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Erster Band.
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Z 106. Drittes Kapitel: Von den Perserkriegen bis zum Tode des Epaminondas. 2ZZ

dieselbe bleibt; bald wird es im höheren Grade eintreten, bald in geringerem, je nach denWechselfällen der Ereignisse. Denn während des Friedens hegen Staaten wie einzelneedlere Gesinnung, weil sie freie Entschließung haben; der Krieg aber, der die Behaglich-keit der täglichen Lebensgewöhnung raubt, ist ein harter Lehrmeister und stimmt die Leiden-schaften der Menge nach den Umstünden des Augenblicks. In dem Taumel des Parteikampfeswurden sogar alle hergebrachten Begriffe umgewertet. Was man früher getadelt hatte, hobman jetzt gen Himmel: Waghalsigkeit hieß wackerer Mannessinn, vorsichtiges Zurückhaltenschnöde Feigheit. Die ewig Unzufriedenen galten etwas; wer ihnen widersprach, war ver-dächtig. Hoch pries man den Mann, dem ein hinterlistiger Anschlag geglückt war. Sogardie Bande des Blutes traten zurück gegen den Vereinsgeist, weil dieser bereitwilliger war,rücksichtslos etwas zu wagen; denn solche Vereine bezweckten nicht eine mit den geltenden Gesetzenverträgliche Unterstützung, sondern eine ihnen zuwiderlaufende Bevorzugung ihrer Genossen.

Auch die gegenseitigen Garantien befestigte man nicht durch das göttliche Gesetz, sondern durchgemeinschaftliche Verbrechen. Die von den Gegnern ausgehenden heilsamen Vorschläge nahmman nur aus vorsichtiger Berechnung und nicht aus Edelsinn an. Sich an jemandem zurächen galt für wünschenswerter, als selbst nicht zuvor beleidigt zu werden. Und wurden jaeinmal Versöhnungseide geschworen, so galten sie, da sie gegenseitig aus Not geleistet wurden,nur für den Augenblick, solange man nicht von andern Seiten Verstärkung erhielt."

Den Erfolg auf Kerkhra konnten die Athener sehr Wohl brauchen, Achand-denn sonst wäre es ihnen nicht möglich gewesen, aus Sicilien, aus das sie ^»g-nschon lange die Augen gerichtet hatten, sich einzumischen. Nach dem Jahre427/26 war den Peloponnesiern bis auf weiteres durch die glücklichenFeldzüge des Laches (ß 108) die Hoffnung genommen, daß ihre west-lichen Kolonien ihnen zur See zu Hilfe kommen würden. Darum kamdie Friedenspartei in Sparta zum Siege, was sich in der Rückberufungdes 446 Verbannten Königs Pleistoanax (Z 98) äußerte. Sofort wurdenFriedensverhandlungen angeknüpft, und die athenische Mittelpartei unterNikias war gern bereit, auf annehmbare Bedingungen hin abzuschließen.

Aber leider war die Macht immer mehr in die Hände des Kleon und seinesAnhangs gelangt. Dieser aber war dafür, den Krieg zu Ende zu führen,bis einer der Gegner am Boden lag, und es gelang ihm, bei der Strategen-wahl lauter Männer seiner Farbe durchzubringen. Mit ihnen trat auchein neuer Kriegsplan in Kraft: man suchte die Peloponnesier dadurchniederzuwerfen, daß man an geeigneten Punkten ihres Landes Zwing-burgen am Meere errichtete und ihnen so jede Bewegung zur See un-möglich machte. So hatte man schon früher unter Phormion Naupaktos 4 sobesetzt und dadurch den korinthischen Golf gesperrt. Jetzt nahm man dieIdee in größerem Maßstabe wieder auf, und es gelang dem athenischenFeldherrn Demosthenes, einem Mann von großem Unternehmungsgeist,der kurz vorher die korinthische Tochterstadt Ambrakia bezwungen hatte, 42 saus einem Zuge nach Sicilien sich des messenischen Ortes Phlos (Nava-rino) zu bemächtigen und von dort aus mit Hilfe entlaufener Helotenund Messenier das lakedämonifche Gebiet durch Raubzüge und verheerendeEinfälle zu beunruhigen. Umsonst versuchten die Spartaner, sie darauszu verdrängen; ihr Angriff wurde zurückgeschlagen und mehr als 400Schwerbewaffnete auf der öden Insel Sph akteria eingeschlossen, wo sie^-sAUdem Hungertod erlegen wären, wenn nicht einzelne Heloten, gelockt durch die 425Aussicht aus Freiheit und Lohn, in kleinen Ruderkähnen ihnen Lebensmittelzugeführt hatten. Lange wagten die Athener keine Landung; erst nachdemneue Verstärkungen gekommen waren, gelang es ihnen, sich der Insel zu be-mächtigen und, unterstützt von einem Waldbrand und von den ortskundigenMesseniern, die Spartaner in einer hochgelegenen Schanze so in die Engezu treiben, daß sie sich alle ergeben mußten und als Gefangene nach Athen