erdbeben, das den größten Teil ihrer Hauptstadt in TrümmerauAtänd «4 und einen zehnjährigen, hartnäckigen Krieg mit den empörten Messe-niern und Heloten hervorrief, machte ihnen jedes Einschreiten unmöglich.Im stillen aber spannen sich die Fäden zwischen Sparta und der aristo-kratischen Minderheit in Athen, die sich in zahlreichen Klubs (Hetärien) einefeste Organisation geschaffen hatten, immer fester, da Kimon (Z 96) offen-kundige Sympathien für Sparta hegte. Der spartanische Hochmut verdarb