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Erster Band.
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234 Zweites Buch: Griechische Geschichte. Z 107.

gebracht werden konnten. Diesen Ausgang hatte Kleon, der Anführerder Verstärkungstruppen, bewirkt, der so zu einem unerwarteten Kriegs-ruhm gelangte und nun erst recht den Frieden zu hindern suchte.

Eine Reihe unerwarteter Erfolge siel auch weiterhin den Athenern zu:Kythsra 42 Lso gewannen sie 424 Khthera, wodurch sie den lakonischen Golf sperrten,und besetzten unter Hippokrates sogar Megara. Dann aber wandte sichdas Kriegsglück. Der kühne Spartaner Brasidas nahm ihnen Megarawieder weg, und nur der Hasen Nisäa blieb in athenischen Händen. Dochwollte man in Athen von Frieden nichts hören; erst als die Athener bei424 Delion, einem Tempel des Apollo an der böotischen Grenze (wo Sokratesund Alkibiades sich den Preis der Tapferkeit erwarben und der attischeFeldherr Hippokrates mit tausend Hopliten die Wahlstatt deckte) von denBöotiern eine empfindliche Niederlage erlitten und der geschickte Brasidasdie thessalischen Gebirgspässe durchschritten hatte und die athenischen Pflanz-422 städte in Thrakien und der Chalkidike mit Erfolg bekriegte und zum Abfallhrachte, erlangte die Friedenspartei die Oberhand. So kam denn derFriede des Nikias zu stände, in dem man sich zu einer fünfzigjährigenWaffenruhe, zur Herausgabe aller Gefangenen und aller Eroberungenaus Grund des Besitzstandes vor dem Kriege und zur friedlichen Aus-gleichung aller künftigen Streitigkeiten verstand. Kurz nach dessen Ab-42 i schluß ging den Athenern noch Amphipolis verloren, der Schlüssel zuThrakien. Im heißen Ringen fiel der athenische Feldherr Kleon mit einemgroßen Teile seines Heeres. Die Spartaner hatten glänzend gesiegt, aberihren Feldherrn Brasidas verloren, und mit seinem Tode hörte die soglücklich begonnene auswärtige Politik Spartas gegenüber den attischenBundesgenossen wieder auf.

§ 107. Die Zeit des faulen Friedens (421—413). Alkibiades.

Der Friede des NikiaS trug schon vom ersten Tage an den Todeskeim insich, denn Klearidas, des Brasidas Nachfolger, gab Amphipolis nicht heraus,im Einverständnis mit den Chalkidiern, die von einer neuen Unterwerfungunter Athens hartes Joch nichts wissen wollten. Daraufhin hielten dieAthener ebenfalls mit der Räumung von Kythera und Phlos zurück.Auch die Korinther, die Kerkyra nicht wieder erhielten und Naupaktos inden Händen der Feinde sahen, wollten vom Frieden nichts wissen undfanden bei den Böotiern und Chalkidiern laute Zustimmung. Da dieAgi-ischer Spartaner nicht nachgeben wollten, sondern fest aus den Friedens-bedingungen bestanden, brach der peloponnesische Bund in Stücke. Korinth,Elis, Mantineia fielen ab und schloffen mit Argos, dem alten FeindeSpartas, eine neue Eidgenossenschaft, so daß Sparta gänzlich vereinsamtwar. Dieser neue Bund suchte engere Fühlung mit Athen zu gewinnen,wo die kriegslustige demokratische Partei wieder obenauf gekommen war.

In dieser Annäherung wurden sie besonders ermutigt von dem dreißig-Alkibiad-s jährigen Alkibiades, dem Sohne des tapferen und reichen Kleinias, derhier zuerst seine Gewandtheit und seine diplomatischen Talente bekundete.Alkibiades, der Verwandte und Mündel des Perikles, der jugendlicheFreund und Genosse des Weltweisen Sokrates, besaß neben unermeßlichemReichtum die größten äußeren und inneren Vorzüge und einen rastlosenEhrgeiz. Er war schön, geistreich, gebildet und ein trefflicher Redner, sodaß er ganz geeignet gewesen wäre, die Rolle des Perikles zu übernehmen,hätte er mehr Ruhe und Besonnenheit besessen und seine unbändige Selbst-